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06.11.2017 08:18:32
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Kolumne

Börse Frankfurt Magazin: "Fährt die Automobilbranche noch oder steht sie schon?"



Die deutsche Automobilbranche befindet sich nach jahrelangem Erfolg mit einem nahezu unveränderten Geschäftsmodell vor einem Paradigmenwechsel. Vieles, was ein Auto heute ausmacht, wird in Zukunft durch die Informationstechnologie bestimmt werden. Wie gut vorbereitet sind die deutschen Autobauer für die Zukunft? Ein Blick auf die Branche jenseits der Dieseldebatte lohnt sich. Schlaglichter aus einzelnen Bereichen zeigen, dass nicht alles von gestern ist.
6. November 2017. FRANKFURT (Menthemedia). Die Automobilindustrie steht im Hinblick auf die digitale Transformation vor einer großen Herausforderung. Die Branche hat erkannt, dass sie bei Themen wie Fehlerdiagnose aus der Ferne oder auch autonomes Fahren führend sein muss. Denn wenn die Autohersteller und ihre Zulieferer den technischen Fortschritt ignorieren, werden Unternehmen wie Google oder Apple ihnen künftig als Quereinsteiger Marktanteile streitig machen. Fahrzeuge gehören zu den komplexesten Produkten und sind mittlerweile eher rollende Computer als einfache Fortbewegungsmittel. Neben Fahrerassistenz- und Navigationssystemen sind Software-Updates über die Cloud heute bereits Normalität. Um im Markt führend zu bleiben, ist nicht mehr nur Ingenieurskunst gefragt.

Ein ganz konkretes Beispiel zeigt, wie wichtig Hightech für deutsche Automobilbauer geworden ist: Im kommenden Jahr werden bereits erste Fahrzeuge von BMW und Audi mit der Technik der US-Firma Qualcomm auf den Markt gebracht, die das Laden nach Art der elektrischen Zahnbürste oder des Induktionsherdes beherrschen. Die Ladeplatten und das Gegenstück im Auto funktionieren derzeit allerdings nur mit einem spezifischen Modell. Ein einheitlicher Standard sei wichtig für die Zukunft, um E-Mobilität für eine große Anzahl von Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller anbieten zu können, so die Experten.

Kabelloses Laden soll an einer Vielzahl von Stellen im öffentlichen Raum alltäglich werden: auf dem Supermarkt-Parkplatz, vor der Ampel und sogar während der Fahrt. Auf einer Teststrecke bei Paris hat Qualcomm bereits ein Stück Autobahn mit Ladeplatten bestückt. Mit bis zu 100 km/h kann ein Elektroauto darüber fahren und Strom in seine Batterie bringen. So könnte ein Auto mehrfach am Tag induktiv nachgeladen werden und auch Autos mit kleineren Batterien hätten immer genügend Reichweite.



Antriebstechnologien

2030 sollen stattliche 37 Prozent der in der EU zugelassenen Autos elektrisch und 47 Prozent hybrid, d. h. mit einem Mix aus Strom und Verbrennungsmotor, betrieben werden. Die absoluten Zahlen bei den EU-Neuzulassungen klingen positiv. Rund 200.000 neue E-Autos sind auf Europas Straßen unterwegs. Prozentual gesehen stellen sie derzeit jedoch nur eine Minderheit von rund 5 Prozent, in Deutschland sogar nur von einem Prozent. Die Nachfrage fehlt schlichtweg.

Damit es an Angeboten nicht mangelt, will die Branche bis 2020 rund 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe investieren. Die Bandbreite soll im gleichen Zeitraum von 30 auf 100 Modelle steigen. 102 Prozent Wachstum bis Mai dieses Jahres scheinen die Investition in diesem Segment zu bestätigen - aber wie erwähnt, basiert das Wachstumswunder in Elektro immer auf einer geringen Ausgangsgröße. Der Anteil deutscher Elektro-Pkws am europäischen Markt stieg im ersten Halbjahr ebenfalls, von 45 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 49 Prozent.

Urbane Mobilität und automatisiertes Fahren

Keine Unfälle, keine Emissionen und wenig Stress - so soll die mobile Zukunft auf Deutschlands Straßen aussehen. Die technischen Entwicklungen zur Erreichung dieser Ziele sind Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung. 58 Prozent der Patente rund um autonomes und vernetztes Fahren hält die deutsche Automobilbranche. Bosch und Daimler treiben beispielsweise gemeinsam die Entwicklung des vollautomatisierten und fahrerlosen Fahrens voran. Beide Unternehmen haben eine Entwicklungskooperation vereinbart, um vollautomatisiertes und fahrerloses Fahren im urbanen Umfeld ab 2020 auf die Straße zu bringen.

