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04.01.2016 09:46:45
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Kolumne

Grüner Fisher: "Ein guter Vorsatz für 2016"



"Machen Sie keine Kreuze im Kalender." Grüber legt dar, warum Jahresendeffekte langfristig orientierte Anleger kalt lassen sollten und keine Indikation fürs neue Jahr geben.

Jeder kennt das: Im neuen Jahr wollen wir alles schneller, besser und mit eiserner Disziplin erledigen! Doch kaum sind ein paar Wochen im neuen Jahr vergangen, werden die guten Vorsätze zurückgestellt und sind bis Jahresende längst vergessen. Ganz beliebt unter Hobby-Sportlern, aber auch unter Anlegern!

Zurzeit fragt sich manch ein Anleger, wo die Geschenke abgeblieben sind, Weihnachten längst vorüber ist und das neue Jahr vor der Tür. Schließlich verspricht die Santa-Claus-Rally zu dieser Zeit doch angeblich hohe Renditen. Die Marktbewegungen verlaufen demnach in den letzten fünf Handelstagen im Dezember und den ersten beiden Handelstagen im Januar besonders positiv. Hierzulande auch oft als Jahresendrallye betitelt. Doch was sind sieben Tage wirklich wert, wenn Sie als Anleger langfristig orientiert sind?


Ein Blick zurück

Der Bullenmarkt blieb 2015 intakt. Zwar haben sich der MSCI World Index in US-Dollar und S&P 500 auf Jahresbasis eher seitwärts als aufwärts bewegt, aber für deutsche und europäische Anleger fällt der Rückblick auf das Jahr 2015 positiv aus. Per Saldo konnte der DAX als Performance-Index in diesem Jahr 9,6 Prozent zulegen, der Euro Stoxx 50 als Kursindex schafft es auf 4,6 Prozent.



Und obwohl der Dezember für die meisten Anleger enttäuschend verlief, heißt das nicht, dass Sie nicht weiter an das Weihnachtsmärchen glauben können. Immerhin lagen die durchschnittlichen Renditen des S&P 500 seit 1926 im Monat Dezember bei 1,76 Prozent (Total Return). In den Jahren 1991 mit 11,4 Prozent, 1971 mit 8,9 Prozent und 1987 mit 7,6 Prozent wurde die Durchschnittsrendite im Dezember besonders stark nach oben gedrückt. Wir sind aber davon überzeugt, dass weder Weihnachtsmann noch Christkind darauf Einfluss hatten.

Diese drei besonders guten Dezembermonate ausgenommen, liegt die durchschnittliche Rendite bei 1,50 Prozent - nahe der Durchschnittsrenditen der Monate August und November. Dennoch lässt der Mittelwert darauf schließen, dass der Dezember prinzipiell ein guter Monat für Aktien ist und sich kaum vom Januar unterscheiden lässt. Seit 1926 waren 67 von 89 Dezembermonaten gemessen am S&P 500 positiv - also 75,3 Prozent. Das liegt über dem Gesamtdurchschnitt aller positiver Monatsrenditen von 62,3 Prozent.

Allerdings unterliegt die vermeintlich saisonale Rallye am Aktienmarkt einem Problem: Es handelt sich um einen statistischen Wert ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Weihnachtszeit, Kalender und Aktienmärkten besteht. Theorien gibt es viele: Der Dezember verliefe positiv, weil Anleger ihren Jahresbonus investieren, die Mehrheit der pessimistischen Anleger über die Feiertage in Urlaub fährt oder Fondsmanager ihre Portfolios mit den "Jahresgewinnern" ausschmücken und große Marktteilnehmer Kurspflege betreiben. Diese Effekte sind aber viel zu gering, um Ihre Handelsaktivitäten danach auszurichten. Es gibt zu viele Ausnahmen von dieser vermeintlichen Regel.


Was bedeutet das nun für 2016?

Rein gar nichts, denn die Preisbewegungen der Vergangenheit lassen sich nicht auf zukünftige Entwicklungen am Markt übertragen und sind auch keine Garantie für bestimmte Renditen. Noch viel wichtiger: Aktienmärkte richten sich nicht nach dem Kalender, sondern bewegen sich mit fundamentalen Änderungen - nach fundamentalen Daten!


Fazit

Egal welche guten Vorsätze Sie haben: Keine sollten auf ein Kalender-, Börsen- oder Fiskaljahr beschränkt werden! Mit langfristigem Fokus, Disziplin und vor allem Geduld werden Sie Ihre Ziele erreichen. Behalten Sie stets den übergeordneten Blick. Ein schleppender Dezember ist kein Vorbote für ein schlechtes Folgejahr. Das gilt auch für das Jahr 2016!

© 4. Januar 2016, Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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