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Börse Frankfurt

Zypern bittet Deutschland um Unterstützung

17.02.2013 15:56

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    BERLIN/NIKOSIA (dpa-AFX) - Zypern hat an den Bundestag appelliert, dem
Hilfsprogramm für den Inselstaat zuzustimmen. "Wir bitten nur um die
Solidarität, die wir zuvor gegenüber anderen Ländern gezeigt haben. Wir bitten
nicht um Geschenke", sagte Zyperns Botschafter Minas Hadjimichael der
ZDF-Sendung "Berlin direkt". Das Hilfsprogramm werde Zypern mit Zins und
Zinseszins zurückzahlen. "Wir haben auch unseren Stolz und unsere Würde. Alles,
was wir wollen, ist ein Darlehen."

    Zypern hatte einen Antrag auf Hilfen im Sommer 2012 gestellt. Dabei geht es
nach bisherigem Stand um Hilfskredite im Volumen von etwa 17,5 Milliarden Euro,
darin enthalten sind auch rund 10 Milliarden Euro Bankenhilfe. Nur noch bis Ende
März ist nach offiziellen Angaben Geld in den Staatskassen.

    Die zyprischen Banken könnten einem Medienbericht zufolge weniger Hilfen als
bisher erwartet benötigen. Das berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
(FAZ/Samstag) unter Berufung auf ein Gutachten der Investmentgesellschaft Pimco
im Auftrag der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und
Europäischer Zentralbank (EZB). Demnach brauchen die maroden Institute zwischen
5,9 und 8,8 Milliarden Euro - je nachdem, welches Risikoszenario zugrunde gelegt
wird. Durch den geringeren Kapitalbedarf der Institute könnte das Volumen des
Gesamtpaketes dem "FAZ"-Bericht zufolge nun auf etwas über 16 Milliarden Euro
sinken.

    Eine schnelle Einigung auf ein Hilfspaket sei dadurch aber nicht
wahrscheinlicher geworden, schreibt die Zeitung. Die zyprische Regierung sperre
sich gegen den Beschluss der Eurogruppe, dass eine internationale
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor Ort kontrolliert, ob die in Zypern
verabschiedeten Anti-Geldwäsche-Gesetze wirksam angewendet und durchgesetzt
werden.

    Botschafter Hadjimichael sagte, die Vorwürfe, Zypern sei ein internationales
Drehkreuz für Geldwäsche, seien "unbegründet und unfair". Er räumte ein, dass es
in Zypern wegen seiner geografischen Lage und seines Bankensektors ein Risiko
gebe, "dass wir für Geldwäsche missbraucht werden".

    Wann der Bundestag über Hilfen für Zypern abstimmt, ist noch unklar.
Deutschland hält sich nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Samstag) ein Nein
auch weiterhin offen. Experten der Troika berechnen nach Informationen der
Zeitung - auch auf Druck aus Berlin - auch die finanziellen Folgen eines
Staatsbankrotts. Eine Pleite Zyperns würde demnach vor allem Griechenland
treffen. Banken anderer Euro-Staaten wären den "Bild"-Informationen zufolge
dagegen kaum betroffen./sba/DP/he


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