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29.12.2015 11:21:36
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Kolumne

Grüner Fisher: "2015 im Rückblick"



Stefan Grüner blickt auf ein turbulentes 2015 zurück.

Das Börsenjahr 2015 neigt sich dem Ende zu. In der Rückschau werden sich Anleger mit Unbehagen an die heftige Korrektur im Sommer und den "Schwarzen Montag" erinnern, an die Schwächephase in China und den VW-Abgasskandal. Sorgenvolle Debatten um Flüchtlinge und Terror runden das skeptische Umfeld ab. Echter Optimismus war lediglich im Anschluss an das hervorragende erste Quartal zu spüren - in der sich anschließenden Korrekturbewegung fand die gute Laune der Anleger allerdings ein schnelles Ende. Der laufende Bullenmarkt bleibt also seinem bisherigen Motto auch nach fast sieben Jahren treu: Schlechte Stimmung, gute Renditen.

Trotz einiger unruhiger Phasen konnten sich DAX und EuroStoxx im bisherigen Jahresverlauf per Saldo gut entwickeln. Einerseits kann man diese Entwicklung als "unterdurchschnittlich" bezeichnen, denn in einem positiven Jahr steigt der DAX im Durchschnitt (!) um fast 25 Prozent. Andererseits ist die relative Stärke der Aktienmärkte im Vergleich zu schwachen Rohstoffen und den begrenzten Möglichkeiten im Anleihemarkt nicht von der Hand zu weisen. Für US-Investoren dürfte die bisherige Nullrunde am US-Aktienmarkt nicht zufriedenstellend sein - europäische Anleger dagegen freuen sich über den starken US-Dollar.


Zusammengefasst kann man für das Jahr 2015 sagen: Der Aktienmarkt hat erneut vor allem disziplinierten Anlegern zahlreiche Chancen eröffnet. Wer in Aufwärtsphasen der aufkeimenden Euphorie widerstehen konnte und sich in Korrekturphasen nicht auf emotionale Handlungen eingelassen hat, dessen Rückblick auf 2015 kann allen "Krisen" zum Trotz positiv ausfallen.

Der Rückblick auf die Prognosen der Banken und Privatanleger für 2015 liefert interessante Erkenntnisse. Zu Jahresbeginn lag der Banken-Konsens für den DAX 2015 bei 10.627 Punkten. In der von Grüner Fisher Investments durchgeführten Umfrage unter Privatanlegern wurde im Konsens 10.510 für den DAX im Börsenjahr 2015 erwartet. Punktlandung voraus? Wenige Handelstage vor Jahresende pendelt der DAX tatsächlich in der Region von 10.600 Punkten. Der ein oder andere Experte kann sich wohl bald für eine exakte Vorhersage rühmen. Bereits jetzt macht der Ausdruck "hilfreiche Bankprognosen" die Runde. In den vergangenen Jahren lag der Marktkonsens allerdings in bestechender Regelmäßigkeit - teilweise drastisch - daneben. Dienen die Bankprognosen also nicht mehr als Kontraindikator?

Keineswegs, denn diese "exakten Prognosen" müssen relativiert werden. Nach dem ersten Halbjahr 2015 hatte der DAX bereits 10.945 Punkte erreicht. Was passierte daraufhin mit den Prognosen? Diese wurden der "Realität angepasst" und nach oben korrigiert. Banken erwarteten in einer neuerlichen Umfrage 12.261 Punkte bis zum Jahresende 2015, bei Privatanlegern verschob sich der Konsens auf 11.900 Punkte. Also doch letztendlich weit daneben. Wie hilfreich ist eine "korrekte Marktvorhersage" zu Beginn des Jahres, wenn sie in der Jahresmitte bereits deutlich revidiert wird?


Volltreffer und Punktlandungen sind selbstverständlich möglich, aber insgesamt wird der Marktkonsens weiterhin mehr Kontraindikator als Richtungsweiser sein. Kurzfristige Prognosen sind zudem abhängig von der Marktstimmung und unterliegen ebenso starken Schwankungen wie die Märkte selbst.

Fazit

Märkte gehen fast immer den Weg, der die Mehrheit der Marktteilnehmer überraschen wird. Chancen ergeben sich vor allem für diejenigen, die sich abseits der Masse positionieren. Was bedeutet dies für das Börsenjahr 2016? Wo liegt der Marktkonsens und welche strategischen Maßnahmen sind erfolgsversprechend? Diese Frage werden wir in unserer Kapitalmarktprognose für 2016 erneut in den Mittelpunkt stellen. Sie können sich diese Prognose bereits heute unter www.gruener-fisher.de kostenlos anfordern.

© 4. Januar 2016, Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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