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Börse Frankfurt

Anleihen: Bund-Future setzt Aufwärtstrend fort

Marktbericht vom Rentenhandel


Die Krise meldet sich zurück, zumindest an den Kapitalmärkten. Während Aktien schwächeln, steigen die Kurse deutscher Staatsanleihen.

9. November 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es sind vor allem Sorgen um Griechenland, die die Stimmung derzeit trüben. Dort wurde das aktuelle Spar- und Reformpaket am gestrigen Donnerstag zwar mit knapper Mehrheit abgesegnet - eine Voraussetzung für die Bereitstellung der nächsten Hilfstranche. Wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler erläutert, sind allerdings noch weitere Gesetzesänderungen nötig, die am Wochenende beschlossen werden sollen. „Wann das Geld endgültig fließt, ist weiterhin unklar.“

Extrem schwache deutsche Exportzahlen und der wenig ermutigende Wachstumsausblick für die Eurozone von EZB-Chef Mario Draghi am gestrigen Donnerstag taugten auch nicht gerade als Stimmungsaufheller. „Das Wachstum in der Eurozone soll nächstes Jahr lediglich 0,1 Prozent betragen, für Deutschland wurde die Prognose von 1,7 auf 0,8 Prozent gesenkt“, erklärt Brunner. Die Leitzinsen ließ die EZB, wie erwartet, unverändert, Hinweise auf eine weitere Lockerung blieben aus.

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Bundesanleihen und US-Treasuries gesucht

In der ersten Wochenhälfte war Brunner zufolge die US-Wahl noch das marktbeherrschende Thema, nach dem Wahlsieg Obamas hätten Bundesanleihen und Treasuries deutlich zugelegt. „Studien seit dem Jahr 1964 haben ergeben, dass immer, wenn ein Präsident der demokratischen Partei gewählt wurde, die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen in den ersten vier Wochen nach der Wahl im Schnitt um 38 Basispunkte gefallen sind.“

In diesem Umfeld setzt der Euro-Bund-Future seinen Mitte Oktober einsetzenden Aufwärtstrend fort und notiert am heutigen Freitag bei 143,36 Prozent. Vor einer Woche waren es 141,95, Mitte Oktober weniger als 140 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt heute bei 1,33 Prozent.

Risikoaufschläge für Wackelkandidaten steigen

„Obwohl das griechische Parlament das umstrittene Sparpaket beschlossen und damit einen wichtigen Unsicherheitsfaktor beseitigt hat und die Primärmarktaktivitäten Spaniens erfolgreich waren, ist die Risikoaversion an den Märkten nicht gesunken“, meint die Helaba. Die Renditeaufschläge der Peripherieländer seien sogar gestiegen: „Lag die Differenz zwischen zehnjährigen italienischen Bonds und vergleichbaren Bundesanleihen vor drei Wochen noch bei gut 310 Basispunkten, hat sich der Renditevorteil Italiens auf knapp 365 Basispunkte erhöht.“ Noch deutlicher falle der Aufschlag in Spanien aus, hier sei es im gleichen Zeitraum zu einem Anstieg von mehr als 75 Basispunkten gekommen.

 

Hellas-Anleihen schwächeln

Griechische Papiere trifft es ebenfalls: Schwächer präsentiert sich etwa eine bis 2023 laufende Griechenland-Anleihe (WKN A1G1UA), die vor zweieinhalb Wochen noch zu 35 Prozent über den Tisch ging, jetzt sind es 30,5 Prozent. Anfang Juni wurde die Anleihe allerdings noch zu 13,50 Prozent gehandelt. „Grund für den Anstieg war der sich abzeichnende Wille, Griechenland in jedem Fall mitzuschleppen“, erklärt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Er spricht aber weiter von „Insolvenzverschleppung“.

Heidelberger Druck auf Talfahrt

Im Bereich der Corporate Bonds trennten sich Anleger in dieser Woche von Heidelberger Druck-Anleihen (WKN A1KQ1E), wie Daniel beobachtet hat. „Das lag an den Quartalszahlen: Der Umsatz ist zwar gestiegen, der Verlust aber auch.“ Das spreche nicht für das Management. Die Anleihe notierte am Montag noch bei 84 Prozent, heute sind es nur noch 78 Prozent.

Starker Beliebtheit erfreuen sich weiterhin Mittelstandsanleihen, wie Brunner feststellt. Als Beispiel nennt er SAF-Holland (WKN A1HA97). „Hier  gab es weiterhin gute Umsätze bei Kursen über der 105.“


SAP mit neuen Anleihen

Derweil brummt der Markt für Neuemissionen. „Die Aktivitäten am Primärmarkt für Euro-Corporates haben nach der Verschnaufpause in den vergangenen beiden Wochen jetzt wieder deutlich zugenommen“, berichtet Klaus Stopp von der Baader Bank. Es komme also wieder „Leben in die Bude“.

Das besondere Highlight sei der Auftritt des größten europäischen  Softwareherstellers SAP am Kapitalmarkt gewesen. „Emittiert wurden zwei Tranchen mit Laufzeiten von drei und sieben Jahren.“ Die erste Tranche mit Fälligkeit im November 2015 (WKN A1R0U3) hat einen Kupon von 1 Prozent, die zweite mit Rückzahlungstermin im November 2019 (WKN A1R0U2) 2,125 Prozent. „Um für Privatanleger interessant zu sein, hat sich das Unternehmen für nominal 1.000 Euro als kleinste handelbare Einheit entschieden.“


Besseres Türkei-Rating

Während die Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft kein besonderes Interesse an Fremdwährungsanleihen mehr beobachten kann, sieht die Baader Bank noch Nachfrage nach Papieren auf norwegische Kronen, australische Dollar und türkische Lira. Insbesondere die türkische Lira habe von der Hochstufung der Staatsbonität durch die Ratingagentur Fitch von BB+ auf BBB- mit stabilem Ausblick profitiert, wie Stopp konkretisiert. „Solange es keine wirklichen Fortschritte gibt, um die Euroschuldenkrise nachhaltig in den Griff zu bekommen, sind Währungsanleihen ein probates Mittel zur Risikostreuung.“

© 9. November 2012 / Anna-Maria Borse

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