Bitte warten...
Börse Frankfurt

Peeters: "2012 geht zu Ende – was kommt 2013?"

Blick auf die Börse von Roger Peeters*

Roger Peeters blickt auf das vergangene Jahr an den Finanzmärkten zurück und fragt sich, wann auf den Kaufrausch der Kater folgen könnte.

28. Dezember 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wer in den letzten Handelsstunden des Jahres 2012 das Geschehen auf dem Börsenparkett oder in der begleitenden Finanzpresse verfolgt, der wird wie so oft in den vergangenen Jahren die gleichen negativen Schlagworte vorgefunden haben: Angst, Absturz, Gefahr und vor allen Dingen Krise. Vor allen Dingen Krise. Gleich, ob es um die hohen Schuldenlaste vieler Industriestaaten geht oder um die aktuelle Diskussion über Kürzungen im US-Budget geht: Krise ist irgendwie überall, zumindest gefühlt.

Anzeige

Nur am Aktienmarkt selbst scheint von Krise keine Spur. Kurz vor dem Ende des Jahres 2012 sei der dezente Hinweis erlaubt, dass eines der besten Jahre in der Nachkriegsgeschichte sich dem Ende zuneigt. Wenn Freitag um 14 Uhr die Handelsbücher für 2012 final geschlossen werden, dürfte für den DAX ein imposantes Plus von rund 30 Prozent zu Buche stehen. Praktisch niemals im Jahresverlauf rutschte der Leitindex ins Minus. Bei der größten Schwäche zur Jahresmitte verdampfte lediglich das bis dahin erreichte Plus, jedoch nur temporär, wie man nun weiß. Der MDAX markierte gar in der zweiten Jahreshälfte Allzeithochs, so wie zahlreiche Einzeltitel aus vielen Branchen.   

Wie passen die gefühlt schlechte Laune und die objektiv exzellente Lage eigentlich zusammen? Auch wenn es vielleicht verwunderlich klingt: Das ist durchaus konsistent, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Die Hausse ist maßgeblich durch eine vielleicht noch nie gesehene Politik des billigen Geldes bedingt. Diese offensive Vorgehensweise wiederum war eine Reaktion auf die tatsächliche Finanzkrise.
  • Es wäre nur allzu logisch, wenn das exponenzielle Wachstum der Schuldenlast weltweit zu einer Geldentwertung führt. Dass sich diese Inflation zuerst bei Sachwerten wie Aktien oder Immobilien abspielt („asset price inflation“), ist nicht gerade abwegig.
  • Die negative Beschreibung resultiert oft auch aus der Subjektivität der Betrachter. Viele Asset Manager, etwa aus der Versicherungswirtschaft sind (oftmals gezwungenermaßen) unterinvestiert am Aktienmarkt. Viele kommentierende Medien befinden sich selbst in einer Strukturkrise. Es ist nachvollziehbar, dass diese Gruppen die Sachlage negativer empfinden.
  • Insbesondere europaweit ist die wirtschaftliche Lage ausgesprochen heterogen. Während viele Länder eindeutig tief im Schlamassel stecken, etwa nachzuvollziehen an der hohen Arbeitslosigkeit, brummt bei vielen Großkonzernen das Geschäft.  

Das System ist zwar logisch, aber zumindest in Teilen auch wieder absurd, wie die bis zum Jahresende andauernde und ausufernde Diskussion über den US-Budgetstreit plakativ zeigt. Die Angst vor der Fiskalklippe wurde denn auch bereits als Ursache für ein verschlechtertes Konsumklima in den USA ausgemacht, welches Donnerstagnachmittag die Börse belastete. Bei Lichte betrachtet darf man aber schon die nüchternde Frage stellen, ob es wirklich so schlimm ist, wenn in einem Staatshaushalt mit dem Sparen bzw. mit einer Reduktion der Schuldenspirale Ernst gemacht wird? Die einhellige Meinung des Kapitalmarkts zu dem Thema illustriert eigentlich gut, dass die die Märkte mit diesem objektiv und langfristig ungesunden System des schönen Lebens auf Pump gut klar kommt. 

Und daran wird sich auch 2013 nichts ändern. Es wird weiter hohe Schulden geben und ebenso strukturelle Probleme. Bekämpft werde diese weiterhin mit der „Geldkanone“. Somit ist es durchaus vorstellbar, dass wir eine Fortsetzung des Trends oder besser gesagt der Trends sehen: Der Patient ist krank, doch die Wirkung der Medikamente sorgt für einen (Kauf-)Rausch. Klar scheint überhaupt nicht, wann der Kater kommt. Er wird nur mit jeder Verlängerung der Party stärker. In diesem Sinne einen guten Rutsch in ein spannendes Börsenjahr 2013.

© 28. Dezember 2012/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank, einer auf mittelständische Unternehmen fokussierte Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Anzeige