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14.06.2017 11:01:13
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Kolumne

Marktstimmung: "Alles gut!"



Sorglosigkeit macht sich scheinbar bei Anlegern breit. Fraglich, ob dies nur ein Hemmschuh oder sogar eine Gefährdung für deutsche Aktienpreise darstellt.
Zusammenfassung

14. Juni 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Großbritannien hat gewählt, Frankreich hat gewählt, Soft-Brexit, Erdrutschsieg für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron - all dies sind offenbar mit einem Mal gute Gründe, sich nun bedenkenlos im DAX zu engagieren. Und die heute zu Ende gehende Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), normalerweise ein ernstzunehmendes Ereignisrisiko? Eine Erhöhung des Leitzins-Korridors um 25 Basispunkte ist mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent eingepreist - alles gut! Zumindest müssen sich dies die von uns allwöchentlich befragten institutionellen Investoren gedacht haben, die ihre Skepsis aus der Vorwoche deutlich abgelegt haben. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index zeigt zum ersten Mal seit sechs Wochen wieder Optimismus - er ist um satte 21 Punkte auf einen Stand von nunmehr +8 gestiegen.

Dabei haben nicht nur ehemalige Bären das Handtuch geworfen, sondern der Zuwachs im Bullenlager von 12 Prozent aller Befragten besteht auch zu einem Viertel aus vormals neutral eingestellten Akteuren. Dieser Umschwung so kurz vor dem Allzeithoch ist insofern bemerkenswert, als gerade in einem sich langsam entwickelnden Umfeld die Marktteilnehmer an solchen Referenzpunkten gerne eher als Abgeber von Wertpapieren zeigen. Also müssen die Argumente für die jüngsten Aktien-Engagements schon schwerwiegend gewesen sein. Zumindest zeigt der DAX im Rahmen seines überschaubaren Anstiegs von 1,1 Prozent im Wochenvergleich keine Anzeichen einer unkontrollierten, panikartigen Shortsqueeze.

In diesen Tenor stimmt auch die jüngste BofA-Merrill Lynch Umfrage bei internationalen Fondsmanagern ein, die zwar mit einer Mehrheit von netto 44 Prozent der Befragten (höchster Wert seit Bestehen der Umfrage) Dividendentitel im allgemeinen und US-Aktien im Besonderen (84 Prozent!) für überbewertet halten, es aber vielfach (netto 39 Prozent der Investoren) nicht für nötig erachten, sich gegen etwaige Kursverluste abzusichern. Besonders beliebt bleiben Aktien der Eurozone, deren Übergewichtung bei den Fondsmanagern gegenüber dem Vormonat minimal abgenommen hat - 58 Prozent gaben per Saldo an, dort in Aktien übergewichtet zu sein.

Stockende Kapitalzuflüsse aus dem Ausland

Auch bei den Privatanlegern hat ein Umdenken stattgefunden. Weil sich in dieser Gruppe jedoch etwa die Hälfte der ehemaligen Pessimisten nicht direkt auf die Seite der Optimisten geschlagen haben, ist der Anstieg des Börse Frankfurt Sentiment-Index hier vergleichsweise moderat ausgefallen. Wir verzeichnen eine Zunahme des Börse Frankfurt Sentiment-Index um 10 Punkte auf einen Stand von -2 Punkten.

Vor allen Dingen bei den institutionellen Marktteilnehmern unserer Befragung scheint sich nunmehr eine gewisse Sorglosigkeit breit zu machen. Dazu passt auch die Einschätzung vieler Akteure, dass den Aktienmärkten womöglich - gerade angesichts einer am VDAX-New gemessenen extrem niedrigen Volatilität - ein ruhiger Sommer bevorsteht. Vieles spricht dafür, dass der jüngste leichte Anstieg des DAX überwiegend auf heimische Aktivitäten zurückzuführen ist, während ausländisches Kapital sich mit weiteren Engagements anscheinend zuletzt eher zurückgehalten hat. Zumindest ist oben genannte Umfrage ein Indiz dafür, dass die Engagements ausländischer Investoren in hiesigen Aktien zwar relativ hoch sein mögen, aber während der vergangenen Wochen erwartungsgemäß nicht mehr zugenommen haben.

Letztlich ist die Stimmung nun als optimistisch und vergleichsweise sorglos zu bezeichnen. Zumal sich die alte Regel: "ruhiger Markt - geringes Risiko" für viele (möglicherweise vermeintlich) zu bewahrheiten scheint. Kurzum: Die Stimmungslage ist für den DAX nicht mehr so günstig wie zuvor, aber keinesfalls lässt sie sich zu diesem Zeitpunkt als euphorisch oder gar irrational bezeichnen.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Die Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt.

Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.



Börse Frankfurt Sentiment-Index





Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total42%34%24%
ggü. letzter Erhebung+12%-9%-3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.820 (+140 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +8 Punkte (Stand Vorwoche: -13 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum





Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total38%40%22%
ggü. letzter Erhebung+3%-7%+4%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.820 (+140 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: -2 Punkte (Stand Vorwoche: -12 Punkte)

14. Juni 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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