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26.10.2018 14:47:26
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Kolumne

Aus dem Börse Frankfurt Magazin: Rendite mit Nachhaltigkeit



Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung und ist schon lange nicht mehr in der grünen Ecke verhaftet. Institutionelle Investoren bekennen sich mittlerweile mit Billionensummen zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten. Privatanleger können mit immer mehr passenden Produkten in dieses Zukunftssegment investieren.
5. November 2018. FRANKFURT (Menthamedia). Die Grundidee des nachhaltigen Wirtschaftens wurde in der sächsischen Forstwirtschaft zu Anfang des 18. Jahrhunderts geboren. Dort ging man dazu über, nur so viel Holz einzuschlagen, wie durch Aufforstung nachwachsen kann. Mit Umweltschutz hatte dieses Vorgehen jedoch nichts zu tun, sondern es handelte sich um ein rein wirtschaftliches Kalkül. Durch den Raubbau am Wald drohten nämlich der Forstwirtschaft das Verschwinden ihrer Existenzgrundlage und dem holzhungrigen Silberbergbau ein Mangel an Bau- und Brennmaterial.

Demnach steht die heutige ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit ganz in der Tradition des ursprünglichen Gedankens. Während sich das Ökologisch und sozial verantwortliche Handeln für ein Unternehmen auszahlen kann, verursacht seine Missachtung Risiken bis hin zur Existenzbedrohung. Man denke nur an Negativbeispiele wie die Katastrophe im Golf von Mexiko mit immensen Strafen für BP oder die Milliardenzahlungen und Milliardenaufwendungen durch Rückrufaktionen bei VW und anderen namhaften Autoherstellern im Zuge des Dieselskandals.

Nachhaltiges Wirtschaften beschert einem Unternehmen einerseits unmittelbare Kostenvorteile, wenn der Ressourcenverbrauch beim Rohstoff- und Energieeinsatz reduziert wird. Andererseits können zum Beispiel innovative Nachhaltigkeitstechnologien für Wettbewerbsvorteile oder Einsparungen im Produktionsprozess sorgen. Und nicht zuletzt lassen sich über soziale Aspekte wie dem fairen und respektvollen Umgang mit Mitarbeitern mittel- bis langfristige Wirkungen wie eine erhöhte Mitarbeitermotivation und -bindung sowie Imageverbesserungen in der Öffentlichen Wahrnehmung erzielen.



Auch die zunehmenden Forderungen von Politik und Gesellschaft drängen die ökonomischen Akteure verstärkt zum nachhaltigen Handeln. So bittet künftig sogar der Gesetzgeber größere Unternehmen zum Nachhaltigkeitsrapport. Dahinter steht die EU-Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (CSR-Richtlinie), die mittlerweile 20 EU-Mitgliedstaaten in Gesetzesform gegossen haben. Beispielsweise verpflichtet die Umsetzung in Deutschland alle kapitalmarktorientierten Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern und mehr als 40 Millionen Euro Jahresumsatz ab 2018 zur Berichterstattung auch über nichtfinanzielle Themen wie Energienutzung, Emissionen, Antikorruption, Arbeitnehmerbelange und die Achtung der Menschenrechte auch bei Lieferanten.

Nachhaltigkeit als Investmentthema

Vor allem Stiftungen und kirchliche Einrichtungen haben eine lange Tradition der nachhaltigen Kapitalanlage. Seitdem in den 1970er Jahren die Umwelt- und Friedensbewegung aufkam, rückte die Nachhaltigkeit als Investmentthema aber langsam auch bei privaten Anlegern ins Blickfeld. Zunächst standen dabei vornehmlich Ökologische Aspekte im Mittelpunkt. Doch längst geht es nicht mehr nur um das gute Gewissen bei der Allokation der eigenen Ersparnisse. Vielmehr stellen sich Nachhaltigkeitsinvestments dem Performancevergleich mit konventionellen Anlagen und sind diesen oftmals sogar überlegen.

Eine vielbeachtete Meta-Studie dazu hat die Universität Hamburg im Jahr 2015 anhand von 2.250 empirischen Einzelstudien seit 1970 durchgeführt. Hierbei wurde der mögliche Zusammenhang zwischen der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und der Finanzperformance von Unternehmen untersucht. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass verantwortungsvoll agierende Unternehmen finanziell erfolgreicher und als Investmentziele vielfach überlegen sind. Knapp zwei Drittel der Studien haben demnach eine positive Korrelation zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien und den Finanzergebnissen gezeigt. Als Ursachen für den positiven Zusammenhang nennt Mitherausgeber Prof. Alexander Bassen zum Beispiel Energie- und Materialkostensenkungen, Risikosenkungen, höhere Gewinnmargen und die Attraktivität nachhaltig agierender Unternehmen für motivierte Mitarbeiter.

Welches Volumen Kapitalanlagen unter Ökologischen und ethischen Aspekten mittlerweile erreichen, untersucht das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) jährlich in einer Marktübersicht für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Zahlen des neuesten Berichts weisen für 2017 ein Volumen von 280,6 Milliarden Euro auf, wobei mit 171 Milliarden Euro der größte Teil auf Deutschland entfällt.

