Bitte warten...

09.03.2018 13:46:15
A A | Drucken
Kolumne

Halvers Woche: "Bei einem Handelskrieg wird Deutschlands Exportstärke zu seiner größten Achillesferse"



Halver befasst sich intensiv mit der aktuellen Handelspolitik der USA und die Möglichkeiten Deutschlands, darauf zu reagieren.
9. März 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Der handelsprotektionistische Hammer kreist wieder und der Hammerwerfer heißt Donald Trump. Unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit kann er leider souverän Strafzölle erheben oder diese erhöhen. Und so will er Importzölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium einführen.

Trumps Zollstrafen sind zunächst der US-Innenpolitik geschuldet. Im November 2018 finden die nächsten Kongresswahlen statt. Nach diversen Affären ist der amerikanische Präsident derzeit so unbeliebt wie eine Maus im Feinschmeckerrestaurant. Die Demokraten könnten Trumps Republikanern durchaus die Mehrheit wegnehmen. Also muss Trump bei seinen Stammwählern als Rambo, als Verteidiger der US-Handelsinteressen punkten.

"Trump als Schutzpatron amerikanischer Handelsinteressen."
 

Allerdings glaubt Trump tatsächlich daran, dass Handelskriege zu gewinnen sind: Was Amerika nicht importiert, produziert es selbst und stärkt so seinen eigenen Wirtschaftsstandort. Dass dann jedoch die internationale Arbeitsteilung - jeder macht das, was man am besten kann - schrumpft, was zu deutlichen Einbußen bei den global erfolgreichen US-Konzernen, ihren Beschäftigten und natürlich ihren Aktienkurse führt, wird verschwiegen. Der Zusammenbruch der hoch optimierten, globalen Lieferketten könnte sogar stillstehende Laufbänder in der US-Industrie bedeuten.

"Von internationaler Arbeitsteilung profitiert auch Trumps Amerika."
 

Der Glaube an den Freihandel ist nirgendwo auf der Welt wirklich fest

Sicherlich sind andere Exportnationen auch keine Heiligen des Freihandels. China sieht sich zwar gerne als Verteidiger des freien Welthandels. Doch genauer betrachtet subventioniert Peking die Preise seines Exportstahls und -aluminiums dermaßen, dass die Konkurrenz in den USA und der EU kaum Überlebenschancen hat.

Und Pharisäertum im internationalen Freihandel gibt es auch in der EU. Während Europa auf in die USA ausgeführte PKWs nur 2,5 Prozent Zoll zahlt, führen US-Autoexporteure in die andere Atlantik-Richtung 10 Prozent ab. Und während Amerika für fast 48 Prozent seiner Importe außerhalb der Landwirtschaft keinen Cent Zoll verlangt, gewährt die EU Zollbefreiung nur für etwa ein Viertel der US-Importe. Europa ist also protektionistischer als Amerika. Diese Sonderbehandlung der Amerikaner Europa gegenüber rührt teilweise noch aus der Zeit des Kalten Kriegs, als Europa als Bollwerk gegen den bösen Sowjet-Iwan gestützt werden sollte.

"Pharisäertum im internationalen Freihandel."
 
Natürlich sollte sich Europa nicht wie ein Ochse von den USA durch die Außenhandelsmanege führen lassen und als Antwort auf Stahl- und Aluminiumzölle durchaus Importzölle auf Harleys, Feuerwasser, Jeans, meinetwegen auch auf Pampers und Mars, Snickers und Milky Way verhängen. Das wäre aber noch kein Handelsstreit, sondern eher Handelsfolklore.

Einen Handelskrieg gegen die USA kann Deutschland nicht gewinnen

Danach aber würde die Eskalation beginnen. Ein gegenseitiges Hochschaukeln von Handelsbarrieren verursacht zwar Schmerzen auf allen Seiten, allerdings in den USA aufgrund seiner im Vergleich größeren Binnenkonjunktur deutlich weniger als in Deutschland. Wir sind exportlastig, noch viel stärker als Frankreich und Italien. Ein paar Fakten: Amerika ist für deutsche Autobauer nach der EU der zweitbedeutendste Absatzmarkt. Daimler, BMW und VW haben 2017 mehr Autos in die USA ausgeführt als nach China. Und dabei habe ich andere deutsche Vorzeigebranchen mit starker US-Präsenz wie Maschinenbau, Elektro und Chemie noch gar nicht genannt.

"Export-Deutschland sitzt in der Handelsfalle."
 


Richtig fatal wäre es, wenn Trumps Protektionismus nicht nur auf Länder oder Wirtschaftsräume wie die EU, sondern ebenso auf die Unternehmensseite abzielt. Wie im Mittelalter bei der katholischen Kirche käme es dann wieder zu einem Ablasshandel, mit dem man sich von Sünden freikaufen kann. Exportstarken deutschen Unternehmen würden ihre "amerikanischen Ausfuhrsünden" vergeben, wenn sie diese in Form von gehörigen Investitionen und Arbeitsplatzaufbau in den USA sühnen. Und wer so in Amerika Buße tut, wird auch nicht mehr vom obersten Handelsinquisitor Trump bestraft. Wo kein Richter, da kein Henker.

