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03.03.2016 08:09:32
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Kolumne

Grüner Fisher: "Politik, Marktstimmung und vermeintliche Sicherheit"



Grüner befasst sich in dieser Woche mit den Folgen des US-Wahlkampfs auf die Aktienmärkte.
3. März 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Als Donald Trump im Juni 2015 seine Präsidentschaftskandidatur verkünden ließ, wurde dies von den Medien erfreut aufgenommen. Trump würde polarisieren, das öffentliche Interesse auf sich ziehen und den Wahlkampf "aufmischen". Echte Chancen auf die US-Präsidentschaft? Gleich Null! Angesichts dieser Vorgeschichte dürften sich mittlerweile zahlreiche Medienvertreter, US-Bürger - und möglicherweise auch Donald Trump selbst - verwundert die Augen reiben: Trump führt das Feld der republikanischen Kandidaten im März 2016 mit deutlichem Vorsprung an!

In sieben von elf Bundesstaaten erringt Donald Trump am "Super Tuesday" den Sieg. Einen eindeutigen "Herausforderer Nummer Eins" gibt es zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Seine Widersacher Cruz, Rubio und Co. stellen bereits Überlegungen an, wie man die republikanischen Kräfte sinnvoll bündeln könnte - um Trump auf dem Weg zur Kandidatur für den 08. November mit vereinten Kräften zu stoppen.

Offene Fragen

Das immer noch unsichere Stimmungsbild verdeutlichen die aktuellen "Kopf-gegen-Kopf"-Umfragen, die für einzelne Kandidatenpaare zur Präsidentschaftswahl durchgeführt werden. Sanders würde gegen sämtliche Republikaner gewinnen. Clinton würde zwar gegen Trump gewinnen, gegen Cruz, Rubio und sogar Kasich allerdings verlieren. Clinton liegt jedoch gegen Sanders im demokratischen Rennen klar vorn! Trump würde gegen sämtliche Demokraten klar verlieren, Cruz und Rubio hätten weitaus bessere Chancen. Alles irrelevant, wenn es bei der aktuellen republikanischen Konstellation bleibt. Kurios: Die aussichtsreichsten Kandidaten für die Wahl im November sind somit diejenigen, die im innerparteilichen Rennen per heute schlechte Karten haben! Dieses Durcheinander sorgt heute noch für Unruhe, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten aber sukzessive auflösen.

Bis dahin werden sich die Wahlbeobachter mit vielen offenen Fragen beschäftigen müssen. Gelingt es den Demokraten, die dritte Legislaturperiode in Folge zu eröffnen? Letztmalig war es in der republikanischen Ära Reagan / Bush in den 1980er Jahren der Fall, dass eine Partei dreimal in Folge ins Weiße Haus einziehen konnte. Wird sich das Kandidatenfeld wie erwartet lichten oder werden neue Personen ins Rampenlicht rücken? Viele parteiverdrossene, liberal denkende Wähler würden eine Kandidatur von Michael Bloomberg nach wie vor begrüßen. Wie geht das weiter?

Auf der Suche nach Gewissheit

Anleger bevorzugen Gewissheit und fürchten die Unsicherheit. Variable Komponenten im Portfolio sind weitestgehend unerwünscht. Volatilität ist gefährlich, "sichere" Auszahlungen sind dagegen Trumpf. Sicher ist: Der US-Wahlkampf überschattet die Aktienmärkte in 2016. Zumindest solange sich der Wahlprozess noch in einem frühen Stadium befindet und von zahlreichen unkalkulierbaren Faktoren begleitet wird.

Diese Unsicherheit wird sich jedoch schrittweise abbauen. In absehbarer Zeit wird klar sein, welche beiden Kontrahenten sich bei der Wahl im November gegenüber stehen werden. Ist die Wahl vollzogen, wird sich schnell zeigen, wie viel "Wahlkämpfer" übrig bleibt und wie viel "Diplomat" der neue Präsident sein wird. Die Märkte werden dieses bunte Treiben in bewährter Art und Weise begleiten - vorausschauend. Wachsende Gewissheit hat am Aktienmarkt schon immer vor allem eins bedeutet: Höhere Preise.

Fazit

Gewinnt Donald Trump tatsächlich? Wie wirkt sich das auf die Börsen in 2016 aus? Wie immer gilt es, sich auf eine faktenorientierte Analyse zu konzentrieren. Wahljahre sind in der Regel stärker in der zweiten Jahreshälfte - entwickeln sich also positiv, wenn die Unsicherheit sukzessive aus den Märkten entweicht.

von: Thomas Grüner, Grüner Fisher
© 3. März 2016 - Grüner Fisher Investments

Über den Autor

Thomas Grüner ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 225. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 60 Milliarden US-Dollar.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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