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Börse Frankfurt

Neuemissionen: IPO-Fenster im 1. Quartal offen

Deutsche Börse IPO-Indikator für das 1. Quartal 2013


Die Perspektiven für Börsengänge sehen in den kommenden Monaten gut aus. Vor allem das IPO-Klima, d.h. die Stimmung der Akteure, ist förderlich.

28. Januar 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Stimmung am Primärmarkt verbessert sich zusehends. Während das globale IPO-Geschehen eher auf dem Rückzug gesehen wird, rechnen Marktbeobachter und Akteure in Deutschland mit einer günstigen Phase für Aktienplatzierungen. Zu einem sehr ähnlichen Ergebnis kommt auch der aktuelle Deutsche Börse IPO-Indikator.

Die jüngste Erhebung weist einen Wert von 30,78 Punkten für das erste Quartal 2013 aus. Er steht damit nahezu unverändert gegenüber 31,18 Punkten im vorherigen Quartal.

Das Ergebnis kann positiv gewertet werden, zum einen weil noch vor einem Jahr der Indikator bei rund 28 Punkte verweilte und zum anderen, weil der minimale Rückgang durch ein etwas niedrigeres wahrgenommes Underpricing hervorgerufen wurde, dieses aber bei der geringen Anzahl an IPOs nur eingeschränkt aussagekrätig ist.

Andererseits ist das IPO-Klima freundlich geblieben, die Befragten rechnen mit einem für sie günstigeren Preisniveau am Aktienmarkt in den kommenden Monaten. Auch die niedrigere Volatilität und das höhere Bewertungsniveau am Aktienmarkt wirken positiv auf den Primärmarkt. Das IPO-Fenster, wie die Marktbedingungen für Erstnotizen häufig genannt werden, hat sich ein großes Stück weit geöffnet.

Für den Deutsche Börse IPO-Indikator, der sich intensiv mit den Rahmenbedingungen für Börsengänge befasst, werden alle drei Monate die relevanten Akteure am Primärmarkt – Anleger, Unternehmen und Emissionsbanken – nach ihren Erwartungen gefragt und die Ergebnisse der Befragung mit quantitativen Größen wie Aktienpreise und Zeichnungsgewinne ergänzt.

Abbildung 1: IPO-Indikator-Ampel
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Kaum Kursschwankungen am Aktienmarkt

Die anhaltend niedrige Volatilität deutscher Bluechips wirkt nachhaltig positiv auf den Primärmarkt. Im betrachteten Zeitraum von Ende Oktober bis Januar 2013 sind die erwarteten Preisschwankungen der DAX-Aktien auf Sicht von 30 Tagen, gemessen am VDAX-New, von etwa 16 Prozent fast bis auf 13 Prozent gesunken, und dies bei geringen Ausschlägen. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr lag die Volatilität deutscher Bluechips noch bei 40 Prozent, der langfristige Mittelwert liegt bei nahezu 20 Prozent.

Eine mögliche Erklärung für die Bedeutung der Volatilität auf das Emissionsgeschehen liegt in der Unsicherheit, die stärkere Kursbewegungen für den Emissionserlös und damit den Erfolg eines Börsengangs aus Sicht der Unternehmen und der betreuenden Banken bedeuten. Der Zusammenhang zwischen Preisschwankungen und den zyklischen Aktivitäten am Primärmarkt ist in Abbildung 2 anhand historischer Daten sichtbar.

Abbildung 2: Gleitender Durchschnitt der Zahl der IPOs sowie VDAX-New

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Blaue Linie: Verlauf VDAX-New (indexiert); Graue Balken: Anzahl IPOs (gleitender Dreimonatsdurchschnitt)

…. einhergehend mit Aufwärtsbewegung des DAX

Gemessen am Leitindex DAX haben sich deutsche Aktien im betrachteten Zeitraum noch einmal verteuert, und zwar von 7.400 auf gut 7.700 Punkte. Das sollte stimulierend auf die Emissionstätigkeit der Unternehmen wirken.