"Ablasshandel zum Freikauf von Exportsünden."
 
Der Pandabär ist nicht nur süß und freundlich

Wenn Europa als von den USA verschmähte Handelsgeliebte jetzt von China hofiert wird, sollte es die wahren Absichten dieses neuen jugendlichen Liebhabers erkennen. Er ist ein Mitgiftjäger. Er gewährt intensive Handels-Liebesbeziehungen z.B. nur bei deutscher Einwilligung zu umfangreichen Investitionen Chinas in unsere Industrie- und Technologieperlen. Auch die Beteiligung eines chinesischen Investors mit 10 Prozent an Daimler mit Aufsichtsratsposten entspricht dieser vernunftehelichen Logik. Das sind keine Portfolioinvestitionen, sondern strategische Zukäufe. Es werden deutsche Abhängigkeiten von China geschaffen: Nur wenn wir bei euch rein dürfen, könnt ihr bei uns weiter mitmachen. Zusätzlich könnte China versuchen, seine in Amerika verpönte Stahl- und Aluminium-Billigware alternativ bei uns zu entsorgen. Deutschland wäre für China in der Tat eine gute Partie. Doch nirgendwo steht geschrieben, dass wir "Ja" sagen müssen.

"Deutschland wäre für China eine gute Partie."
 

Gegen kalten (Handels-)Krieg hilft friedliche Koexistenz

Mit eiskaltem Realismus ist vor allem das politische Berlin angehalten, einen exportpolitischen Totalschaden zu verhindern. Es muss das erste Meisterstück der neuen GroKo sein, die europäischen Polit-Krawallköpfe, die jetzt massive Handelsvergeltung üben wollen, zurückzupfeifen. Trump sollte nicht gereizt werden wie ein Stier mit einem roten Tuch. Im Extremfall treten die USA nach dem Klimaabkommen auch noch aus der Welthandelsorganisation aus. Dann wird Trump auch noch Zölle auf Schwarzwälder Kuckucksuhren und bayerische Bierkrüge erheben.

Herr Trump erinnert mich an meinen früheren Erdkundelehrer, ein Choleriker vor dem Herrn. Damals mussten meine Mitschüler und ich immer sehr diplomatisch agieren, um ihn zu besänftigen. So muss es Brüssel und Berlin auch bei Trump tun. Zum Abbau von Handelshemmnissen könnte die EU die Zölle für amerikanische Güter auf das gleiche Niveau senken wie umgekehrt. Das nähme der Trump-Administration viel handelsprotektionistische Munition.

Erst Recht nach dem Rücktritt des obersten Wirtschaftsberaters Trumps - Gary Cohn als Freihandelsapostel - muss alles getan werden, um einen Rückfall in die nationalökonomische Steinzeit zu verhindern. Doch wird uns das Thema Handelsprotektionismus an den Finanzmärkten wohl noch bis zur Kongresswahl begleiten. Solange wird Zocker Trump die Nerven der Exportländer weiter strapazieren. Anschließend möge das Thema Handelsprotektionismus weniger heiß gegessen werden als es im Augenblick von Trump gekocht wird.

"Einen Rückfall in die nationalökonomische Steinzeit verhindern."
 

Europa muss endlich (wirtschafts-)politisch erwachsen werden

Aber auch ein Plan B wäre für Europa und Deutschland wichtig. Um dem deutschen Exportüberschuss entgegenzuwirken, wären erstens massive staatliche Infrastrukturinvestitionen in die heimische volkswirtschaftliche Substanz, in Straßen, Brücken, Energie- und Breitbandnetze und viel Bildung geeignete Maßnahmen. Gegen den international kalten Handels-Krieger Trump braucht man mehr nationale Nestwärme: Ist es draußen kühl und nass, macht es auch zu Hause Spaß.

Zweitens sollte sich Europa über Reformen wirtschaftlich so attraktiv machen, dass Unternehmen auf unserem Kontinent ähnlich festgehalten werden wie ein Gebiss von Haftcreme. Hier allerdings lässt meine Zuversicht nach dem Wahlergebnis in Italien schon deutlich nach. Unklare politische Verhältnisse in Rom deuten nicht auf Aufbruch, sondern auf Weiter so!

Und drittens müsste sich Europa zusammenrotten, ein geopolitisches Gegengewicht zu Amerika und China bilden, damit man mit uns nicht den Molli machen kann. Es ist nicht Gott gewollt, dass Europa als Stück Parmesan zwischen der amerikanischen und chinesischen Käsereibe endet.

Ist Europa dazu in der Lage? Na ja, ich habe meine Wünsche und Hoffnungen ja nicht umsonst im Konjunktiv formuliert.

"Europa darf nicht als Stück Parmesan zwischen der amerikanischen und chinesischen Käsereibe enden."
 


von Rolver Halver. 9. März 2018, © Baader Bank

Über den Autor

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Anmeldung notwendig

Benutzername oder E-Mail:
Passwort:

Um diese Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Falls Sie noch kein Benutzerkonto bei boerse-frankfurt.de besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Eintrag hinzufügen

Weitere Artikel dieses Kolumnisten

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.