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Börse Frankfurt

Markttechnik: Aufatmen verfrüht

Marktbericht vom Handel an der Börse Frankfurt


Nach dem scharfen Rücksetzer in der ersten Februarwoche hat der DAX einen Seitwärtskurs eingeschlagen. Die Gefahr eines erneuten Einbruchs ist Charttechnikern zufolge aber noch nicht gebannt.

13. Februar 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Ruhe an den Märkten könnte trügerisch sein – das glauben derzeit zahlreiche technisch orientierte Analysten.

Etwa weist Christoph Geyer von der Commerzbank darauf hin, dass bislang die Marktbreite fehlt. „Die leichte Erholung findet in einer engen Range statt, bei mangelndem Umsatz.“ Zudem sei die Divergenz beim MACD-Indikator weiterhin noch nicht abgearbeitet. „Die erwartete Februarschwäche sollte somit noch nicht als beendet betrachtet werden.“ Das sehen Analysten der BNP Paribas ähnlich: „Insgesamt steckt der DAX in der Korrektur. Dieser Prozess kann noch bis Ende Februar andauern.“

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Haltemarken könnten fallen

Laut Jana Meier von HSBC Trinkaus & Burkhardt haben deutsche Aktien über die Karnevalstage hinweg „etwas an Orientierung verloren“. Der Umstand, dass die Schwankungsbreite des DAX nunmehr seit vier Handelstagen innerhalb der Spanne vom vergangenen Mittwoch verharre, untermauere die Richtungslosigkeit der Marktteilnehmer. Im Wochenchart werde dabei deutlich, welche Marken auf der Unterseite derzeit Schlimmeres verhinderten: „So ist der deutsche Leitindex bisher solide durch die Kombination aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend seit Juni 2012 bei aktuell 7.615 Punkten und dem Hoch vom Mai 2011 bei 7.600 Punkten unterstützt.“

Fraglich sei allerdings, wie lange diese Haltemarken mit Blick auf die frischen Ausstiegssignale seitens des Stochastik und des MACD auf Wochenbasis intakt blieben. „Unterhalb der Unterstützungen drohen die Aktienmarktbären entsprechend an Fahrt zu gewinnen.“ Im Anschluss an das Septemberhoch bei 7.479 Punkten stelle bereits das Hoch vom März bei 7.194 Punkten die nächste Haltemarke dar. „Bleibe diese Kombination intakt, zeigt die wenig konstruktive Ausganglage der technischen Indikatoren zumindest, dass dem DAX für ein Durchstarten gen Norden derzeit der nötige Rückenwind fehlt.“

Erst Top, dann Flop

Für Klaus Deppermann von der BHF-Bank zeigen die Charts der wichtigsten Aktienindizes der Welt aktuell ein sehr unterschiedliches Bild. „Am positivsten ist die technische Situation an den Abwertungsbörsen in Japan und Großbritannien“, meint der Analyst. Beim DAX überwögen dagegen die negativen Argumente. Am wahrscheinlichsten sei in den nächsten Wochen eine Topbildungsphase in Europa und den USA, der sich spätestens im Verlauf des Aprils eine mehrmonatige Korrekturphase anschließen werde.

Korrektur wahrscheinlich

Trotz des Kursanstiegs der vergangenen Wochen hat sich Deppermanns langfristige charttechnische Interpretation des DAX nicht geändert. „Wir sehen in dem Kursverlauf der letzten dreizehn Jahre nach wie vor ein aufsteigendes Dreieck.“ Diese Formation werde beim DAX meist nach unten verlassen. Neben der problematischen Chartformation und der einseitigen Erwartungshaltung der Anleger – die selten gesehene Konsensmeinung unter institutionellen Investoren solle zur Vorsicht mahnen – spräche auch der Zehnjahreszyklus nicht für einen nachhaltigen Ausbruch des DAX nach oben. „Untere langfristige Wendepunkte treten häufig im zweiten Halbjahr der 2er-Jahre oder im ersten Quartal der 3er-Jahre auf.“ Manchmal, wenn auch nur selten, sei es umgekehrt: Statt des langfristigen Tiefpunkts in diesem Zeitfenster trete ein langfristiges Hoch ein.

Markstimmung: Zweifler in der Defensive

Obwohl der DAX nahezu unverändert geblieben ist, sind Anleger im Vergleich zur Vorwoche wieder zuversichtlicher geworden, wie die aktuelle Umfrage der Börse Frankfurt zeigt: 3 Prozent der Befragten sind ins Bullenlager übergelaufen. Jetzt rechnen 48 Prozent mit steigenden Kursen, nur noch 22 Prozent mit fallenden. Der Bull/Bear-Index klettert von 60,6 auf 64,4 Prozent.

Der Index misst den absoluten Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger. Was es bedeutet, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.

© 13. Februar 2013 / Anna-Maria Borse

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