Bosch, einer der klassischen deutschen Zulieferer, beabsichtigt zudem, führend bei E-Mobilitätslösungen sein. Nicht jeder deutsche Zulieferer ist bei Themen wie Digitalisierung und E-Mobilität gleich außen vor, wie das manche Medien gerne darstellen.

E-Autos mal nicht von den Großen

Der durch die Diesel-Debatte auch dem breiten Publikum bekannte E-Auto-Hersteller Tesla verdoppelte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2017. Die Nachfrage nach dem neuen Model 3 ist ungebrochen hoch und das öffentliche Interesse an Teslas Vorstoß in den Massenmarkt ist enorm. Doch müssen Neuerungen immer von den Großen der Branche kommen? Nein, es gibt sie auch in der Autobranche, die großen Ideen, die oft im Kleinen beginnen. Sion, das Solarauto von Sono Motors, einem Münchener Start-up-Unternehmen, ist eine solche Idee. Sie zeigt, dass nicht nur Daimler und Co. die Zukunft der Automobilbranche gestalten. Der Sion fährt zwar hauptsächlich mit Strom, aber ein paar extra Kilometer macht der kleine Flitzer dank Solarenergie. Seine Reichweite beträgt mit dem E-Motor 250 km plus 30 extra Kilometer durch die Solarbatterie. Also eher ein Stadtauto.

Die Form des Sion erinnert an einen Smart. Das E-Auto ist mit 330 Solarpanels auf dem Dach, der Motorhaube und den Türflächen bestückt. Die komplette Fläche wird also genutzt, um das Auto mit Solarenergie zu speisen. Der Innenraum des Fahrzeugs ist eher reduziert. Lediglich zwei Displays zeigen die notwendigen Fahrdaten. Eine weitere grüne Idee der Münchener: Das skandinavische Moos im Innenraum soll die Luft filtern und für ein angenehmes Raumklima sorgen.

Das Start-up benötigt 5.000 Vorbestellungen für die Finanzierung der Produktion. Die ersten 2.000 liegen bereits vor. Bei einem Kampfpreis von 16.000 Euro und dem aktuellen öffentlichen Interesse an mobilen Alternativen könnte das Unternehmen bald in die Produktion gehen.

Sauber geliefert

Nicht nur für Privatleute ist die E-Mobilität wichtig. Betroffen von einem Fahrverbot für Dieselmotoren wäre auch das Gewerbe. Viele Dienstleister, Handwerker, Taxiunternehmen und Lieferanten müssen mobil sein.

Die Deutsche Post zeigt, wie es geht. Der Logistikriese hatte lange auf dem freien Markt nach einer passenden Lösung beim Thema E-Mobilität gesucht, fand aber nicht, was er benötigte. So wurde die Post selbst aktiv. Sie kaufte ein Start-up der Technischen Hochschule Aachen. Dort wurden im vergangenen Jahr 2.000 sogenannte Streetscooter gebaut. Der gelbe Einsitzer ist ein flotter Postwagen, der den Lärm und Dreck der vielen Zustellerstopps vermeidet. Ziel ist es, die gesamte Flotte auszutauschen. Bis zu 7.000 Fahrzeuge könnten das einmal werden, so Postvorstand Gerdes.

Mit E-Mobilität Geld verdienen? Das geht auch bei den Mittelständlern. Die Firma Ziehl-Abegg im Badischen produziert seit Jahren Elektromotoren für Busse. Diese Antriebsmotoren, die in den Achsen stecken, sind sauber und verhältnismäßig günstig. In Schweden rollen die Busse damit schon, im Landkreis Hohenlohe jetzt auch.

Automobile Zukunft am Aktienmarkt

Die Zukunft der Automobilbranche ist vom Willen zum Wandel, aber auch von Unsicherheit geprägt. Dies schlägt sich auch an der Börse nieder. Die Aktien der Autohersteller zählen in 2017 zu den schwächsten Titeln des DAX. Die drei Großen in Zahlen: Daimler (WKN 710000) verlor knapp 12 Prozent, etwas über 10 Prozent Kursverlust sind es bei BMW (WKN: 519000), und Volkswagen Vz. (WKN 766403) verlieren seit Jahresanfang rund 6 Prozent. Auch die Volatilität, das Maß für die Schwankung und damit für die Unsicherheit am Markt, ist bei allen drei Titeln deutlich gestiegen. Spitzenreiter ist hier Volkswagen mit einer 250-Tage-Volatilität von 22,1, gefolgt von BMW mit 17,4 und Daimler mit 15,8.

