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15.01.2016 11:58:50
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Kolumne

Halvers Woche: "Kapitalmarktjahr 2016: Lieber ein Jahresauftakt mit Schrecken als Schrecken ohne Ende im ganzen Kapitalmarktjahr 2016"



Halver blickt auf die Weltkonjunktur und fordert die Notenbanken zu weitsichtigem, globalen Verhalten auf.
15. Januar 2016. MÜNCHEN (Baader Bank). Es hat wohl schon freundlichere Jahresauftakte an den Aktienmärkten gegeben. Kein Wunder, es gibt ja auch eine Inflation an Krisen. Der Westen hat Streit mit Väterchen Frost Putin. Die USA haben die Zinswende eingeleitet. Die schwachen Öl- und Metallpreise haben die Kaufkraft der Rohstoffländer dramatisch einbrechen lassen wie die Stimmung beim unerwarteten Besuch der Schwiegermutter am Wochenende. China ist nicht mehr der einzigartige Jungbrunnen für die Weltkonjunktur. Und mittlerweile ist auch Terror eine latente Gefahr.

Ist Europa mehr als ein überdimensionierter Förderverein zur Rettung maroder Länder und Banken?

Zudem erlaubt sich Europa eine handfeste Strukturkrise. Die Werte- und Stabilitätsunion ist außerhalb von geschönten Sonntagsreden ein Auslaufmodell. Das zeigt die unsolidarische Bewältigung der Flüchtlingskrise und Griechenland, das trotz ausbleibender Reformpolitik dennoch üppige Hilfsgelder erhält. Regiert der Egoismus auf Länderebene weiter und werden EU-Bürger durch stinkend reformfaule Politiker perspektivisch nachhaltig desillusioniert, könnte Europa für alles Negative schuldig gemacht und der Drang nach Renationalisierung größer werden. Dabei könnte sich der Austritt der großen Briten aus der EU als Menetekel - Europa-kritische Bewegungen sind auch z.B. in Polen zu beobachten - sozusagen als erster umfallender Dominostein erweisen.



Um den Bedeutungsverlust der englischen Küche mag es dann vielleicht nicht schade sein. Aber fatal wäre es, wenn das Vereinigte Königreich, das für Marktwirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit steht, Deutschland mit den staatswirtschaftlichen Gesundbetern der EU im Stich ließe. Siechte Europa dann politisch noch weiter, verlöre es auch an wirtschaftlicher Lebenskraft. An dieser Stelle darf erwähnt werden, dass sich aktuell auch Deutschland nicht mit Reform-Ruhm bekleckert, im Gegenteil. Wie konnte einer früheren kleinen Koalition ein Reform-Quantensprung gelingen, wenn die GroKo den Hintern nicht hoch bekommt?

Vor diesem reform-immobilen Hintergrund müsste die EZB mit der Muffe gepufft sein, wenn sie zins- und liquiditätspolitisch nicht jede neue Schulden-, Banken- oder Konjunkturkrise vorbeugend bekämpft, um die Gefahr einer systemischen Euro-Sklerose zu verhindern. Aktien in Europa profitieren also von dieser Pattex-Funktion der EZB, daneben aber auch von einem niedrigzinsbedingt fallenden Euro und günstigen Ölpreisen. Vor allem konjunktursensitiven Industriewerten kommt diese Entwicklung zugute.

Übrigens, angesichts der im Vergleich verhaltenen und inflationsarmen Weltkonjunktur wird die US-Notenbank eine lammfromme Zinserhöhungspolitik betreiben müssen. Und wenn es national, aber vor allem international hart auf hart kommen sollte, wird Frau Yellen sich als besonders verständnisvolle Hüterin ihrer schutzbefohlenen nationalen und internationalen Schäfchen zeigen und den US-Zinserhöhungszyklus komplett beenden.

"Europa ist in der schlimmsten Krise seit Kriegsende"
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China steht heute dort, wo die USA 2008 standen

Dass China nicht mehr das frühere wirtschaftliche Wunderkind ist, ist nichts Neues, das weiß man seit fast zwei Jahren. Aber erst durch den kürzlichen Markteinbruch am chinesischen Aktienmarkt wurde diese Einschätzung vielen Anlegern bewusst. Mit Blick auf die gewaltigen Devisenreserven ist China aber immer noch ein stabiles Land. Und dennoch, China steht heute dort, wo die USA am Vorabend der Lehman-Pleite standen. Jetzt stellt sich der KP in Peking eine ganz einfache Frage: Will man die chinesischen Blasen bei Krediten, Schattenbanken und am Finanzmarkt platzen lassen wie damals in Amerika oder präventiv die Kavallerie, die Geldpolitik einsetzten. Natürlich wird Peking im Rahmen seines neuen 5-Jahres-Plans ein Feuerwerk an schulden- und geldpolitischen Stabilitätssünden zur Stützung von Wirtschaft und Aktienmarkt abbrennen. Zur Not kauft Chinas Zentralbank auch noch den letzten Kreditdreck auf, um wirtschaftspolitisches Ungemach und soziale Unruhen zu vermeiden. Damit ist China in der schnöden Realität angeschlagener Industrieländer angekommen, wo man den nachlassenden volkswirtschaftlichen Steherqualitäten auf die Sprünge helfen muss. Auch in China heißt der volkswirtschaftliche Leitspruch mittlerweile: Für jeden kommt einmal die Stunde der Wahrheit und dann heißt es Geld drucken, Geld drucken, Geld drucken.

Die Anrainer- und Exportstaaten sind für diese künstliche Befruchtung sehr dankbar, denn kippt das Land der Mitte, kippen danach die anderen Schwellenländer und dann die westlichen Industrieländer. Ein dagegen wiedererstarkendes China wird sich wie eine wohltuende Streicheleinheit für die geschundenen Aktienseelen weltweit auswirken.

"China ist in der schnöden Realität angeschlagener Industrieländer angekommen"
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Volatilität hat auch ihre Vorteile

Die krisenbedingt grundsätzlich zunehmende Kursschwankungsbreite schreit nach regelmäßigen Aktienansparplänen für die Altersvorsorge. Im Einkauf liegt der Gewinn: Bei zwischenzeitlich fallenden Kursen erhält man bei gleicher Anlagesumme mehr Aktienanteil. Nicht zuletzt dienen Dividenden 2016 als Ersatzbefriedigung für die Zins-Diät. Ausschüttungsstarke Aktien sind ohnehin ein Risikopuffer gegen Kursverluste.

Bei den zurzeit inflationär aus den Boden schießenden Crash-Propheten, vor allem den Bücher schreibenden, sollten sie Vorsicht walten lassen. Bleiben Sie Ihren Aktienansparplänen treu!

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

© 15. Januar 2016, Baader Bank

Über den Autor

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

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