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Die erste Order aufgeben



Einen Kauf- oder Verkaufsauftrag für Wertpapiere bezeichnet man an der Börse als Order. Solche Orders erfolgten im historischen Parketthandel durch lautes Zurufen und mithilfe von Handgesten. Diese Zeiten sind vorüber. Heute können private Anleger wie Sie Aufträge bequem von Zuhause am Computer aufgeben. Über Ihr Online-Depot bei Ihrer Bank gelangt Ihre Order dann sicher und auf direktem Weg zur Börse. Doch bevor Sie Ihre erste Order aufgeben, sollten Sie die verschiedenen Ordertypen und -zusätze kennenlernen. Denn mit diesen können Sie steuern, wie Ihr Auftrag ausgeführt wird und dadurch die Erfolgschancen Ihres Investments erhöhen. Zu diesem Zweck liefern wir Ihnen im Folgenden eine Einführung in die wichtigsten Grundbegriffe. Es ist weniger kompliziert, als Sie vielleicht annehmen.

Market-Orders: Billigst und Bestens

Grundsätzlich gibt es zwei Typen von Kauf- oder Verkaufsaufträgen: Market-Orders und Limit-Orders. Market-Orders werden zu jedem möglichen Preis ausgeführt. Möchten Sie ein Wertpapier kaufen, haben Sie die Möglichkeit, Ihren Kaufauftrag mit dem Zusatz „billigst“ zu versehen. Dann wird Ihre Kauforder zum Kaufkurs aufgeführt, der momentan am günstigsten ist. Also Sie kaufen die Papiere zum geringstmöglichen Preis. Möchten Sie ein Wertpapier verkaufen und Sie wählen die Option „bestens“, verkaufen Sie die Papiere zum höchstmöglichen Kurs. Meist wird der Auftrag dann auch unverzüglich ausgeführt. Das kann bei wenig gehandelten Wertpapieren zum Nachteil werden, weil man mit diesem Ordertyp jeden Verkaufskurs akzeptiert.

Limit-Orders

Die Alternative zu Market-Orders ist die Limit-Order. Bei Limit-Orders geben Sie eine Preisober- bzw. -untergrenze an und die Order wird nicht über oder unter dem festgelegten Preis ausgeführt. Bei einem Kaufauftrag legen Sie mit dem Limit den maximalen Kaufpreis fest, bei einem Verkaufsauftrag, wieviel Sie mindestens für das Wertpapier bekommen möchten. Das Limit schützt Sie also vor unliebsamen Überraschungen.

Limit-Orders sind in der Regel besonders bei Titeln in Märkten mit geringem Umsatzvolumen (enger Markt) oder mit hoher Preisschwankung (Volatilität) zu empfehlen. Hier kann es leicht passieren, dass Sie Ihr Wertpapier zu einem Preis kaufen oder verkaufen, der deutlich vom aktuellen Preis abweicht.
Ein Beispiel: Sie möchten 100 Aktien einer Aktiengesellschaft kaufen. Der letzte festgestellte Kurs des Titels liegt bei 10 Euro. Wenn Sie den Kaufauftrag nun als Market-Order bestellen, dann erhalten Sie die von Ihnen gewünschten 100 Aktien zu dem Preis, zu dem sie gegenwärtig im Orderbuch erhältlich sind. Das kann dann durchaus ein höherer Kurs sein. Mit einer Limit-Order hingegen können Sie den Kaufpreis nach oben begrenzen, etwa bis zu maximal 10,10 Euro.

Für private Anleger ist es ratsam, immer ein Limit zu setzen.

Weitere Orderzusätze

Neben der Unterscheidung von Market- und Limit-Orders gibt es weitere Zusätze, mit denen Sie festlegen, wann und in welchem Umfang Ihr Auftrag ausgeführt werden soll. Allerdings bietet nicht jede Bank alle Auftragsarten an, die an der Börse möglich sind. Schauen wir uns die unterschiedlichen Orderzusätze einmal im Detail an.

Gültigkeit: Heute, übermorgen oder bis auf Weiteres

Entscheiden Sie, wann Ihre Order ausgeführt werden soll: Tagesgültig, zu einem bestimmten Datum oder unbefristet.

