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02.12.2015 16:07:52
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Kolumne

Markstimmung: "Vorweihnachtliche Shopping Tour"



Als "Kaufrausch" interpretiert Joachim Goldberg den hohen Optimismus und bewertet ihn als brandgefährlich für den Markt.
Zusammenfassung

2. Dezember 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Erwartungen an den Ausgang der morgigen Sitzung der Europäischen Zentralbank sind hoch gesteckt. Und es mag durchaus Kommentatoren geben, die den EZB-Präsidenten Mario Draghi mit einem Nikolaus oder Weihnachtsmann gleichsetzen, der bereits weit vor dem Fest seine geldpolitischen Geschenke verteilen möchte. Sei es, dass der ohnehin schon negative Einlagenzins nochmals gesenkt oder das quantitative Lockerungsprogramm zeitlich verlängert und/oder hinsichtlich seines Volumens deutlich vergrößert wird. Aber wie bei jedem guten Weihnachtsfest ist es nicht der Wunschzettel, der das Maß der Dinge darstellt, es sind vielmehr die zusätzlichen Überraschungsgeschenke, mit denen man mehr schlecht als recht den Geschmack der Lieben zu treffen versucht.

Positive Überraschungen hat der EZB-Präsident in der Vergangenheit allerdings oft schon im Gepäck gehabt. Mit Blick auf die institutionellen Akteure mit mittelfristigem Handelshorizont unserer Umfrage mag die Erfüllung der hochgesteckten Erwartungen eine Art Wunschzettel darstellen, dessen Bestandteile zwar bereits mental abgehakt sind.

Aber die heutige Stimmungserhebung verdeutlicht einmal mehr, dass man vielerorts eben auf ein derartiges Zusatzgeschenk hofft. Denn der Optimismus hat sich gegenüber der Vorwoche um 11 Punkte auf einen Wert von +46 Punkte und damit auf den zweithöchsten Stand des Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Jahr katapultiert. Fast hat es den Anschein einer hektischen vorweihnachtlichen Shopping Tour der Anleger, als ob es demnächst keine deutschen Aktien mehr zu kaufen gäbe. Denn der Zuwachs bei den Optimisten speist sich in erster Linie aus vormals neutral eingestellten Akteuren, die zuletzt vermutlich vergebens auf ein richtig gutes Schnäppchen gehofft hatten. Gegenüber der Vorwoche stellen wir nämlich einen Wertzuwachs des DAX von 2,7 Prozent in der Punktbetrachtung fest, ohne dass es seit der vergangenen Sentiment-Erhebung zu wesentlich günstigeren Einstiegskursen gekommen wäre.


Privatanleger ziehen mit

Auch die Privatanleger scheinen sich noch einmal ordentlich mit Aktien eingedeckt zu haben, wobei der Börse Frankfurt Sentiment-Index mit einem Wert von +46 Punkten immerhin um 10 Punkte zulegen, das Rekordhoch von vor 14 Tagen dennoch nicht annähernd erreichen konnte. Allerdings geht der Zuwachs in der Gruppe der Optimisten gleichmäßiger zulasten vormals neutral und bearish eingestellter Akteure.

Mit der heutigen Stimmungserhebung ist der Optimismus der institutionellen und privaten Anleger gleich hoch und liegt in der Summe sogar auf dem höchsten Stand dieses Jahres. Damit wird nicht nur eine hohe Erwartungshaltung hinsichtlich der morgigen Sitzung der EZB deutlich, sondern auch ein zweifaches Risiko.

Zum einen könnte Mario Draghi das vorweihnachtliche Überraschungsgeschenk ausfallen lassen. Zum anderen dürfte das ein oder andere Engagement nach dem Motto "buy the rumour, sell the fact" nach der "Bescherung" glattgestellt werden und so für Druck auf das Börsenbarometer sorgen.

Dieser Druck dürfte umso höher ausfallen, desto weniger die hochgesteckten Erwartungen der Akteure erfüllt werden. Mehr noch fehlt mit der heutigen Stimmungserhebung stärkere heimische Nachfrage im Falle eines Rücksetzers. Das einzig Positive, das größeren Abgaben im DAX entgegenstehen könnte, ist die Tatsache, dass es für die dabei frei gewordene Liquidität derzeit mittel- bis langfristig nicht allzu viele überzeugende Anlagealternativen geben dürfte.

von Joachim Goldberg, Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
© 2. Dezember 2015.

[1] Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.



Börse Frankfurt Sentiment-Index



Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total65%19%16%
ggü. letzter Erhebung+9%-2%-7%

DAX (Dax-Veränderung zur letzter Woche): 11.260 Punkte (+91 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +46 Punkte (Stand letzte Woche:+35 Punkte)



DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total64%18%18%
ggü. letzter Erhebung+7%-3%-4%

DAX (Dax-Veränderung zur letzter Woche): 11.260 (+91 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +46 Punkte (Stand letzte Woche +34 Punkte)

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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