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Börse Frankfurt

Zehn Schritte auf dem Weg zur Unternehmensanleihe

Eine Checkliste für Privatanleger


19. März 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Interesse der Anleger an Anleihen kleinerer bis mittelgroßer Unternehmen, die über die Börse begeben werden, ist zwar selektiver geworden, aber dennoch ungebrochen hoch. Kein Wunder, haben diese Emissionen im Schnitt einen Kupon von gut 7 Prozent.

Allerdings hat solch hohe Rendite das entsprechende Risiko, dass sich nicht nur in den Ratings ausdrückt, die meist im spekulativen Bereich liegen, sondern auch in den (drohenden) Ausfällen, die es in Deutschland bereits gegeben hat. Wir haben einen Zehn-Schritte-Weg für Anleger aufgezeichnet für den richtigen Umgang mit diesem Risiko.

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Erster Schritt: Persönliche Anlagesituation feststellen

Vor dem Kauf einer Anleihe sollten Sie zunächst die persönliche Vermögens- und Anlagesituation prüfen. Unternehmensanleihen weisen generell ein Bonitätsrisiko auf, weshalb Sie das Risiko eines Totalverlusts des eingesetzten Kapitals bedenken müssen. Mittelstandsanleihen eignen sich insbesondere für Anleger mit ausreichender Erfahrung und einem breit gestreuten Portfolio. Außerdem unterliegen Anleihen wie Aktien Kursschwankungen. Deswegen sollten Sie bereit sein, die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit zu halten.

Zweiter Schritt: Zinskupon beurteilen

Die Verzinsung ist – neben der Bonität des Unternehmens – ein wichtiges Merkmal zur Beurteilung der Anleihe. Der Kupon bezieht sich auf den Nennwert der Anleihe und schreibt ihre regelmäßige Verzinsung fest. Sie sollten die Verzinsung insbesondere hinsichtlich des Risiko-Rendite-Profils bewerten: In der Regel deutet eine höhere Verzinsung (im Vergleich zum Markt) auf ein erhöhtes Ausfallrisiko hin. Denn Investoren erwarten einen Ausgleich für das Risiko, das sie mit der Anleihe eingehen, weshalb dieser Ausgleich auch Risikoprämie genannt wird.

Dritter Schritt: Rendite der Anleihe einbeziehen

Die Rendite gibt die effektive jährliche Verzinsung der Anleihe in Prozent vom Kaufkurs an. Insbesondere nach der Emission stellt sie einen wichtigen Indikator für die Bewertung der Anleihe dar. Die Rendite setzt sich zum einen aus den laufenden Zinszahlungen analog des Kupons sowie zum anderen aus Kursveränderungen während der Laufzeit zusammen. Dabei beeinflussen die verbleibende Laufzeit, die Bonität und die Geschäftsentwicklung des Emittenten sowie das Marktzinsniveau den Kursverlauf maßgeblich. Eine hohe Rendite während der Laufzeit der Anleihe ist daher ein Indikator für das mit dem Kauf der Anleihe zu diesem Zeitpunkt verbundene Risiko.

 

Vierter Schritt: Rating beachten

Für die Beurteilung der Bonität eines Unternehmens können Anleger die Bewertung von Rating-Agenturen wie z.B. Moody’s, Standard&Poor’s, Fitch, Euler Hermes oder Creditreform heranziehen. Hierbei wird zwischen der Klassifizierung „Investment Grade“, also sehr gute bis befriedigende Bonität, und „Speculative Grade“ unterschieden. So steht bei S&P ein AAA-Rating für die höchste Bonität, ein BBB- für eine befriedigende Bonität und ein CCC- für eine ungenügende Kreditwürdigkeit. Eine solche Anleihe kann als spekulativ eingestuft werden. Eine Übersicht finden Sie auf boerse-frankfurt.de.

Fünfter Schritt: Geschäftszahlen bewerten

Eckdaten zur Beurteilung der Geschäftsentwicklung finden sich in der Bilanz und in der Gewinn-und-Verlustrechung (GuV) des Unternehmens. Kennzahlen sind hierbei in der Regel branchenspezifisch zu betrachten. Neben Gewinn und Umsatz sind insbesondere folgende Kennzahlen relevant:

 

  • Zinsdeckungsgrad:
    Quotient aus operativem Gewinn und Zinsaufwendungen; ein Zinsdeckungsgrad über eins deutet darauf hin, dass Unternehmen Zinszahlungen aus ihrem operativ erwirtschafteten Gewinn bedienen und hierfür nicht das Eigenkapital nutzen müssen.
  • Verschuldungsfaktor:
    Quotient aus Effektivverschuldung (Fremdkapital abzüglich flüssiger Mittel) und Cashflow; gibt die Anzahl der Jahre an, die zur Schuldentilgung aus den Umsätzen nötig sind. Je kleiner das Ergebnis, desto weniger Jahre benötigt das Unternehmen zur Schuldenbegleichung.
  • Gesamtverschuldungsgrad (Leverage Ratio):
    Quotient aus bilanziellem Fremdkapital zur Bilanzsumme, der Wert sollte möglichst gering sein.

Sechster Schritt: Das Geschäftsmodell verstehen

Anleger sollten Emittenten hinsichtlich ihrer Geschäftsmodelle und dessen Tragfähigkeit bewerten. Relevant sind hierbei die Konjunkturabhängigkeit bzw. die Zukunftsfähigkeit der Produkte. Lassen Sie sich nicht allein von bekannten Namen blenden.

Siebter Schritt: Transparenz ernstnehmen

Eine fortlaufende Kommunikation eines Unternehmens mit seinen Investoren, die so genannte Investor Relations oder kurz IR, informiert immer über die aktuelle Geschäftsentwicklung und damit über die Bonität des Unternehmens. Veröffentlicht ein Unternehmen fortlaufend aktuelle Geschäftsberichte und Unternehmenskennzahlen, können Sie die Rückzahlungswahrscheinlichkeit einer Anleihe am Ende der Laufzeit leichter einschätzen. Hohe Transparenz und gute IR-Aktivität sind somit vorteilhaft für Investoren.

Achter Schritt: Auf Schutzklauseln achten

Bei der Auswahl einer Unternehmensanleihe sollten Anleger darauf achten, dass hinreichende Schutzklauseln (Convenants) im Wertpapierprospekt vermerkt sind. „Change of Control“-Klauseln etwa vermeiden Verluste aus Eigentümerwechseln. Daneben sind Drittverzugsklauseln und Negativverpflichtungen entscheidend, die es Ihnen Anleger ermöglichen, bei Vertragsstörungen Ihre Rechte einzufordern.

Neunter Schritt: Liquidität im Handel beachten

Die Liquidität im Handel ist während der Laufzeit der Anleihe für einen möglichen Verkauf entscheidend. Daher sind permanent handelbare Quotes auf der Geld- und Briefseite wichtig. Auch der Spread – also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs – sollte möglichst gering sein. Am Entry Standard für Unternehmensanleihen in Frankfurt unterstützen Spezialisten den Handel und ermöglichen mit ihrer Quotierung enge Spreads und den permanenten An- und Verkauf.

Zehnter Schritt: Markt- und Branchensituation beurteilen

Mittelständische Unternehmen konzentrieren sich meist auf ein Geschäftsfeld und bergen damit anders als breit aufgestellte Konzerne ein hohes Branchenrisiko. Anleger sollten daher den jeweiligen Tätigkeitsbereich beispielsweise unter Berücksichtigung allgemeiner Konjunkturindizes mittelständischer Unternehmen oder detaillierter Brancheneinschätzungen eingehend prüfen.

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