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08.11.2017 13:44:32
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Kolumne

Marktstimmung: "An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben"



Ohne erkennbaren Anlass nehmen private wie professionelle Anleger Gewinne mit oder setzen sogar auf fallende Preise. Für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung könnte das hilfreich sein.
Zusammenfassung

8. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eine alte Börsenweisheit besagt, dass an Gewinnmitnahmen angeblich noch niemand gestorben sei. Eine Erkenntnis, die leider nur teilweise richtig ist. Natürlich möchten vor allem Börsianer dieses schöne Gefühl, den richtigen Riecher gehabt und gleichzeitig auch noch einen monetären Gewinn eingefahren zu haben, möglichst häufig erleben. Und tatsächlich haben viele finanzwissenschaftliche Studien ergeben, dass aus diesem Grunde Gewinne oft viel zu früh realisiert werden. Ein Umstand, der - sofern man gleichzeitig Verluste unkontrolliert laufen lässt - vor allem für eine langfristige Performance ungesund, wenn nicht sogar tödlich sein kann. So haben wir uns während der vergangenen Wochen oftmals gefragt, warum die von uns befragten bullishen Investoren angesichts maßvoller, aber dennoch substantieller Gewinne des DAX dieselben nicht realisiert haben. Möglicherweise, weil die Engagements zwar profitabel, aber dennoch nicht hoch genug waren.



Diese Einstellung hat sich - das jedenfalls ergab unsere heutige Umfrage unter mittelfristig orientierten institutionellen Anlegern - wohl deutlich geändert. Ohne dass äußerlich ein wichtiger Auslöser erkennbar war, ist es tatsächlich zu Gewinnmitnahmen gekommen, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 21 Punkte auf die neutrale Nulllinie zurückgefallen. Damit haben 12 Prozent aller Befragten ihre Meinung geändert - drei Viertel davon sind sogar direkt zu den Pessimisten abgewandert. Offensichtlich in der Absicht, während einer Korrektur der Aktienkurse die Performance etwas aufzubessern.

Dies ist insofern bemerkenswert, als in unmittelbarer Zukunft keine offensichtlichen Ereignisrisiken drohen. Die Nachfolgeregelung bei der Präsidentschaft der US-Notenbank ist mit dem von Donald Trump nominierten Jerome Powell, dessen definitive Ernennung zum Fed-Chef allerdings noch vom Senat bestätigt werden muss - aller Wahrscheinlichkeit nach geregelt und wird als Bestätigung für eine Fortsetzung der derzeitigen Geldpolitik wahrgenommen. Ohnehin hat es den Anschein, als ob sowohl von der US-Notenbank als auch von der Europäischen Zentralbank kein Gegenwind für Aktienmärkte zu erwarten ist.

… auch kein Privatanleger

Bei den zuletzt wesentlich optimistischer gestimmten Privatanlegern, deren Sentiment sich zuletzt auf Jahreshoch befand, hat sich eine ähnliche Entwicklung ergeben. Auch von ihnen müssen einige ihre Gewinne realisiert haben, weshalb der Börse Frankfurt Sentiment-Index bei diesem Panel in ähnlicher Größenordnung wie bei den institutionellen Pendants um 19 Punkte auf einen Stand von +17 Punkte gefallen ist. Allerdings haben sich längst nicht so viele Privatanleger direkt auf die Bärenseite getraut, sondern sich etwa im Verhältnis 40 zu 60 erst einmal an die Seitenlinie begeben.

Für den DAX ist die jüngste Stimmungsentwicklung positiv zu bewerten. Denn trotz der Gewinnmitnahmen ist das Börsenbarometer stichtagsbezogen unverändert geblieben. Und auch gemessen am neuen Allzeithoch dieser Woche blieb die bisherige Rückwärtsbewegung mit rund einem Prozent überschaubar. Bedenkt man, dass der DAX seit seinem letzten markanteren Tiefpunkt vom 29. August fast 14 Prozent an Wert gewonnen hat, ohne dass es dabei zu einem nennenswerten Rücksetzer - etwa in einer Größenordnung von 2 Prozent - gekommen ist, kann man die Neupositionierung gegen den Aufwärtstrend von einigen Akteuren durchaus als mutig bezeichnen. Deshalb rechnen wir im Falle einer fortgesetzten Abwärtskorrektur schon bald mit der Rückkehr der Zweifler von heute in Form von Rückkäufen. Dies unterstützt den DAX genauso, als wenn er durch frische langfristige Nachfrage in neues historisches Terrain vordringen würde. Denn dann würden sich die Gewinnmitnahmen von heute doch noch als verfrüht darstellen und manchen Akteur vor das Dilemma stellen, wie man danach in einen derartigen Aufwärtstrend wieder in den Markt zurückfindet. Unter dem Strich also weiterhin eine stimmungstechnisch günstige, wenn nicht sogar verbesserte Situation für den DAX.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Die Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt.

Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.



Börse Frankfurt Sentiment-Index





Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total41%41%18%
ggü. letzter Erhebung-12%+9%+3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.380 (+-0 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +-0 Punkte (Stand Vorwoche: +21 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum





Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total46%29%25%
ggü. letzter Erhebung-12%+7%+5%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.380 (+-0 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +17 Punkte (Stand Vorwoche: +36 Punkte)

8. November 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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