Bitte warten...


Kapitel 2 - So funktioniert die Börse



Im Fernsehen berichten Journalisten tagtäglich vom Parkett der Börse Frankfurt und informieren über die Entwicklung von Aktienkursen, den DAX® oder das allgemeine Wirtschaftsgeschehen. So weit, so gut. Aber was macht eine Börse überhaupt? Und welche Aufgaben hat sie?

Ein moderner Marktplatz für Käufer und Verkäufer

Im Grunde ist die Börse ein gut organisierter Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer zum Handel von Wertpapieren zusammenkommen. Marktplätze kennen wir aus unserem Alltag. An ihrem Grundprinzip hat sich seit Jahrhunderten wenig geändert: Menschen treffen sich dort zum Kauf und Verkauf von Waren jeglicher Art. Händler bieten ihre Ware an und Käufer kommen, um diese Ware zu kaufen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Dieses Prinzip bestimmt auch den heutigen Börsenalltag.

Allerdings verlief der Handel an der Börse früher von Angesicht zu Angesicht, auf dem Börsenparkett. Heute werden die Handelsgeschäfte nahezu ausschließlich elektronisch getätigt. Aktien und andere Wertpapiere gibt es kaum noch in physischer Form. Dieser moderne, virtuelle Marktplatz hat den Vorteil, dass er zahlreiche handlungswillige Marktteilnehmer von der ganzen Welt auf einmal zusammenbringt und ein hohes Handelsaufkommen, Liquidität genannt, ermöglicht. Außerdem sorgt ein von der Börse organisierter Marktplatz dafür, dass die Preise für die gehandelten Produkte, in diesem Fall Wertpapiere, fair und transparent sind und es zwischen Käufern und Verkäufern nicht zu Missverständnissen kommt.

Die eigentlichen Käufer und Verkäufer der Wertpapiere treten übrigens seit jeher meist nicht direkt in Kontakt miteinander. Das übernehmen Mittler wie die Depotbanken, Broker und/oder Wertpapierhändler. Welche Personen beteiligt sind, hängt vom jeweiligen Marktplatz ab. Allerdings kommen auch private Anleger dank der Computer-Technik sehr nah an die Börse heran. Zum Beispiel werden online aufgegebene Aufträge privater Anleger von den Depotbanken direkt in das Handelssystem geleitet.

Skyline


Fairness dank Börsengesetz und Marktaufsicht

Transparenz und die Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer ist das oberste Prinzip des börslichen Handels. Er ist deswegen u.a. durch Börsengesetz und Wertpapierhandelsgesetz streng reguliert. Den öffentlich-rechtlichen Auftrag zum Betrieb einer Börse vergeben die Länder, für die Frankfurter Börse also das hessische Wirtschaftsministerium. Die Börsenaufsicht des Landes überwacht den Betrieb. Wichtige Entscheidungen trifft der Börsenrat, der von den Marktteilnehmern gewählt wird. Die Zulassung der Wertpapiere und der Händler übernimmt die Börsengeschäftsführung. Der Handel selbst wird von der Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) beaufsichtigt, an die sich Anleger mit Fragen zu der Ausführung ihrer Börsengeschäfte auch direkt selbst wenden können. Auf oberster Ebene stellt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, die Funktionsfähigkeit der Märkte in Deutschland sicher. Die BaFin ist auch dafür zuständig, dass Unternehmen ihren Veröffentlichungspflichten nachkommen und verfolgt Insider-Handel von Personen mit Informationsvorsprüngen.

Skyline


Im Fall der Frankfurter Börse sind die Deutsche Börse AG und die Börse Frankfurt Zertifikate AG die Betreiber. Die Deutsche Börse handelt somit nicht selbst, sie organisiert vielmehr den Handel. Sie stellt die Infrastruktur bereit, definiert Regeln und überwacht deren Einhaltung.