Mit Nachhaltigkeit vom magischen Dreieck zum magischen Viereck

Das FNG definiert nachhaltige Geldanlagen als eine Ergänzung der klassischen Kriterien Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Aspekte". Damit wird das oft zitierte magische Dreieck des Investierens um die Prinzipien der Nachhaltigkeit zu einem magischen Viereck erweitert.

Der Anlageprozess nachhaltiger Investments muss nach der Definition des FNG sogenannte ESG-Kriterien in die Finanzanalyse einbeziehen. Dabei ist ESG ein zentraler, international etablierter Begriff im Nachhaltigkeitsbereich und steht für Environmental, Social, Governance. Werden Unternehmen nach diesen Ökologischen, sozialen und führungsbezogenen Kriterien abgeklopft, kann dies als Orientierung dienen, um nachhaltige Investments zu selektieren und Rückschlüsse über die mittel- bis langfristigen Ökonomischen Erfolgschancen abzuleiten.

ESG-Kriterien sind allerdings nicht einheitlich festgelegt, sondern werden von unterschiedlichen Institutionen wie beispielsweise dem niederländischen Nachhaltigkeitsresearch-Anbieter Sustainalytics definiert. In der Ökologischen Dimension (Environmental) geht es zum Beispiel um Programme zur Treibhausgas-Reduktion oder um eine umweltverträgliche Produktion. Die soziale Dimension (Social) stellt den Umgang mit Arbeitnehmern in den Mittelpunkt und betrachtet etwa das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie eine angemessene Entlohnung bei fairen Arbeitsbedingungen. Außerdem ist die Nachhaltigkeit in der Dimension der Unternehmensführung (Governance) bedeutsam, wo es zum Beispiel um Antikorruption geht.

Initiativen der Vereinten Nationen

Auch die UNO hat der Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Investmentprozess mit ihren United Nations Principles for Responsible Investment (UN PRI) zu einer wachsenden Bedeutung verholfen. Die im Jahr 2006 veröffentlichten und zusammen mit weltweit bedeutenden institutionellen Investoren aus zwölf Ländern erarbeiteten Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investment umfassen einen Katalog von sechs Best-Practice-Standards. Zu deren Einhaltung verpflichten sich die Unterzeichner auf freiwilliger Basis und berücksichtigen daraufhin ökologische, soziale und Unternehmensführungs-Standards bei ihren Investments, um zu einem nachhaltigeren globalen Finanzsystem beizutragen. Die sechs Prinzipien wurden bereits von mehr als 1.500 institutionellen Investoren mit einem gesamten Anlagevermögen von mehr als 60 Billionen US-Dollar unterzeichnet.

Währenddessen definiert der UN Global Compact nicht für Investoren, sondern für die teilnehmenden Unternehmen zehn Prinzipien, die in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsprävention zu beachten sind. Dieser Globale Pakt der Vereinten Nationen wurde im Jahr 1999 vom damaligen Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufen und wird zwischen freiwillig teilnehmenden Unternehmen und der UNO geschlossen. Er zielt zum Beispiel auf die Abschaffung von Kinderarbeit, die beschleunigte Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien und die Verhinderung aller Arten der Korruption ab und will auf Gesellschaft, Politik und Wissenschaft sind dem UN Global Compact bisher in 170 Ländern beigetreten.

Selektion nachhaltiger Investments

ESG-Aspekte können in die Finanzanalyse durch verschiedene Auswahlmethoden integriert werden. Hierbei ermöglichen Ausschlusskriterien die strikte Vermeidung von Investments, die mit dem Ansatz der Nachhaltigkeit nicht konform gehen. Zum Beispiel können die Wertpapiere von Unternehmen ausgeschlossen werden, die Waffen oder Atomstrom herstellen. Dagegen arbeitet die Auswahlmethode "Best-in-Class" mit einer Sektor Betrachtung und präferiert jene Unternehmen, die innerhalb ihrer Vergleichsgruppe das unter ESG-Kriterien beste Unternehmenskonzept vorweisen können. Auch ein Zusammenspiel der beiden Vorgehensweisen ist möglich.

So werden beispielsweise bei der Zusammensetzung des STOXX Europe ESG Leaders 30 zunächst über Ausschlusskriterien aus dem 1800 Werte starken STOXX Global 1800 all die Unternehmen aussortiert, die die UN-Global-Compact-Kriterien nicht erfüllen und/oder in der Herstellung bestimmter Waffen involviert sind. Im zweiten Schritt wird anhand von 128 Kriterien ein 100-Punkte-ESG-Rating erstellt. Nur die Unternehmen, die mindestens 75 Punkte erreichen, kommen in die nähere Auswahl. Daraus werden dann die 30 größten gemessen an Marktkapitalisierung und Streubesitz aufgenommen.

Investitionsmöglichkeiten

Grundsätzlich stehen Anlegern eine ganze Reihe von Investitionsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben dem Investment in Einzelaktien wächst das Angebot an Finanzinstrumenten im Bereich der nachhaltigen Investments stetig, egal ob man Investmentfonds, ETF oder Indexzertifikate präferiert. Und man trägt ganz nebenbei dem Diversifikationsgedanken Rechnung. Ein Aspekt, der für einen soliden, langfristigen und damit nicht zuletzt nachhaltigen Erfolg an der Börse entscheidend ist.

Oktober 2018 © Menthamedia

Das Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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