Die Branchen-Analysten hatten in den vergangenen Jahren den Automobilbereich zwar als solide und dividendenstark eingeschätzt, die Titel aber auch für überteuert gehalten. Insofern kommen rückläufige Kurse nun den Analysten entgegen. Sie äußern sich verhalten optimistisch zu den Aussichten der Automobilwerte an der Börse:

Für Volkswagen prognostizierten 73 Prozent der Analysten einen steigenden Aktienkurs von durchschnittlich 189,42 Euro. Bei Daimler sieht das Bild etwas schwächer aus. Hier prognostizierten nur 45 Prozent der Analysten einen steigenden Aktienkurs von durchschnittlich 85 Euro. 45 Prozent empfehlen immerhin, die Aktie zu "halten". Dabei wird mit hohem Interesse die Berichterstattung über den Umbau des Unternehmens in eine Holding-Struktur mit drei eigenständigen Sparten (bis 2019) verfolgt. Bei BMW gehen 41 Prozent der Analysten von steigenden Aktienkursen aus. Durchschnittlich werden hier 104,50 Euro erwartet. Mit "Halten" votieren immerhin noch 54 Prozent.

Aus einer Vorzeigebranche ist ein Wackelkandidat geworden. Und niemand kann vorhersagen, wer in diesem Prozess des Wandels das Rennen machen und sich zur Kursrakete entwickeln wird. Anlegern winken Gewinnchancen und attraktive Dividendenrenditen, die die drei Titel mitbringen. Die Angst vor der Unsicherheit und Kurskapriolen bleibt. Hier lohnt ein Blick in die Welt der Zertifikate. Discount- und auch Bonus-Zertifikate ermöglichen ein Engagement in die Automobilwerte mit Risikopuffer und bieten gleichzeitig Gewinnchancen. Für ein solches Engagement muss man als Anleger zumindest eine leicht positive Grundhaltung gegenüber der Aktie haben. Zudem ist ein festgelegter Anlagehorizont wichtig, da die Laufzeit eines Zertifikates begrenzt ist und gegenteilige Kursentwicklungen nicht ausgesessen werden können. Die Dividenden der jeweiligen Aktie fließen in den Preis des Zertifikates ein und werden nicht extra ausgeschüttet.

Mit einem Discount-Zertifikat - in der klassischen Variante - erwirbt man ein Zertifikat auf eine Aktie mit einem Abschlag gegenüber dem aktuellen Aktienkurs. Dafür ist das Gewinnpotenzial durch eine Obergrenze, den sogenannten Cap, limitiert. Das Discount-Zertifikat auf Daimler (WKN DGV2XF) mit einem Jahr Laufzeit kostet derzeit 56,35 und ist damit 10,5 Prozent günstiger als die Aktie. Dieser Abschlag puffert das Engagement ab, falls es mit der Daimler-Aktie gen Süden geht. Denn bei Fälligkeit erhält der Anleger die Daimler-Aktie zum aktuellen Kurs. Es sei denn, Daimler notiert über dem vorher festgelegten Cap. Dann kommt der Höchstbetrag, der dem Cap entspricht, zur Auszahlung. Das o. g. Zertifikat erzielt eine Rendite von 9,52 Prozent p. a., wenn die Aktie der Daimler AG im September 2018 nicht unter 64 Euro notiert. Ausgehend vom aktuellen Kurs, muss sich Daimler folglich gerade einmal auf dem aktuellen Niveau halten.

Ein Bonus-Zertifikat erwirbt man in etwa zum gleichen Preis wie die Aktie. Bei Fälligkeit wird in jedem Fall ein vorher festgelegter Bonusbetrag ausgezahlt, solange die Aktie während der Laufzeit nie auf oder unter eine vorher festgelegte untere Barriere fällt. Es lohnt also, einen Blick auf die Aktienkurse der Vergangenheit zu werfen, um mit Sinn und Verstand ein Zertifikat auszuwählen, dessen Untergrenze auch Tiefstkurse in der Aktie nicht berührt hätten. Bei der Volkswagen-Aktie beispielsweise läge der Tiefstkurs ein Jahr rückwirkend betrachtet bei 114,55 Euro. Das gewählte Bonus-Zertifikat (WKN TD93GA) weist eine untere Barriere von 104,00 Euro auf. Wird diese bis zur Fälligkeit im Juni 2019 nicht berührt oder unterschritten, erhält der Anleger 168 Euro und erzielt damit eine Rendite von 12,57 Prozent p. a.

Ganz gleich, ob man sich nun für ein Engagement in die Aktie entscheidet oder sein neues Auto sucht, es bleibt spannend bei den deutschen Autobauern.

Oktober 2017 © Menthamedia

Das Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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