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Börse Frankfurt

Markttechnik: DAX-Bullen brauchen Kraft

Marktbericht vom Handel an der Börse Frankfurt

Nach den Kursgewinnen am Tag der Entscheidung zur US-Präsidentschaftswahl wird es nach Ansicht von technischen Analysten für die DAX-Bullen immer schwerer, weiteren Boden gut zu machen. Für manche ist bei 7.600 Punkten erst einmal Schluss.

7. November 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auf die Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama hat der deutsche Aktienindex mit einem verhaltenen Plus reagiert. Die gespaltenen Machtverhältnisse bleiben: die Republikaner behalten die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, die Demokraten im Senat. „Nun herrscht Klarheit. Damit kann man schnell zur Tagesordnung übergehen und sich den anstehenden Aufgaben widmen“, kommentiert Christoph Geyer von der Commerzbank. Die US-Haushaltsprobleme stünden beispielsweise auf der Agenda und das am Jahresende drohende “fiscal cliff“ muss laut Helaba konjunkturpoltisch umschifft werden. Auch biete Griechenland mit der heutigen parlamentarischen Abstimmung über das Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden Euro Unsicherheitspotenzial für Marktteilnehmer.

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Es bleibt spannend

Dennoch erkennt Martin Siegert in den aktuellen technischen Charts durchaus Chancen für einen DAX-Ausbruch nach oben. „Das derzeitige Bild bei den Indikatoren steht für einen positiven Verlauf“, meint der technische Analyst der LBBW. Seit 21.September bis heute hätten sich die zu Beginn der Schiebephase aufgebauten Widerstände deutlich entschärft. Von Bedeutung innerhalb dieses Szenarios sei nun, dass das durch ein Doji bestätigte Tief vom 24.10.2012 im Bereich bei 7.121 Punkten nicht mehr unterschritten werde.

Nach Verlassen des Aufwärtstrendkanals in der zweiten Oktoberwoche habe der deutsche Aktienindex seine Seitwärtsbewegung zunächst fortgesetzt. Begrenzt durch die Marken 7.121 und 7.448 Zähler bzw. 7.478 Punkte auf der Unterseite wird Siegert zufolge in den kommenden zwei Wochen eine Entscheidung über die mittelfristige Richtung im hiesigen Bluechip-Index fallen. Schafften es die Bullen, stünden die nächsten markanten Widerstände um 7.524 im Weg, gefolgt vom DAX-Bereich um 7.566 und 7.623 Zähler.

Bei einem Bruch des Preistiefs empfiehlt Siegert eine sofortige Glattstellung von Long-Positionen im DAX. „Eine konsequente Absicherung von Aktienbeständen ist in dem Fall wichtig, weil man in Folge mit einer schnellen Bewegung Richtung 6.800 Punkte rechnen muss.“

Große Sprünge bleiben aus

Für Gregor Bauer ist ein weiterer Anstieg im DAX über den Bereich von 7.600 Punkten hinaus in den kommenden Wochen eher unwahrscheinlich. Der deutsche Bluechip-Index sei nach dem US-Wahlentscheid zwar mit einer kleinen Eröffnungslücke in den Handel gegangen. „Die weitere Impulsdynamik nach oben fehlt aber“, meint der unabhängige technische Analyst. Zudem stoße der DAX nun an eine massive Widerstandszone.

Übergeordnet befinde sich das deutsche Aktienbarometer nämlich weiterhin in der Konsolidierung des Anstiegs seit September 2011, kommend aus dem Bereich um 5.000 Punkte. Zunächst stünde der Widerstandsbereich um 7.450 Zähler einem weiteren Anstieg im DAX entgegen. Als massivere Barriere bewertet Bauer allerdings den Bereich zwischen 7.400 und 7.600 Zählern, der sich aus der Umkehrbewegung zwischen Februar und Juli 2011 herleite. „Die beiden Widerstände verstärken sich gegenseitig.“

Investorenstimmung bleibt hoch

Die optimistische Anlegerstimmung hält sich unterdessen weiterhin auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Mit 66,7 Punkten liegt der Bull/Bear-Index für deutsche Bluechips die dritte Woche in Folge genau bei diesem Wert und damit deutlich oberhalb der 50 Punkte, die Optimisten und Pessimisten voneinander trennt. 58 Prozent der 300 von der Börse Frankfurt befragten aktiven Investoren rechnen mit steigenden Notierungen im DAX. Das sind 4 Prozent mehr als in der Vorwoche und genau so viele wie das Bärenlager verlassen haben. Unverändert 14 Prozent der Befragten sind nicht investiert.

Der Bull/Bear-Index misst den absoluten Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger. Was es bedeutet, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.

© 7. November 2012 / Iris Merker

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