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Börse Frankfurt

ROUNDUP 3: Aktionärsschelte bei ThyssenKrupp - Cromme gibt Fehler zu

18.01.2013 18:22

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    (Neu: weitere Details, neue Zitate)

    BOCHUM (dpa-AFX) - Verärgerte Aktionäre des angeschlagenen Stahlriesen
ThyssenKrupp  haben den Aufsichtsrat um Chefkontrolleur Gerhard Cromme
wegen Milliardenverlusten heftig attackiert. Bei der Hauptversammlung am Freitag
in Bochum sprachen zahlreiche Anteilseigner angesichts eines Fehlbetrages von
rund fünf Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr von einem Desaster.
Cromme gestand eine Mitverantwortung des Kontrollgremiums für das Debakel und
andere Fehlentwicklungen ein.

    Konzernchef Heinrich Hiesinger versprach einen umfassenden Umbau des tief in
die Verlustzone gestürzten Konzerns. Als eines der wichtigsten Ziele gab er aus,
die Finanzen des hoch verschuldeten Unternehmens zu stabilisieren sowie das
Technologiegeschäft auszubauen. Änderungen müsse es auch bei der
Unternehmenskultur geben. "Ich gebe aber zu: Auch mir war bei meinem Amtsantritt
nicht bewusst, wie tiefgreifend der nötige Veränderungsprozess sein würde",
sagte Hiesinger, versicherte aber auch: "Alle Weichen sind gestellt, damit wir
künftig schlanker, schneller, effizienter und profitabler sind." Mit der
Neuordnung im Vorstand habe das Unternehmen bereits den Anfang gemacht.

'VERHEEREND'

    Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für
Wertpapierbesitz (DSW), nannte das derzeitige Bild des Konzerns "verheerend".
Viele Aktionäre seien entsetzt. Ein Aktionärssprecher sagte: "Nie zuvor ist in
Deutschland eine große Publikumsgesellschaft so aus der Spur geraten, wie
ThyssenKrupp."

    Zuvor hatte der 69-jährige Cromme zugegeben, zu spät reagiert zu haben: "Ja,
wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können." Allerdings habe
der Aufsichtsrat immer dann, wenn entsprechende Fakten dies ermöglicht hätten,
konsequent gehandelt. "Wir haben die Kraft gehabt, Fehler zu erkennen, zu
korrigieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen", sagte Cromme. Bereits
vor Beginn der Veranstaltung hatte sich der Chef der Krupp-Stiftung, Berthold
Beitz, im Blitzlichtgewitter mit einer demonstrativen Geste hinter den
Aufsichtsratsvorsitzenden gestellt.

LANGE AUSSPRACHE

    Er sei auch persönlich betroffen, beteuerte der Manager. Cromme kündigte an,
das komplette Kontrollgremium werde für 2011/12 nachträglich auf die Hälfte
seiner Vergütung verzichten. Den Verzicht bezeichnete er als eine Geste der
Betroffenheit und Solidarität mit den Anteilseignern des Konzerns. Im
Geschäftsjahr 2011/2012 hatte die feste Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder
bei insgesamt rund 1,4 Millionen Euro gelegen. 200.000 Euro davon waren an den
Aufsichtsratsvorsitzenden gegangen.

    Während der Aussprache, die sich bis in den Abend hinzog, forderten
zahlreiche Aktionäre, dem Aufsichtsrat einen Denkzettel zu verpassen und die
Entlastung zu verweigern. Andere verlangten eine Vertagung der Entlastung, bis
alle Vorfälle geklärte seien, oder auch den Rücktritt von Cromme.

MILLIARDENVERLUSTE

    Zu den Milliardenverlusten im Zusammenhang mit Stahlwerken in Übersee sagte
Cromme, es sei trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit nicht gelungen,
Fehlentwicklungen zu verhindern. "Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten
nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen." Massive Probleme
bei den Stahlwerken in den USA und in Brasilien hatten ThyssenKrupp tief in die
roten Zahlen gestürzt. Vor dem Hintergrund von Kartell- und Korruptionsfällen
betonte Cromme, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat "mit Nachdruck"
verurteilt werden.

    Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke
des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der
Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die "größte
Baustelle" des Konzerns. Am europäischen Stahlgeschäft werde das Unternehmen
aber festhalten. Mit dem Betriebsrat sei eine Verlängerung der Kurzarbeit bis
zur Mitte des Jahres vereinbart worden./uta/ls/DP/stb


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