Bitte warten...

18.01.2019 10:11:37
A A | Drucken
Kolumne

Halvers Kolumne: "In der Brexit-Frage wird es erst jetzt richtig spannend"



Halver spielt die möglichen Szenarien für die weiteren Ereignisse in Großbritannien durch.
18. Januar 2019. MÜNCHEN (Baader Bank). Wie erwartet hat das britische Parlament - allerdings mit brutaler Mehrheit - den Brexit-Deal zwischen der Insel und der EU abgeschmettert.

Zum schlimmsten, zum "May Day", muss es dennoch nicht kommen. Das Parlament will keinen Brexit ohne Austrittsabkommen mit der EU. Victorianischen Nationalstolz bis in den Wirtschafts-Tod zu betreiben, will man dann doch nicht. Den Abgeordneten ist sehr bewusst, dass ihre Insel ansonsten in einer global vernetzten Welt untergeht. Allein mit Souvenirs der königlichen Familie oder Butterkeksen und Tee lässt sich der britische Wohlstand definitiv nicht halten.

"Nichts ist unmöglich" gilt nicht nur für eine Automarke

Jetzt, da Premierministerin May das Misstrauensvotum als Eiserne Lady überstanden hat, muss sie bis Montag, 21. Januar einen Plan B vorlegen. Hierzu wird sie mit der Opposition zusammenarbeiten müssen. Im Dschungelcamp des britischen Parlaments wird die Regierung May einige Kröten schlucken müssen. Aber von der englischen Küche sind sie ja ohnehin nicht verwöhnt. Zum jetzigen Zeitpunkt am einfachsten wäre es, dass London gemäß Art. 50 des Vertrags über die Europäische Union den Scheidungstermin nach hinten verschiebt. Hierzu kursieren bereits Gerüchte über einige Monate bis zum Jahr 2020, um einen chaotischen Brexit mit (wirtschafts-) politischen Kollateralschäden auf beiden Seiten des Ärmelkanals zu verhindern, der auch den Grundfesten des Europäischen Gemeinschaftswerks harte Hammerschläge verpassen würde. Dann käme es jedoch zu einer Überschneidung mit der Europawahl 2019. Es gilt, dass ein Staat, der zum Zeitpunkt der Wahl Mitglied der EU ist, am Urnengang teilnimmt. Abgesehen von der völligen Überforderung, so kurzfristig noch eine Wahl in Großbritannien zu organisieren, wäre es absurd, wenn ein Staat, der über einen EU-Austritt verhandelt, Abgeordnete ins Europa-Parlament wählt, einen EU-Kommissarsposten erhält und sogar noch den Kommissionspräsidenten mitbestimmt.

Doch sind die europäischen Statuten schon so oft gemäß dem Motto "Nichts ist unmöglich" in die politisch richtige Richtung zwangsgebeugt worden, dass man auch hier eine praktikable Lösung finden könnte.

Allerdings wird die EU einer Verlängerung des Scheidungstermins über den 29. März hinaus nur unter Bedingungen zustimmen. Die Orientierung der zukünftigen britischen Handelspolitik an EU-Regeln muss ebenso festgemauert werden wie die Verhinderung einer physischen Grenze zwischen Irland und Nordirland. Und das ist auch vollkommen richtig. Ansonsten macht sich die EU zum Deppen.

"Ansonsten macht sich die EU zum Deppen."
weiter
 


Letzte Ausfahrt neues Referendum?

Aufgrund der schlimmsten parlamentarischen Niederlage einer Regierung seit Wilhelm 1066 England erobert hat, ist der politische Druck so groß, dass man die Brexit-Frage an die Wähler in Form von Neuwahlen oder sogar einem zweiten Referendum zurückgeben sollte. Daran hat Frau May zwar kein Interesse, da dann ihr Brexit-Lebenswerk gescheitert ist. Doch nach ihrem dann wenig bedauerlichen Rückzug würden neue politische Köpfe mindestens Platz für einen Verbleib der Briten in der Zollunion machen.

Es könnte sogar eine neue Volksabstimmung mit der Begründung angesetzt werden, das britische Volk möge über die seit der ersten Abstimmung am 23. Juni 2016 deutlich geänderte Gemengelage neu befinden. Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, dass ich mir genau das mit einem anderen pro-europäischen Ergebnis wünsche.

Natürlich hätte ein erneutes Referendum mit anderem Ausgang ein Geschmäckle. Die Brexit-Anhänger fühlen sich mit Blick auf das Ergebnis des ersten Votums massiv getäuscht. Einen Tod muss Großbritannien jedoch sterben. Entweder sie leben demnächst in einem verarmten Little Empire oder auf deutlich höherem Wohlstandsniveau in einem vereinten Europa.

"Einen Tod muss Großbritannien jedoch sterben."
weiter
 


Wer in den Abgrund schaut, wird den Brexit mit rationaleren Augen betrachten

Hier spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Je mehr sich die wirtschaftliche Unsicherheit im Vereinigten Königreich mit nachgebenden Immobilien- und Wertpapierpreisen, weniger Unternehmensinvestitionen, mehr Arbeitslosen bei steigender Inflation für Güter des alltäglichen Gebrauchs - wenn sie überhaupt ausreichend zur Verfügung stehen - zeigt, umso mehr wird der Otto Normal-Brite spüren, dass die gesamte Austrittsidee eine masochistische, Wohlstand fressende Schwachsinns-Idee ist. Annehmlichkeiten vermisst man immer dann am meisten, wenn man sie nicht mehr hat. Dass es den Briten außerhalb des gemeinsamen Wirtschaftsraums bessergeht, ist eine so unverschämte, ja asoziale Lüge des Brexit-Lagers, die sich selbst Pinocchio nie getraut hätte.

Jetzt wartet Europa auf die neuen Vorschläge von Frau May. An den Finanzmärkten ist Gelassenheit zu beobachten. Dort wird nicht von einem ungeregelten EU-Austritt der Briten ausgegangen. Man hat den Glauben an die typische wirtschaftliche Vernunft im Inselstaat noch nicht aufgegeben. Noch ist man nicht bereit, den Rinderwahn zu akzeptieren.

Britischer Vogel, friss oder stirb

Aber, aber, aber, sollten die Briten schließlich doch unkontrolliert austreten, kann und soll man Reisende nicht aufhalten. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Irgendwann, wenn sie ihren fatalen Fehler eingesehen haben, können sie ja wieder beitreten, allerdings zu den Bedingungen der EU. Die Zeit für britische Extra-Würstchen auf dem europäischen Frühstücks-Büffet ist vorbei.

Die Börsen wären von einem No Deal-Brexit sicher not amused. Aber nach ein paar wilden Tagen an der Börse wird man sich auch daran gewöhnt haben. Mit Blick auf die Hornhaut an meinen Aktienfingern halten wir auch das noch aus.

"Die Börsen wären von einem No Deal-Brexit sicher not amused."
weiter
 


Viel wichtiger ist, was beim Thema Handelskrieg zwischen Amerika und China passiert. Hier wird jede Entspannung die Dunkelheit eines Chaos-Brexit weit überstrahlen.

von Robert Halver
18. Januar 2019, © Baader Bank

Über den Autor

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Über den Autor

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Anmeldung notwendig

Benutzername oder E-Mail:
Passwort:

Um diese Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Falls Sie noch kein Benutzerkonto bei boerse-frankfurt.de besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Eintrag hinzufügen

Weitere Artikel dieses Kolumnisten

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.