Peeters: "Kauf das Gerücht…"
Blick auf die Börse von Roger Peeters*
Roger Peeters über die Handelsstrategie Gerüchte zu kaufen und bei tatsächlich eingetroffener Tatsache wieder zu verkaufen. Hier heißt es ein gutes Näschen für die Märkte zu entwickeln.

Peeters
29. Juli 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). „Buy the rumour, sell the fact“ zählt zu den älteren und etablierteren Börsenregeln. Demnach spekulieren Börsianer auf Ereignisse, von denen sie glauben, dass diese eintreten werden und stellen die Position am Tage der offiziellen Veröffentlichung des Gerüchts glatt. Das Ganze funktioniert natürlich auch in spiegelverkehrter Form bei negativen Ereignissen und sinkenden Kursen. In abgewandelter Form heißt es hier „Sell the rumour, buy the fact“, wenn etwa die entsprechende Spekulation über einen Leerverkauf abgedeckt wird, der am Tage der offizielle Verkündung des erhofften Ereignisses dann wieder eingedeckt wird.
Eine momentane Weiterentwicklung der „Buy the rumour“-Regel scheint die Ausweitung auf ganze Branchen oder komplette Märkte zu sein. Auch hier zeichnet sich ab, dass gewisse Entwicklungen von (zahlreichen) Anlegern bereits richtig antizipiert worden sind, was dann in der Summe zu auffallend schwachen (Rest-)Reaktionen bei den betroffenen Titeln führt, wenn dann aus den Gerüchten knallharte Fakten werden.
Nehmen Sie etwa den viel diskutierten „Stresstest“ für die größten europäischen Geschäftsbanken. Über Wochen hinweg sind Spekulationen angestellt worden, wie denn die einzelnen Institute und die Zunft insgesamt abschneiden werden. Experten kamen zu Hauf zu Wort, auch von den betroffenen Häusern gab es die eine oder andere Aussage, was denn zu erwarten ist. Am Ende sorgte die Veröffentlichung dann kaum noch für eine Marktreaktion. Alles, was die Europäische Zentralbank vor knapp einer Woche zu der Branche veröffentlicht hat, sorgte am darauf folgenden Handelstag auf dem Parkett kaum noch für mehr als ein Schulterzucken. Stress auf dem Parkett hat dieser Test -wenn überhaupt - nur im Vorfeld bewirkt.
Auch die momentane Berichtssaison ist deutlich davon geprägt, dass der Markt ein ausgesprochen gutes Näschen dafür hatte, was von den einzelnen börsennotierten Unternehmen zu erwarten ist. Objektiv ist es aller Ehren wert, was die größten deutschen Konzerne aus dem DAX sowie ihre Pendants aus der zweiten und dritten Reihe über die Geschäftsentwicklung von April bis Juni berichtet haben. Als logische Konsequenz haben denn auch viele der Vorstände ihre Geschäftsprognosen für das laufende Jahr nach oben angepasst. Die Reaktion an der Börse ist zwar überwiegend freundlich, wenn auch nur verhalten. Offenkundig waren die Anleger über das Geschehen in den Unternehmen hervorragend im Bilde.
Nun lautet die spannende Frage, welche übergreifenden Gerüchte den Markt nun, im Übergang vom Juli zum August, bewegen. Denn sollten die Marktteilnehmer auch hier erneut ein „gutes Näschen beweisen“ ließe sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ableiten, was denn im Herbst zum Fakt wird. Leider muss man konstatieren, dass derzeit in der Gerüchteküche Schmalhans Küchenmeister ist, was wohl unstrittig auch an der Hochsommer- und Urlaubszeit liegt. Sollte diese Ruhe auch einen eher gemächlicheren Herbst auf dem Parkett indizieren, wäre das indes so schlecht nicht. Denn traditionell ist der Herbst von sinkenden Kursen geprägt. Da wäre eine ruhige, unspektakuläre Entwicklung doch eine gute Alternative.
© 29. Juli 2010/Roger Peeters
*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank, einer auf mittelständische Unternehmen fokussierte Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.