Wenn Sie Ihren Auftrag für 100 Aktien nur ausgeführt bekommen möchten, wenn dies am gleichen Handelstag geschieht, dann geben Sie 'tagesgültig' als Zusatz an (Englisch: Good-for-day / GFD). Kommt die Order nicht zur Ausführung, wird sie bei Handelsende automatisch gelöscht. Geben Sie eine tagesgültige Order außerhalb der Handelszeit auf, dann gilt der Orderzusatz für den nächsten Handelstag.

Bei einer Order zu einem bestimmten Handelstag (Good-till-date / GTD) ist Ihr Auftrag bis zum Handelsschluss des angegebenen Börsentages gültig. Das Datum kann maximal 359 Tage in der Zukunft liegen. Denn so lange würde Ihr Auftrag im Orderbuch bleiben, wenn er nicht ausgeführt werden kann. Bei unbefristeten Aufträgen (Good-till-cancelled / GTC) bleibt Ihre Order bis zur Ausführung oder Löschung gültig. Die maximale Gültigkeit beträgt hierbei 360 Tage inklusive Eingabedatum.

Ein kleiner Tipp: Achten Sie in der Maske Ihres Online-Banking Portals darauf, ob eine bestimmte Gültigkeit bereits voreingestellt ist. Falls Sie dies übersehen, könnte es zum Beispiel bei einem automatisch auf ‚tagesgültig‘ gesetzten Auftrag passieren, dass Ihre Order nicht ausgeführt wird – vor allem, wenn es sich um einen Nebenwert mit geringer Handelsaktivität handelt oder Ihr Limit sehr eng gesetzt war.

Ausführungsbedingungen: Vollständig, sofort oder gar nicht

Die Ausführung Ihrer Aufträge können Sie mit gewissen Bedingungen begrenzen: Zu den wichtigsten gehören Fill-or-Kill-Orders (FOK), Immediate-or-Cancel-Orders (IOC) Book-or-Cancel-Orders (BOC) und TOP+ Orders.

Fill-or-Kill-Aufträge (FOK-Orders) werden entweder vollständig ausgeführt oder komplett gelöscht. Sollte eine vollständige Ausführung nicht möglich sein, verfällt die Order. Eine Fill-or-Kill-Order kann bei Käufen sinnvoll sein, bei denen man befürchtet, nur eine sehr geringe Stückzahl zu bekommen. Verkäufer können mit FOK-Orders zudem verhindern, dass aus einer runden Stückzahl von Papieren nur einige wenige herausgekauft werden.

Hierzu wieder ein Beispiel: Sie lassen Ihren Kaufauftrag über 100 Aktien einer beliebigen Aktiengesellschaft mit einem Fill-or-Kill-Zusatz und einem Limit von 10,10 Euro versehen. Sind auf der Gegenseite zum Beispiel nur 10 Aktien zu 10 Euro und 5 Aktien zu 10,10 Euro verfügbar, also insgesamt 15 Stück, wird die Order nicht ausgeführt.

Immediate-or-Cancel-Aufträge (IOC-Orders) dagegen müssen ausgeführt werden, sobald sie auf den Markt kommen. Das kann dann auch nur ein Teil des Auftrags sein und der nicht ausgeführte Teil wird gelöscht.

Haben Sie Ihren Kaufauftrag für die oben erwähnten 100 Aktien nun mit einem Immediate-or-Cancel Zusatz versehen, erhalten Sie 10 Aktien zu 10 Euro und 5 Aktien zu 10,10 Euro. Der Überhang von 85 Stück wird gelöscht. Ohne Limit hätten Sie vielleicht zudem 20 Stück zu 10,15 Euro erhalten.

Legen Sie Grenzen fest – mit Stop-Orders

Stop-Orders gehören zu den wichtigsten Orderformen für Privatinvestoren. Mit diesem Instrument schützen Sie sich vor möglichen Verlusten und sichern angefallene Gewinne, wenn Sie sich nicht ständig mit Ihrem Wertpapierdepot beschäftigen können oder wollen. Eine Stop-Order ist ein Auftrag, Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen, sobald sie auf einen vorher festgelegten Preis sinken oder steigen. Man unterscheidet zwischen Stop-Sell- und Stop-Buy-Orders.

Ist bei einer klassischen Stop-Order das Stop-Limit erreicht, geht der Auftrag als normale Market-Order in das Orderbuch und wird zum bestmöglichen Preis ausgeführt. Deswegen heißt diese Orderform auch Stop-Market-Order.

