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Kolumne

Grüner Fisher: "Unternehmensverschuldung im Fokus"



Grüner betrachtet die häufig kritisierte hohe Verschuldung deutscher und US-amerikanischer Unternehmen im bilanziellen Kontext - und möchte Entwarnung geben.
4. September 2018. FRANKFURT (Grüner Fisher). Zehn Jahre nach Lehman werden die Stabilität des Finanzsystems und die Nachhaltigkeit des Wirtschaftsaufschwungs wieder einmal in Frage gestellt. Die Tatsache, dass sich die Verschuldung der Unternehmen weltweit auf einem Rekordhoch befindet, sorgt dabei für heiße Diskussionen. Wie von offizieller Stelle zur Jahresmitte 2018 vermeldet wurde, belaufen sich die globalen Gesamtverbindlichkeiten der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors auf über 22 Billionen US-Dollar.

Die hohe absolute Verschuldung ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Ein entscheidender Faktor ist sicherlich das anhaltende globale Niedrigzinsumfeld. Unternehmen steuern ihre Liquidität nach rationalen Verhaltensmustern und machen sich die günstigen Kreditzinsen zu Nutze. Der strategische Anreiz ist hoch, günstiges Fremdkapital zur Zahlung von Dividenden und Aktienrückkaufprogrammen aufzunehmen. Durch die geschickte Wahl der Laufzeit des Schuldenportfolios können Unternehmen ähnlich wie Staaten noch über Jahrzehnte von einem niedrigen Schuldendienst profitieren.

Immer wenn man mit großen Zahlen umgehen muss, hilft es, diese in Relationen zu setzen und auf die tatsächlichen Auswirkungen hin zu untersuchen. Die anfangs erwähnten 22 Billionen US-Dollar wirken absolut betrachtet schwindelerregend hoch. Jedoch ist dies nur eine Seite der Bilanz. Auf der anderen Seite stehen die Vermögenswerte, die mit 44 Billionen US-Dollar ebenfalls einen Rekordwert erreicht haben.



Neben der bilanziellen Deckung der Schulden ist die wichtigste Frage, wie es um die Schuldentragfähigkeit der Unternehmen bestellt ist. Erwirtschaften die Unternehmen genug Gewinne, um die Kredite in ausreichendem und gesichertem Maß zu bedienen? Die Kennzahl, die bei der Bewertung dieses Zusammenhangs hilft, ist das Verhältnis von den Unternehmensgewinnen zum jährlichen Schuldendienst. Dieses Verhältnis bewegt sich sowohl in den USA als auch in Deutschland aktuell zwischen 6 und 7,2. Somit wird jährlich ein Vielfaches der anfallenden Zinsen von den Unternehmen erwirtschaftet.

Aktienrückkäufe sind profitabel

Im zweiten Quartal 2018 haben US-Unternehmen angekündigt, eigene Aktien in Höhe von 437 Milliarden US-Dollar zurückzukaufen. Mit Hilfe dieser Summe würden die Kurse ohne fundamentale Verbesserung "künstlich" nach oben getrieben, so die kritische Meinung vieler Marktbeobachter.

Um den Hintergrund besser zu verstehen, hilft eine fundamentale Betrachtung. Ein US-Unternehmen mit AA-Rating muss für einen Kredit zwischen sieben und zehn Jahren Laufzeit aktuell circa 3,6 Prozent bezahlen. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten Gewinne der nächsten zwölf Monate eines S&P 500-Unternehmens beträgt trotz Rekordstand des S&P 500 aktuell 17. Dreht man das Verhältnis um, so erhält man das Gewinn-Kurs-Verhältnis, also die Gewinnrendite. Diese beträgt 5,88 Prozent, somit eröffnen fremdfinanzierte Aktienrückkäufe für Unternehmen weiterhin die Möglichkeit, von dieser Differenz zu profitieren.

Fazit

Analysiert man die Situation der Unternehmensverschuldung genauer und lässt sich nicht durch die vermeintlich riesigen Zahlen blenden, so sieht die Situation weit weniger gefährlich aus, als es auf den ersten Blick scheint. Die Bilanzen der börsennotierten Unternehmen in den wichtigen Industrienationen befinden sich auf einem sehr gesunden Niveau und die Schulden sind durch Bilanzwerte auf Rekordniveau gedeckt. Achten Sie nicht nur auf absolute Verschuldung, sondern auf die Gesamtbilanz und vor allem die Schuldentragfähigkeit!

von Thomas Grüner
4. September 2018 © Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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