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26.04.2018 09:51:24
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Kolumne

Grüner Fisher: "Wenn der Bär kommt"



Grüner erklärt, warum auch das neunte Jahr Bullenmarkt nicht zwangsläufig dazu führt, dass sich die Märkte in einen Bärenmarkt bewegen.
26. April 2018. FRANKFURT (Grüner Fisher). Jeder Anleger an der Börse kennt ihn, hat ihn schon erlebt und nahezu jeder fürchtet ihn, den Bärenmarkt. Schließlich verspricht ein Aussparen desselbigen eine deutlich erhöhte langfristige Rendite. Warnungen vor Abwärtsphasen haben Konjunktur, garantieren sie doch eine erhöhte Popularität und Aufmerksamkeit des jeweiligen Crashpropheten. Gleichzeitig sind fundamentale Analysen entstehender Bärenmärkte meist Mangelware. Die Tatsache, dass wir uns im neunten Jahr des globalen Bullenmarktes befinden, scheint offenbar schon für ein erhöhtes Risiko auszureichen. Bärenmarkt ist jedoch nicht gleich Bärenmarkt. Gleichzeitig unterscheiden sich die Möglichkeiten, wie man diese Abwärtsphasen vermeidet. Zeit für einen genaueren Blick.

Der lokale Bärenmarkt

Die Tatsache, dass aktuell das neunte Jahr des globalen Bullenmarktes läuft, bedeutet nicht, dass wir in der gleichen Zeit nicht auch Bärenmärkte gesehen hätten. Vielleicht sind auch Sie einer dieser Anleger mit vielen europäischen Aktien, der den lokalen Bärenmarkt in Europa in den Jahren 2015 und 2016 in erhöhtem Maß mitgenommen hat, als der Euro Stoxx 50 von knapp 3700 Punkten im Juli 2015 auf unter 2730 Punkte im Juni 2016 fiel. Es wäre nicht ungewöhnlich, schließlich ist die Eigenschaft des "Home-Bias" weit verbreitet. Oder vielleicht waren Sie im September 2011 bei 1900 USD je Unze stark in Gold investiert und erlebten den Absturz auf unter 1100 USD hautnah. Immer wieder weisen wir darauf hin, dass starke Übergewichtungen aus Risikogesichtspunkten zu vermeiden sind. Denn Übergewichtungen erhöhen nicht einfach nur die Renditechancen, sondern verstärken das Risiko, von einem lokalen Bärenmarkt erfasst zu werden. Diversifikation hilft!

Ein Auszug unserer Analysen

Um globale Bärenmärkte zu vermeiden braucht es jedoch mehr. Der Bär tarnt sich in der Regel sehr gut und ist schwer zu erkennen. Trotzdem existieren Faktoren und Anhaltspunkte, die man im Blick haben sollte. Wussten Sie beispielsweise, dass noch nie eine globale Rezession eingetreten ist, wenn gleichzeitig der zukunftsorientierte Leading Economic Index (LEI) des Conference Boards ansteigend war? Stand heute: steigend. Oder dass Euphorie am Markt häufig mit chinesischen IPO-Renditen am ersten Tag von über 75 Prozent einhergeht? Aktuell: Circa 5,4 Prozent in den letzten drei Monaten. Wussten Sie, dass zum Stand des 18.04.2018 circa 17,1 Prozent der Gelder und damit circa 12,8 Billionen USD am Markt sich in Liquidität oder geldähnlichen Produkten befinden. Kapital, welches der Inflation unterliegt und irgendwann renditeträchtig angelegt werden möchte. Kennen Sie die 2 Prozent-Regel, die 3-Monatsregel, die 18-Monatsregel und die 2/3-1/3 Regel? Falls nicht, beschäftigen Sie sich mit diesen fundamentalen Themen, welche Ihnen einen deutlich besseren Einblick in die Materie liefern, als das mediale Getöse!



Fazit

Vermeiden Sie übermäßige Risiken in Ihrem Depot aufgrund von Gier oder Angst. Gleichzeitig sollten Sie bei Prognosen von Crashpropheten immer wieder das Fundament hinterfragen. Tiefgründige Analysen erfordern Aufwand und eine tiefe Kenntnis der Materie - populistische Warnungen hingegen nur ein lautes Organ oder einen bekannten Namen. Auch die Auftrittshäufigkeit sollte man nicht vergessen: Korrekturen sind ein ständig auftretendes Phänomen, lokale Bärenmärkte schon seltener und auf globaler Ebene extrem selten. Bewegen Sie sich in die analytische Tiefe. Das wird Ihre Chancen steigern, zumindest einen Teil langfristiger Abwärtsphasen aus Ihrem Depot auszusparen.

von Thomas Grüner
26. April 2018 © Grüner Fisher

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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