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29.07.2010 20:53

Börsen-Zeitung: Die goldene Frage, Kommentar von Walther Becker zu den
Quartalsergebnissen der deutschen Blue Chips
   Frankfurt (ots) - War da was? Die deutschen Blue Chips melden sich
mit glänzenden Quartalsergebnissen und starken Bilanzen zurück. 
Vorbei die Zeiten, als ums Überleben auch großer Konzerne gefürchtet 
werden musste. Was die Vorstände jetzt schwarz auf weiß zeigen, hat 
der Markt eskomptiert. Kauflaune kommt wegen der unsicheren Lage in 
den USA nach den positiven Halbjahresresultaten nicht auf.

   Die Devise heißt: China, China, China. Der Boom dort arbeitet sich
direkt und indirekt durch sämtliche Branchen. Die exportstarke 
deutsche Industrie profitiert vom Wachstum in Asien und in 
Lateinamerika. Was vor einem Jahr negativ auffiel, ist heute ein 
günstiges Zeichen: Die freien Cash-flows gehen zurück, weil das 
Working Capital aufgestockt wird und wieder ins operative Geschäft 
investiert wird.

   Von den sieben Schwergewichten aus der ersten Reihe haben am 
Donnerstag lediglich Bayer und Lufthansa nicht recht überzeugen 
können. Der Blick ins Zahlenwerk zeigt jedoch, dass da auf hohem 
Niveau gekrittelt wird. Die Kranich-Linie leidet unter ihren Zukäufen
und der Aschewolke; das Konglomerat aus Leverkusen profitiert zwar 
von einem erstarkten Chemiegeschäft, doch sind bei Pharma und im 
Agrargeschäft Abstriche zu machen. Ansonsten eitel Sonnenschein. Nach
einem Rekordergebnis und einem sensationellen Auftragszuwachs von 
mehr als einem Fünftel erhöht Siemens die Ertragsprognose. BASF hat 
den Gewinn mehr als verdreifacht, Merck erhöht die Erwartungen. Beide
winken mit höherer Dividende. VW verdoppelt das Betriebsergebnis und 
bringt das Kunststück fertig, die Nettoliquidität seit Jahresbeginn 
um 7 Mrd. auf 17,5 Mrd. Euro aufzudrehen. Auch die VW-Beteiligung MAN
kann.

   Vom Arbeitsmarkt kommen ermutigende Signale und der befürchtete 
Einbruch im privaten Konsum bleibt aus. Die Staatsschuldenkrise wirkt
sich positiv mit günstigeren Wechselkursen aus. Die Stimmung in der 
Wirtschaft stieg im Juli so stark wie seit 20 Jahren nicht.

   Also alles in Butter? Bleibt "Double Dip" ein Fremdwort? Ein 
wesentlicher Teil der Belebung liegt an Konjunkturprogrammen, die 
langsam auslaufen. Das Damoklesschwert der Deflation schwebt 
angesichts staatlicher Sparrunden über der Wirtschaft. Und die starke
China-Abhängigkeit kann schnell zum Bumerang werden. Siemens-Chef 
Peter Löscher bezeichnet es als goldene Frage, ob der Aufschwung 
dauerhaft ist. Die Antwort kann auch er nicht geben.

   (Börsen-Zeitung, 30.7.2010)

Originaltext:         Börsen-Zeitung
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