Bitte warten...
Börse Frankfurt

Zertifikate-Trends: Typischer Trading-Markt

Marktbericht vom Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen


Anleger konzentrieren sich ohne erkennbaren Trend weiter auf den DAX als Basiswert und positionieren sich kurzfristig in beide Richtungen. Das Währungspaar Euro/Dollar ist für Spekulanten interessant, während es bei Einzelwerten eher ruhig zugeht.

21. November 2012. Frankfurt (Börse Frankfurt). Ein umsatzschwacher Oktober folgte einem ebenso schwachen September und auch im laufenden Monat zeichnet sich bislang keine Umsatzerholung ab, berichten Market Maker aus dem Zertifikate-Handel. „Der Volatilitätsindex VDAX bewegt sich mit 17 Prozent aktuell auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei dem durchschnittlichen Wert von 20 Prozent würde man von einer ruhigen Börse sprechen – was wir jetzt sehen, ist schon sehr ruhig“, erklärt Anouch Wilhelms von der Commerzbank.

Auch Atakan Sahin von der Baader Bank spricht von verhaltenen Umsätzen und einem überwiegend politisch geprägten Börsengeschehen: „Zu der Schuldenkrise im Euroraum hat sich nun noch der Gaza-Konflikt gesellt. Da wundert man sich schon, dass sich der DAX immer noch so wacker in seiner seit Wochen andauernden Handelsspanne zwischen 7.000 und 7.200 Punkten hält.“ Genau diese Seitwärtsspanne sorgt nach Einschätzung von Sahin nicht nur für vergleichsweise niedrige Umsätze, sondern auch für richtungslosen Handel: „Die Investoren positionieren sich sehr kurzfristig und setzen sowohl auf Abwärts- als auch auf Aufwärtsbewegungen. Es ist ein typischer Trading-Markt“, erklärt der Händler.

Anzeige

Fokus auf den DAX

Am häufigsten werden laut Baader Bank Produkte mit dem DAX als Basiswert gehandelt, darunter hochspekulative Knock-out-Produkte. „Beliebt sind aber vor allem auch Faktor-Zertifikate mit Mehrfachhebel“, berichtet Sahin und spricht von regen Umsätzen etwa in einem Long-Zertifikat mit konstantem sechsfachen Hebel (WKN DX6DAX), das von steigenden Notierungen des deutschen Börsenbarometers profitiert. Auf der anderen Seite setzten die Investoren etwa mit einem sechsfach gehebelten Short-Zertifikat (WKN DX6SRT) auf einen fallenden DAX.

Eine ähnliche Tendenz beobachtet auch die Commerzbank. „Der DAX steht als Underlying weiter im Fokus, eine einheitliche Richtung zeichnet sich hier aber nicht ab – die Investoren spielen das Auf und Ab“, kommentiert Wilhelms. Dabei setzten die Anleger mit Knock-out-Zertifikaten der Commerzbank mal auf steigende (WKN CZ2TNA) und mal auf fallende (WKN CK03R4) DAX-Kurse.

Knock-out-Produkte können vorzeitig verfallen, wenn der Kurs des Basiswertes eine bestimmte Schwelle unterschreitet (bei Knock-out-Calls) oder überschreitet (bei Knock-out-Puts). Je nach Ausgestaltung des Produktes verfallen sie dann wertlos oder es wird ein bestimmter Restwert zurückgezahlt.

Preisdelle bei Edelmetallen lockt Schnäppchenjäger

Der jüngste Schwächeanfall der Gold- und Silbernotierungen hat viele Investoren zu Gelegenheitskäufen veranlasst, wie die Baader Bank berichtet. „Der Goldpreis hat Anfang November ein Tief bei 1.729,80 Dollar je Feinunze markiert, für Silber ging es bis auf 33,35 Dollar je Unze in den Keller. Diese Schwäche haben einige Investoren zu Nachkäufen genutzt“, erläutert Sahin und spricht von hohen Umsätzen etwa in einem Call-Optionsschein auf Gold (WKN CZ1TWW) oder einem vierfach gehebelten Faktor-Zertifikat auf Silber (WKN CZ33C3).

Euro/Dollar für Spekulaten interessant

Laut ICF Kursmakler bleibt indes das Währungspaar Euro/US-Dollar ein interessantes Betätigungsfeld für spekulativ ausgerichtete Investoren. „Hier sind die Umsätze da und es wird gern gespielt, zumal ja auf beiden Seiten des Atlantiks wie verrückt Geld gedruckt wird“, merkt Market Maker Sascha Flach an. Aktuell hänge alles an der Marke von 1,28 US-Dollar und ob der Euro diese Unterstützung nach unten durchbreche.

„Nachdem der Euro in den vergangenen Wochen wieder stärker unter Druck gekommen ist, passiert in diesem Marktsegment natürlich viel. Stark gesucht ist etwa ein Turbo-Bulle, mit dem die Investoren auf eine Aufwertung der Gemeinschaftswährung setzen“, ergänzt Anouch Wilhelms von der Commerzbank.

In Eon mehr los als in Gold

In Zertifikate auf Einzelwerte gibt es nach Auskunft der Market Maker indes eher weniger Umsätze. „Die Unsicherheit ist immer noch deutlich zu spüren. Damit sich Anleger in Einzelwerten platzieren, bedarf es schon großen Ereignissen, die mit sehr starken Kursbewegungen einhergehen“, weiß Sahin. So hätten Anleger zuletzt unter anderem mit einem Turbo-Call (WKN UU8M7B) auf Kursgewinne der Linde-Aktie gesetzt, nachdem der DAX-Wert eine positive Analystenempfehlung erhalten hatte.

Wilhelms verweist in diesem Zusammenhang zudem auf die jüngste Gewinnwarnung des deutschen Versorgers Eon: „Nachdem der Energiekonzern in der vergangenen Woche seine Prognose kassiert hat, ist die Aktie um mehr als 10 Prozent abgerutscht. Dieses Ereignis hat Eon auf Platz sechs der meist gehandelten Basiswerte katapultiert. Nur zum Vergleich: Gold liegt derzeit auf Platz sieben.“ Gerne gekauft wird laut Wilhelms unter anderem ein Call auf Eon (WKN CK2LKT). Ansonsten sei der Handel in Einzelwerten eher ruhig, bestätigt Wilhelms.

© 21. November 2012/Karoline Kopp

Anzeige