Eine Stop-Sell-Order wird unter den gegenwärtigen Kurs gesetzt. Dieser Verkaufsauftrag tritt nur dann in Kraft, wenn der Angebotspreis des Wertpapiers zum Stop-Kurs oder darunter gehandelt wird. Dann wird er zu einer Bestens-Verkaufs-Order (siehe Abschnitt „Market-Orders“). Alternativ dazu können Sie auch eine Stop-Limit-Order setzen. Dann wird aus Ihrem Verkaufsauftrag keine Market-Order, die zu jedem Preis ausgeführt wird, sondern Sie legen mit dem Limit fest, wieviel Sie mindestens dafür haben möchten.

Eine Stop-Buy-Order ist ein Kaufauftrag, der bei Erreichen oder Überschreiten eines von Ihnen festgesetzten Kurses zum nächsten erhältlichen Börsenkurs billigst ausgeführt wird (siehe Abschnitt „Market-Orders“). Diese Orderform setzen Anleger ein, sobald sie in ein Wertpapier erst einsteigen wollen, wenn sich dies in einer Aufwärtsbewegung befindet.

Damit Sie Ihre Stopkurse nicht ständig selbst neu definieren müssen, gibt es sogenannte Trailing-Stop-Orders. Durch Trailing-Stop-Orders folgt das Limit Ihrer Order automatisch den Preisschwankungen. Zu diesem Zweck legen Sie eine Spanne fest, von der Ihr Kauf- oder Verkaufs-Limit zum aktuellen Marktpreis abweichen darf. Diese Spanne kann entweder ein absoluter Wert in Euro, oder ein relativer Wert in Prozent sein. Steigt nun der Preis eines Wertpapiers, wird Ihr Limit automatisch angepasst. Fällt der Preis dagegen, bleibt er konstant. Sollte der Preis Ihr Limit berühren, wird die Order aktiviert und das Wertpapier nach Möglichkeit gekauft beziehungsweise verkauft. In unserem Beispiel möchten Sie zwar Ihren Gewinn mitnehmen, befürchten aber im Falle eines möglichen Kursrutsches weniger als Ihren Einstiegspreis zu erzielen. Deswegen setzen Sie eine Stop-Limit-Order mit Stop bei 13,50 Euro und Limit bei 12 Euro. Sollte der Preis von 13,50 Euro erreicht werden, löst dies Ihre Order aus. Verkauft werden Ihre Stücke aber nur zu einem Preis oberhalb von 12 Euro.


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Während im elektronischen Handel auf Xetra der Stop von Sell- und Buy-Orders durch die festgestellten Preise ausgelöst werden, ist der Stop beim Spezialistenhandel an der Börse Frankfurt an das Kauf- beziehungsweise Verkaufsangebot der Spezialisten gebunden.

Wie bereits oben erwähnt, liegt der Vorteil von Stop-Orders darin, dass Sie als Anleger nicht ständig den Markt und die Performance Ihrer Wertpapiere im Blick haben müssen. Im Urlaubs- oder Krankheitsfall ist diese Möglichkeit überaus praktisch. Allerdings können dann kurzfristige Kursrückschläge eines Aufwärtstrends den von Ihnen festgelegten Stop auslösen. Man spricht in diesem Fall von „unfreiwillig ausgestoppt werden“. Außerdem schützen Stop-Orders nicht in allen Fällen vor Verlusten. Bei starken Kursbewegungen fehlt möglicherweise die Gegenseite, damit Sie Ihre Wertpapiere veräußern können. Wenn die Liquidität dafür nicht ausreicht, bleiben Sie auf Ihren Wertpapieren sitzen.

One-cancels-Other-Order

Ein wahrer Allrounder: Wenn die Limits, die Sie setzen möchten, von der Richtung abhängen, in der sich die Preise entwickeln, dann sollten Sie die One-cancels-Other-Order wählen. Bei dieser Orderform werden zwei Aufträge - egal ob Limit oder Market-Order - miteinander kombiniert. Kommt einer der beiden Aufträge zur Ausführung, wird der andere automatisch gelöscht.

Sie wollen beispielsweise ein Engagement mit einem Stopp-Kurs nach unten absichern, falls der Preis des Wertpapiers fällt, gleichzeitig aber auch Gewinne mitnehmen, falls der Preis steigen sollte. Dafür setzen Sie einfach eine Stop-Loss-Order mit Limit unterhalb des aktuellen Preises und eine normale limitierte Kauforder oberhalb.

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