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Börse Frankfurt

Markttechnik: Konditionsschwäche vor der 8.000

Marktbericht vom Handel an der Börse Frankfurt


Nachdem der DAX den wochenlangen Seitwärtstrend nach oben verlassen hat, rückt die Marke von 8.000 Punkten in greifbare Nähe. Ob sie nachhaltig geknackt wird, ist aus Sicht einiger Charttechniker aber fraglich.

30. Januar 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wann fällt endlich die Marke von 8.000 Punkten im DAX? Eine am Markt viel diskutierte Frage in diesen Tagen, kommentiert Christoph Geyer von der Commerzbank und warnt zugleich, dass das „ob“ dabei bisher eher vernachlässigt werde: „Die aktuelle Entwicklung lässt natürlich den Schluss zu, dass es nur eine Frage der Zeit sein muss, wann die ‚große runde’ Zahl fällt. Der DAX ist aus der Seitwärtsrange, die seit Jahresanfang Bestand hat, nach oben ausgebrochen und hält sich nun auf dem erreichten Niveau. Solch eine Situation ist für sich bewertet durchaus positiv zu sehen“, erklärt der Techniker.

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Leider habe der Ausbruch aber auch einige Schönheitsfehler: So habe der Umsatz am Tag des Ausbruchs nicht signifikant angezogen, was darauf hindeute, dass die Investoren nicht in der Breite beteiligt waren. „Zudem haben die Indikatoren den Anstieg bislang nicht nachvollzogen, auch wenn der trendfolgende MACD-Indikator kurz vor einem Kaufsignal steht. Hinzu kommt, dass eine Erwartungshaltung, die von der Masse öffentlich diskutiert wird, oft enttäuscht wird.“ Das Enttäuschungspotenzial könnte sich daher im nun anstehenden Februar entfalten, was auch zur erwarteten zyklischen Entwicklung passe. Dabei ist es aus Sicht von Geyer aber nicht ausgeschlossen, dass vorher noch einmal die „8“ getestet wird.

Aufwärtsbewegung könnte in Stocken geraten

Ganz ähnlich schätzt Klaus Deppermann, technischer Analyst der BHF Bank, die Lage ein: „Die meisten Aktienindizes in Europa und den USA befinden sich in einem intakten Aufwärtstrend. Es gibt allerdings Hinweise, dass dieser in den kommenden Tagen ins Stocken geraten könnte.“ Besonders die US-Aktienindizes schienen oben anzustoßen. So habe der S&P 500 bei 1.500 Punkten die obere Begrenzungslinie einer steigenden Keilformation erreicht. Diese Chartformation wird, wie Deppermann erläutert, meist nach unten verlassen. Noch negativer sei derzeit das Chartbild des Nasdaq 100 zu werten. „Hier hat sich in der vergangenen Woche ein ‚Island Reversal’ ergeben, also eine bärische Umkehrformation. Ein Fall unter 2.720 Punkte würde das negative Chartsignal bestätigen, erst ein Anstieg über 2.770 Punkte wieder aufgeben“, ergänzt der Charttechniker.

In Europa weist aus Sicht der BHF Bank vor allem der britische Markt einen stabilen Aufwärtstrend auf. Beim DAX seien dagegen erste Konditionsschwächen zu erkennen. „Die nahende 8.000er-Marke dürfte aufgrund der Erfahrungen der Jahre 2000 und 2007 etliche Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlassen. Auch der überschäumende Optimismus der institutionellen Anleger begrenzt das weitere Aufwärtspotential des DAX“, argumentiert Deppermann.

Am Mittwochmittag verliert das deutsche Börsenbarometer knapp 0,2 Prozent auf 7.834 Punkte.

Neues Kaufsignal

Etwas optimistischer zeigt sich indes Heinz Imbacher von der Baader Bank. Mit dem Ausbruch des DAX aus der Seitwärtsspanne am vergangenen Freitag habe der Index im Rahmen der inzwischen knapp vier Jahre alten Hausse ein neues kurzfristiges Kaufsignal generiert. „Die vielversprechende Charttechnik wird durch positive Indikatorensignale untermauert. Viele unterinvestierte Anleger werden jetzt auf den wieder mit Volldampf fahrenden Zug aufspringen müssen. Der DAX dürfte schon bald die psychologisch wichtige 8.000er-Marke ansteuern“, erwartet der technische Analyst.

Darüber warte die nächste massive Barriere im Bereich des Allzeithochs bei 8.151 Punkten. Für den Fall, dass der Index diese Marke überwindet, sieht Imbacher die nächsten wichtigen Widerstände bei 8.250 und bei 8.500 Zählern. Im Fall einer technischen Gegenreaktion finde der DAX am Ausbruchsniveau bei 7.790 Zählern Unterstützung. Vierzig Punkte tiefer warte eine weitere Auffanglinie bei 7.750 Zählern. „Unter dieser Marke müsste der Ausbruch als Fehlsignal bewertet werden. Weitere Unterstützungen liegen dann bei 7.635 und bei 7.600 Punkten“, ergänzt Imbacher.

Investorenlaune steigt

Auch Anleger bleiben zuversichtlich, das ergibt zumindest die aktuelle Umfrage der Frankfurter Börse bei 300 aktiven Investoren. Danach ist der Bull/Bear-Index von 61,1 Punkten in der Vorwoche auf 64,4 Punkte gestiegen und setzt sich damit deutlich von der 50-Punkte-Marke ab, die Optimisten und Pessimisten voneinander trennt. Das Bullenlager gewinnt 6 Prozent. Mit 54 Prozent rechnet über die Hälfte der Befragten mit steigenden Kursen.

Der Bull/Bear-Index misst den absoluten Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger. Was es bedeutet, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.

© 30. Januar 2013 / Karoline Kopp

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