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Kolumne

Grüner Fisher: "Aktienrückkäufe sind nicht gefährlich"



Grüner wagt die These, dass Aktienrückkäufe - von denen vor allem US-Unternehmen gerade sehr starken Gebrauch machen - viele positive Aspekte mit sich ziehen und seiner Ansicht nach nicht der "Kurspflege" dienten.
26. Juli 2018. FRANKFURT (Grüner Fisher). Im zweiten Quartal 2018 haben US-Unternehmen angekündigt, eigene Aktien in Höhe von 437 Milliarden US-Dollar zurückzukaufen - absoluter Rekord. Anleger werden von neuen und alten Sorgen erfasst. Zwingt der "Handelskrieg" die Unternehmen, ihre Expansionspläne zu verwerfen und stattdessen eigene Aktien zu kaufen? Fallen damit wichtige Investitionen weg? Sind Aktienrückkaufprogramme am Ende nicht mehr als ungerechtfertigte Kurs-Kosmetik? Hier lohnt sich eine tiefergehende Analyse.

Hohe Flexibilität

Abgesehen von der Tatsache, dass die aktuellen Strafzölle nicht die verheerende Wirkung für Unternehmen entfalten, wie es gerne dargestellt wird, sind die eigentlichen Gründe für die Rückkaufprogramme sehr unterschiedlich. Insgesamt lässt sich im zweiten Quartal 2018 feststellen, dass die Investitionen der Unternehmen um 18,8 Prozent angestiegen sind. Laut einer aktuellen Studie von Harvard Business Review sind der Investitionsaufwand und vor allem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung prozentual zum Umsatz so hoch wie seit Ende der 90er Jahre nicht mehr. Trotz hoher Investitionen bewegen sich gleichzeitig auch die Cash-Reserven weiter auf Rekordniveau. Breit aufgestellte Unternehmen verfügen derzeit über eine bemerkenswerte Flexibilität.

Für Investitionen muss dabei nicht zwangsläufig die bestehende Liquidität herhalten. Solide Unternehmen können sich einfach und günstig Geld leihen. Ein US-Unternehmen mit AA-Rating muss für einen Kredit zwischen sieben und zehn Jahren Laufzeit aktuell ca. 3,6 Prozent bezahlen. Das durchschnittliche KGV eines S&P 500-Unternehmens beträgt 16,5. Dreht man dieses Verhältnis herum und teilt also die Gewinne durch die Kurse, erhält man eine Gewinnrendite von 6 Prozent. Fremdfinanzierte Aktienrückkäufe eröffnen also die Möglichkeit, von dieser Differenz zu profitieren.



Keine Sackgasse

Wie ist der Vorwurf zu werten, dass Rückkaufprogramme mit "Kursmanipulation" gleichzusetzen sind? Zuerst einmal muss man festhalten, dass sämtliche Aktivitäten transparent ablaufen und unmittelbar vom Markt eingepreist werden. Die Käuferseite wird gestärkt und ist somit grundsätzlich mit positiven Auswirkungen verbunden. Am Ende sollte man die Dimension der Rückkäufe jedoch relativieren. Unternehmen mit hochliquide gehandelte Aktien und großer Marktkapitalisierung machen sich ihre Preise nicht einfach selbst. Passend dazu zeigen die US-Unternehmen, die eigene Aktien zurückgekauft haben, im Vergleich mit dem marktbreiten S&P 500 sogar eine relative Underperformance.

Auch werden Aktienrückkäufe gerne wie eine Sackgasse betrachtet. Der tatsächliche wirtschaftliche Kreislauf ist viel komplexer. Aktienrückkäufe erzeugen neue Cash-Positionen, die von Anlegern wiederum an produktive Stellen umgeleitet werden. In der besagten Harvard-Studie fand man heraus, dass der größte Anteil der Erlöse aus verkauften Aktien dazu führt, dass andere Unternehmen unterstützt werden. Neue Aktienkäufe, Bereitschaft für Risikokapital, Private Equity, neue Börsengänge - oder es wird ganz einfach der Konsum angekurbelt.

Fazit

Das hohe Niveau der Rückkäufe ist in vielerlei Hinsicht positiv: Zahlreiche Unternehmen sind finanziell glänzend aufgestellt und können auf hervorragende Möglichkeiten zur Fremdfinanzierung zurückgreifen. Natürlich wirkt sich eine Verknappung des Angebots positiv auf den Preis aus - von einer "Kursmanipulation" kann jedoch nicht die Rede sein. Die kritische Haltung zeigt viel mehr, dass die Erwartungshaltung immer noch schlechter ist als die Realität - und nicht umgekehrt.

von Thomas Grüner
26. Juli 2018 © Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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