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Kolumne

Grüner Fisher: "Europas Problemzonen"



Thomas Grüner befasst sich mit der Verfassung der europäischen Konjunktur anhand der Einkaufsmanagerindizes als Frühindikator.
1. April 2019. FRANKFURT (Grüner Fisher). Aktuell sind alle Augen auf die zähen Brexit-Verhandlungen gerichtet, doch die Unsicherheit in Europa hat zahlreiche Ursachen. Jüngst sorgten die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone für schlechte Stimmung. Dies gilt insbesondere für Deutschland: Der Index für die deutsche Industrie sank im März auf den Wert von 44,7 Punkten. Bereits ein Wert von unter 50 wird als Indikation für eine rückläufige Industrieproduktion angesehen. Generell scheint es um die Wachstumschancen der europäischen Industrie schlecht bestellt zu sein, Frankreich enttäuscht mit einem Index-Gesamtwert von 48,7 sogar auf ganzer Linie. Droht der europäischen Wirtschaft ein baldiges Ende ihrer Expansion?

Dienstleistungssektor boomt weiter

Generell sollte die Aussagekraft der Einkaufsmanagerindizes relativiert werden. Es handelt sich um monatliche Umfragewerte, die einen Hinweis darauf liefern, wie viele Unternehmen eine Ausweitung ihrer Geschäfte erwarten. Werte über 50 verdeutlichen, dass die Mehrheit der Unternehmen Wachstum erwartet, Werte unter 50 deuten auf eine Kontraktion hin. Über die Höhe der erwarteten Zuwächse wird somit keine Aussage getroffen. Zudem übt die aktuelle Marktstimmung durchaus einen Einfluss auf die Umfrage aus, da die Aktualisierung der Werte in relativ kurzen Intervallen erfolgt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die europäische Industrie eine zähe Durststrecke überwinden muss. Betrachtet man jedoch die Proportionen der europäischen Wirtschaftsleistung, sind Bedenken über eine breit angelegte wirtschaftliche Schwäche nicht gerechtfertigt. Der Dienstleistungssektor ist für knapp drei Viertel des europäischen BIPs verantwortlich, der Industriesektor stellt nur rund 25 Prozent - insbesondere gilt dieses Verhältnis auch für das deutsche BIP. Wie schlagen sich also die Einkaufsmanagerindizes im Dienstleistungssektor? Hier stehen die Zeichen in der Eurozone im März 2019 mit 52,7 immer noch auf Wachstum, Deutschland weist einen Wert von 54,9 auf. Die Erwartungshaltung an die Auftragseingänge, die "Produktion von morgen", ist positiv, selbst das Unternehmen IHS Markit weist in seinem Bericht auf die fortgeführte Stärke des Dienstleistungssektors hin, als entscheidende Stütze für die europäische Wirtschaft. Robuste Zahlen, die in der aktuellen Diskussion allerdings tendenziell untergehen.



Gute Chancen auf Expansion

Zum einen ist es also um die Robustheit der Einkaufsmanagerindizes gut bestellt, zum anderen stehen auch die Chancen auf eine europäische Erholung im Industriebereich gar nicht so schlecht. Die schwache Nachfrage aus dem chinesischen Privatsektor, verursacht durch die harte Regulierung des chinesischen Schattenbanksystems seitens der Regierung, hat sicherlich eine signifikante Schwächung der europäischen Exportnationen erwirkt. Mit den umfangreichen Programmen der chinesischen Regierung zur Stimulierung der Wirtschaft kann sich die Nachfrage im chinesischen Privatsektor nach europäischen Exporten wieder schrittweise erholen. Auch die Schwäche im Automobilsektor, die maßgeblich zur Diskussion über eine "industrielle Rezession" beigetragen hat, deutet nicht auf einen permanenten Absturz hin. Neueste Berichte über Verkaufszahlen geben eher Hinweise auf eine Abschwächung des harten Gegenwinds.

Fazit

Europa vermeldet in 2019 weiterhin zahlreiche Problemzonen, sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene. Die allzu kritische Betrachtung der Einkaufsmanagerindizes ist jedoch ein schönes Beispiel dafür, dass die Realität weiterhin alle Chancen hat, die trübe Stimmungslage aufzuhellen. Aus Investorensicht bleibt Europa damit in 2019 hochgradig interessant.

von Thomas Grüner
1. April 2019 © Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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