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Kolumne

Grüner Fisher: "Krisen-Kurse sind Kauf-Kurse!"



Thomas Grüner warnt vor der psychologischen Anlegerfalle, teuer zu kaufen und billig zu verkaufen.
20. Januar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Volatilität ist der Grund, warum viele Anleger den Aktienmarkt aus Prinzip meiden. Dabei ist eine erhöhte Schwankungsbreite unweigerlich mit der Aktienanlage verbunden - und liefert gemäß dem natürlichen Marktmechanismus die Grundlagen für einen langfristig überlegenen Wertzuwachs. Gerade in kritischen Phasen neigen Anleger allerdings zu einer sehr einseitigen Interpretation der natürlichen Schwankungsbreite. Gerne wird Volatilität mit "Abwärtsrisiko" gleichgesetzt und als schädlicher Faktor für die langfristige Rendite identifiziert. Historische Daten widerlegen diese Sichtweise.

Eine theoretische Möglichkeit, dieser Schwankungsbreite zu begegnen - sie sogar auszunutzen - legt die Börsenweisheit "Buy low, sell high" nahe. Kaufe billig, verkaufe teuer. Ein simples und ebenso logisches Prinzip, das im Vergleich zur reinen Marktrendite sogar noch zusätzliche Chancen eröffnet. Aber schafft man das?

Den Spieß umdrehen

Das Grundproblem: Volatilität ruft bei den Anlegern emotionale Reaktionen hervor. Um das Prinzip "Buy low, sell high" in der Realität anzuwenden, müssen diese Emotionen ausgeblendet werden. Denn Anleger fühlen sich in Abwärtsphasen in der Regel nicht dazu aufgefordert, ihre Aktieninvestments auszuweiten. Genau das legt die Theorie allerdings nahe: Kaufe billig! Viel eher ruft nach unten gerichtete Volatilität Angst und Skepsis hervor. Die langfristige Strategie wird in Frage gestellt, der Wunsch nach "sicheren" Alternativanlagen entsteht. Zahlreiche Anleger neigen deshalb in unruhigen Phasen dazu, sich von ihren Aktieninvestments zu trennen. Das Resultat: Sell low!



In der Praxis werden Anleger eher in optimistischen Phasen zum Kauf animiert. Steigende Kurse rufen das nötige "Sicherheitsgefühl" hervor, das zu einer erhöhten Risikobereitschaft führen kann. Im laufenden Bullenmarkt waren diese Situationen bislang sehr spärlich gesät. Die Aufwärtsbewegung der letzten sieben Jahre wurde von einer gewissen Grundskepsis begleitet. In der Rückbetrachtung lässt sich jedenfalls feststellen, dass die Kauflaune der Anleger vor allem in signifikanten Zwischenhochs gesteigert wurde. Das Resultat: Buy high! Die in der Theorie simple Börsenweisheit kehrt sich in der Realität oftmals ins genaue Gegenteil.

Die Flut hebt nicht alle Boote

Insgesamt werden somit nicht nur die "zusätzlichen Chancen" wahrgenommen, auch die Marktrendite selbst gerät durch emotionsgesteuerten Aktionismus in Gefahr. Das Marktforschungsinstitut DALBAR vergleicht in seiner jährlichen Studie "Quantitative Analyse des Anlegerverhaltens" die Renditen der Aktien- und Anleihemärkte mit den Renditen, die Anleger durchschnittlich mit Investmentfonds in den letzten 20 Jahren erreicht haben. Die Studie 2015 zeigt, dass der typische Anleger seine Investmentfonds im Durchschnitt nur vier Jahre hält. Gerade im Bereich der Aktienanlage ein zu kurzer Zeitraum, um von der langfristigen Renditeüberlegenheit zu profitieren. Zwangsläufig erreichen Aktieninvestoren gemäß der Studie nur eine jährliche Durchschnittsrendite von 5,2 Prozent, während breit angelegte Aktienindizes einen Durchschnittswert von neun bis zehn Prozent pro Jahr erreichen. Renditenachteile durch psychologische Faktoren und fehlgeschlagene Timing-Versuche - die mangelhafte Durchführung des Prinzips "Buy low, sell high" zählt zweifelsohne dazu.

Fazit

"Buy low, sell high" ist ein theoretisches Erfolgsrezept, das in der Realität wenig Anwendung findet. Immer wieder macht der Markt zahlreichen Anlegern einen Strich durch die Rechnung und ruft emotionale Handlungen hervor. Der schwache Januar 2016 ist nicht die erste und nicht die letzte Episode dieser Art.

von: Grüner Fisher
© 20. Januar 2016 - Grüner Fischer

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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