 

Abbildung 3: Gleitender Durchschnitt der Zahl der IPOs sowie DAX

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Blaue Linie: Verlauf DAX (indexiert); Graue Balken: Anzahl IPOs (gleitender 3-Monatsdurchschnitt)

… minimale Verschlechterung des wahrgenommenen Underpricing

Im betrachteten Zeitraum sind zwei Unternehmen mit erstmaligem öffentlichen Angebot an die Börse Frankfurt gegangen, der chinesische Stoffproduzent Firstextile AG und die Telefónica Deutschland Holding AG. Beim IPO von Firstextile lagen Emissionspreis und erster Preis auf dem unteren Ende der Bookbuilding-Spanne, ebensoviel kostet die Aktie Mitte Januar. Der deutsche Ableger des spanischen Telekommunikationskonzerns erreichte das untere Drittel seines Bookbuilding, platzierte immerhin Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro und notiert im Moment gut 3 Prozent höher.

Das sollte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass das wahrgenommene Underpricing mit -5,18  Prozent wieder gesunken ist, wenn auch nur sehr leicht, insgesamt aber weiterhin nahe seinem historischen Tiefpunkt liegt. Allerdings ist, wie vorher bereits erläutert, die Gesamtheit der IPO-Preise zu niedrig für einen belastbaren Einfluss.

Die Preissignale des Underpricing sind ein wichtiges Element in der Entwicklung der Primärmärkte. Insbesondere Zeichnungsgewinne, also die Differenz zwischen Emissionspreis und erstem Börsenpreis, spielen eine große Rolle, weil sie die Kaufbereitschaft spiegeln und gleichzeitig eine sich selbst verstärkende Feedbackschleife bei Investoren auslösen. Tatsächlich lässt sich das Underpricing als Frühindikator der Primärmarktaktivität heranziehen.

Abbildung 4: Wahrgenommenes Underpricing und Zahl der IPOs

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Blaue Linie: Underpricing; graue Balken: Anzahl IPOs (gleitender Dreimonatsdurchschnitt)

… und stabilem IPO-Klima

Erneut strahlt das IPO-Klima zwischen den fundamentalen Daten hervor. Die Stimmung im Primärmarkt ist mit 32,43 Punkten gleichbleibend positiv zum vorherigen Quartal, und zwar sowohl bei den Investoren, Unternehmen und emissionsbegleitenden Banken.

Während die Befragten das derzeitige Preisniveau nicht mehr so positiv bewerten wie noch vor drei Monaten, sind die Erwartungen an die weitere Kursentwicklung quer durch die Bank gestiegen, obwohl der DAX bereits kräftig zugelegt hat. Allerdings ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis und damit eine wichtige Kennzahl der Aktienbewertung, mit 13 noch unter seinem langfristigen Mittel.

Die Stimmung am Primärmarkt wird mit Hilfe einer Befragung von Entscheidungsträgern bei Banken, Emittenten und Investoren von der Deutschen Börse erhoben. Die Ergebnisse dieser Befragung werden in einem Indexwert, dem IPO-Klima zusammengefasst. Der historische Verlauf dieses IPO-Klimas ist in Abbildung 5 dargestellt. Wie man sehen kann, spiegelten die subjektiven Einschätzungen die tatsächliche Entwicklung am Primärmarkt gut wieder.

Abbildung 5: IPO-Klima und Zahl der IPOs

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Blaue Linie: IPO-Klima in Punkten, graue Balken: Anzahl IPOs (gleitender Dreimonatsdurchschnitt)

Fazit: IPO-Fenster weiter offen

Die Perspektiven am Primärmarkt für die nächsten Monate sind insgesamt gut. In Bezug auf die Eurokrise hat die EZB stabilere wirtschaftpolitische Rahmenbedingungen als im vorherigen Quartal geschaffen, und falls die Eurokrise dem Markt keinen Strich durch die Rechnung macht, ist vorallem ab März mit Börsengängen zu rechnen. Es standen im Herbst einige Unternehmen bereit, die es allerdings nicht mehr geschafft haben, das Zeitfenster zu nutzen. Die Zeit bis März benötigen die Aspiranten für ihre Jahresabschlüsse und ab Mai sind sie wiederum mit den Halbjahresabschlüssen beschäftigt, so dass das nächeste Zeitfenster erst im Herbst zu erwarten ist. Bis dahin kann allerdings viel passieren.

Analyse: Christoph Kaserer, TU München

Text: Edda Vogt, boerse-frankfurt.de

© 28. Januar 2013/Deutsche Börse AG

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