ROUNDUP: 'FTD' vor dem Aus - Verkaufsverhandlungen abgebrochen
22.11.2012 21:44
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HAMBURG (dpa-AFX) - Zwölf Jahre nach dem Start steht die "Financial Times
Deutschland" (FTD) vor dem Aus. Die Verlagsgruppe Gruner + Jahr brach am
Donnerstag die Verkaufsverhandlungen mit einem potenziellen Investor ab, wie ein
Unternehmenssprecher am Abend mitteilte. "Gruner + Jahr lag ein ernsthaftes
Angebot vor, allerdings konnte der G+J Vorstand dem dort dargestellten
Fortführungsszenario weder konzeptionell noch wirtschaftlich folgen." Damit sei
mit einer Schließung der "FTD" zu rechnen. Am Freitagvormittag (11.00 Uhr)
sollen Betriebsräte und Mitarbeiter informiert werden.
Über das Schicksal der anderen Wirtschaftsmedien - darunter die Magazine
"Capital", "Impulse" und "Börse Online" - will Gruner + Jahr am Freitag
Einzelheiten bekanntgeben. Gewerkschaftsvertreter befürchten den Verlust von
mehr als 200 Stellen. Bei den Wirtschaftstiteln arbeiten rund 330 Menschen.
Der G+J-Aufsichtsrat hatte nach Verlagsangaben den Vorstand ermächtigt,
einen Verkauf, eine Teilschließung oder Schließung der Wirtschaftsmedien
vorzunehmen. Das Gremium wird von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geführt, darin
ist auch die Hamburger Verlegerfamilie Jahr vertreten. G+J-Mehrheitseigener ist
mit 74,9 Prozent Bertelsmann, die Jahrs halten eine Sperrminorität von 25,1
Prozent.
Die montags bis freitags erscheinende Zeitung war erstmals im Jahr 2000
erschienen - im damaligen Internetboom mit einer Vielzahl von Firmengründungen
und Börsengängen, die kräftig beworben wurden. Werbegelder sind neben den
Vertriebserlösen Haupteinnahmequelle der Branche. Allerdings hat die "FTD"
bisher rote Zahlen geschrieben.
Das lachsfarbene Blatt sorgte mit seinem Erscheinen für Aufsehen und mehr
Wettbewerb in der deutschen Medienlandschaft. Bis dahin gab es nur eine tägliche
Wirtschaftszeitung, das "Handelsblatt". Dessen Chefredakteur Gabor Steingart
hatte den Hamburger Blattmachern noch am Donnerstag prominent auf der Titelseite
seine Anerkennung ausgesprochen.
Zugleich plädierte er dafür, mit den Gratis-Angeboten im Internet Schluss zu
machen: "Es wird keine Rettung für die Zeitung geben, wenn wir mit dieser
Umsonst-Kultur nicht brechen." Darüber müsse auch mit jüngeren Lesern, "auch
wenn die sich selbst User nennen", gesprochen werden. Weil die
Digital-Generation weniger Zeitungen und Zeitschriften kauft, gehen bei vielen
Titeln die Auflagen zurück.
Die Branche war im November bereits durch den Insolvenzantrag der
"Frankfurter Rundschau" geschockt worden. Außerdem verschwindet das Stadtmagazin
"Prinz" im Dezember aus den Kiosken und präsentiert sich dann nur noch im
Internet.
Gruner + Jahr hatte die "FTD" mit dem britischen Verlag Pearson ("Financial
Times") aus der Taufe gehoben und Anfang 2008 auch dessen 50-Prozent-Anteil
übernommen. Dabei wurden die weitere Nutzung der Marke sowie eine redaktionelle
Kooperation mit dem früheren Mutterblatt "FT" vereinbart. Der Verlag Gruner +
Jahr, der auch Magazine wie "Geo", "Gala", "Stern", "Brigitte" und "Neon"
herausgibt, gehört mit einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro (2011) zu den
größten in Europa./bsp/DP/he
