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10.08.2017 13:34:34
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Börse Frankfurt News

Auslandsaktien: Wettrennen der Sportartikler



Im ewigen Wettkampf der Sportartikelhersteller trumpft derzeit Adidas auf. Doch Nike könnte Analysten zufolge bald wieder nachziehen.
10. August 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London können die Deutschen kaum einen WM-Titel holen. Unter den großen Sportartikelherstellern hat ein deutscher Konzern hingegen derzeit die Nase vorn - jedenfalls was die Wachstumsdynamik angeht: Selbst im hart umkämpften US-Markt ist Adidas im zweiten Quartal schneller gewachsen als der große Konkurrent Nike. Adidas konnte die Erlöse zwischen April und Juni um ein Fünftel auf 5 Milliarden Euro steigern, das Betriebsergebnis verbesserte sich um 18 Prozent auf 505 Millionen Euro. Außerdem hob Adidas die Prognose für das Gesamtjahr an. Die Adidas-Aktie (WKN A1EWWW) erklomm vergangene Woche ein Allzeithoch von 201 Euro. Für die Nike-Aktie ging es seit Erreichen des Rekordhochs Ende 2015 hingegen lange bergab, erst zuletzt sieht es wieder etwas besser aus.

Nike vor der Wende?

An der Börse Frankfurt kommt Nike (WKN 866993) in diesem Jahr zumindest auf ein kleines Plus. Der Umsatz von Nike, immer noch weltgrößter Sportartikelhersteller, kletterte im vierten Quartal des Ende Mai zu Ende gegangenen Geschäftsjahres um 5 Prozent auf 8,7 Milliarden US-Dollar, der Gewinn stieg um fast ein Fünftel auf gut eine Milliarde US-Dollar. Doch das Geschäft auf dem Heimatmarkt stockt. Nike-Chef Mark Parker hat daher einen Konzernumbau angekündigt.

Das könnte die Wende einläuten. "Das US-Geschäft läuft nicht so gut, das wird aber kompensiert durch Europa und die Schwellenländer", berichtet Walter Vorhauser von Oddo Seydler. Auch die Ankündigung, künftig mit Amazon zusammenarbeiten zu wollen, sei an der Börse gut angekommen. "Ab Oktober löst Nike außerdem Adidas als Exklusivausrüster für die US-Basketball-Profiliga NBA ab, das hat große Werbewirkung." Der Händler geht davon aus, dass das bei Nike für einen neuen Wachstumsschub sorgen könnte.



Analysten mögen Nike

Auch unter Analysten steht Nike auf dem Treppchen wieder ganz oben, hier gibt es fast ausschließlich Kaufempfehlungen: So raten Morgan Stanley, Nomura, UBS, Goldman Sachs und Berenberg Bank zum Einstieg. Morgan Stanley hat Nike im Juli von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 56 auf 68 US-Dollar (aktuell 50,90 US-Dollar) angehoben. Das Fenster für den Kauf von Nike-Papieren auf dem Tiefpunkt des Zyklus schließe sich, heißt es zur Begründung. Gewinn je Aktie und Umsatz in Nordamerika hätten wohl einen Boden gefunden. Nomura hat das Kursziel von 60 auf 62 US-Dollar angehoben, die Bank geht davon aus, dass sich Nike in den nächsten 12 Monaten besser als der Vergleichsindex entwickeln wird.

Bei Adidas mehren sich hingegen die skeptischen Stimmen: So setzten zuletzt Warburg Research, Deutsche Bank, JP Morgan und Independent Research die Aktie nur auf "Hold" bzw. "Neutral". Warburg fragt sich zum Beispiel, wie lange die prozentual zweistelligen Wachstumsraten noch aufrechterhalten werden können, Independent Research erwartet wegen des aktuellen Bewertungsniveaus keine deutlichen Kaufimpulse mehr. "Es bleibt ein ewiger Wettkampf zwischen Adidas und Nike", meint Vorhauser. "Im Grund gehören beide Aktien in jedes große Portfolio."

Under Armour unter Druck
 

Auch Under Armour (WKN A0HL4V), lange als wichtigster Konkurrent von Adidas und Nike gehandelt, verkündete Anfang August einen Konzernumbau - und außerdem die Erwartungen an das Gesamtjahr zurückzunehmen. "2017 soll der Umsatz jetzt noch um 9 bis 11 Prozent zulegen, nicht wie erwartet um 11 bis 12 Prozent", stellt Vorhauser fest. "Der extreme Expansionskurs ist an Grenzen gestoßen." Hintergrund ist die schwache Entwicklung auf dem Heimatmarkt USA. Die Aktie kostete vor knapp zwei Jahren noch 46 Euro, jetzt sind es nur noch 16 Euro. "Eventuell könnte Under Armour auch zum Übernahmekandidaten werden, wie Reebok, das von Adidas geschluckt wurde", meint Vorhauser.

VorhauserVorhauser
 

Nicht nur Gewinner

Die Branche als Ganzes expandiert zwar, dass aber nicht jede Aktie eines Sportartikelherstellers medaillenträchtig ist, zeigen auch die Beispiele Amer Sports und Skechers, auf die Roland Stadler von der Baader Bank hinweist. Die Aktie des finnischen Konzerns Amer Sports mit seinen Marken Atomic, Salomon und Wilson hatte sich zwischen 2009 und 2015 im Kurs versiebenfacht, seitdem geht es aber seitwärts bzw. nach unten. Aktuell wird Amer Sports (WKN 870547) zu 23,52 Euro gehandelt. Ähnlich sieht es aus bei Skechers (WLN 922814), dem US-Anbieter von Sport- und Freizeitschuhen. Die Aktie wurde im Sommer 2015 noch über 46 Euro gehandelt, jetzt sind es 24 Euro.

von: Anna-Maria Borse
10. August 2017, © Deutsche Börse AG

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