Die Aufgaben der Börse in einer Volkswirtschaft auf einen Blick

  • Effiziente, geregelte und kontrollierte Handelsplätze bereitstellen
  • Angebot und Nachfrage bündeln und zusammenführen
  • Größtmögliche Transparenz und Gleichbehandlung der Anleger sichern
  • Marktdaten, vor allem Preise und Umsatzzahlen, veröffentlichen
  • Unternehmen zur Finanzierung einen Zugang zum Kapitalmarkt über Wertpapiere bieten


Die verschiedenen Handelsplätze der Deutschen Börse

Für das Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren an der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB®) können Sie zwischen zwei Handelsplätzen wählen: dem vollelektronischen Handelsplatz Xetra® und dem Spezialistenhandel auf dem Parkett des Börsenplatzes Frankfurt.

Xetra: Der elektronische Handelsplatz

Über 90 Prozent des gesamten Aktienhandels in Deutschland gehen heute über den elektronischen Handelsplatz Xetra. Über Xetra können Sie börsentäglich von 9 bis 17.30 Uhr die meisten deutschen und wichtige internationale Aktien sowie Exchange Traded Funds und Products – das sind Indexfonds, Rohstoffverbriefungen u.a. kaufen und verkaufen. In Xetra treffen Kauf- und Verkaufsaufträge meist mit einer Preisvorstellung in einem zentralen, offenen Orderbuch aufeinander. Im Orderbuch stehen sich die Aufträge gegenüber und das System prüft automatisch jede Kauf- und Verkaufsorder auf ihre Ausführbarkeit. Passen Aufträge zusammen, werden die Transaktionen sofort ausgeführt. Das offene Orderbuch gewährleistet ein größtmögliches Maß an Transparenz für Investoren.

Xetra ist der Referenzmarkt für den börslichen Handel großer deutscher Aktien. An keinem anderen Börsenplatz der Welt werden höhere Umsätze zu marktgerechten Preisen in diesen Wertpapieren erzielt. Wer hier handelt, profitiert von höchster Liquidität und fairen Preisen. Auf Basis von Xetra-Preisen wird sekündlich der deutsche Leitindex DAX® ermittelt. Der DAX wird aus den Kursen der 30 umsatzstärksten deutschen Unternehmen berechnet und ist der meist beachtete Indikator für die aktuelle Entwicklung der deutschen Börsenlage.

Der Parketthandel: Persönliche Betreuung durch Spezialisten am Börsenplatz Frankfurt

Kommen wir zum Parketthandel, der im großen Saal der Frankfurter Börse stattfindet. Den Saal kennen Sie mit Sicherheit aus den eingangs erwähnten Fernsehberichten. Am Börsenplatz Frankfurt können Privatanleger etwa 1,5 Millionen Wertpapiere deutscher und internationaler Emittenten kaufen und verkaufen. Dazu zählen alle deutschen und sehr viele internationale Aktien, Fonds, Anleihen sowie Zertifikate und Optionsscheine. Hier unterstützen Mitarbeiter von Wertpapierhandelshäusern, sogenannte Spezialisten, den Handel und sorgen für entsprechende Liquidität, indem sie Angebotspreise und –mengen veröffentlichen. Dabei orientieren sie sich an der aktuellen Marktlage und versuchen den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreisen so gering wie möglich zu halten. Anleger erhalten faire Preise, auch in wenig gehandelten Wertpapieren.

Als Privatanleger können Sie nicht einfach direkt an die Börse gehen und handeln. Dafür benötigen Sie ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Broker. Bei Ihrer Orderaufgabe können Sie allerdings selbst entscheiden: Entweder Sie erteilen Ihre Order über Xetra und profitieren von hoher Liquidität und transparenten Preisen, oder Sie handeln über den Handelsplatz Börse Frankfurt mit persönlicher Betreuung durch zertifizierte Spezialisten. Wenn Sie auf Services wie Beratung verzichten und Ihr Depot bei einer günstigeren Direktbank eröffnen, haben Sie mitunter die Anmutung, direkt an der Börse aktiv zu sein, Ihre Aufträge können Sie unter Umständen im offenen Xetra-Orderbuch oder auch als Angebotspreis der Spezialisten online wiederfinden – falls das Geschäft nicht ohnehin sofort ausgeführt worden ist.