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16.01.2019 13:43:14
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Kolumne

Marktstimmung: "Im Niemandsland"



Stagnation bei Kursen und Marktstimmung der Profis und ein Rückzug der Privatanleger verbessern die Lage deutscher Aktien nicht. Goldberg weiß, was fehlt.



16. Januar 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit unserer vergangenen Stimmungserhebung hat sich der DAX kaum bewegt. Zumindest ist auch die Handelsspanne mit knapp 2 Prozent seit dem vergangenen Mittwoch als leicht unterdurchschnittlich zu bezeichnen.

Dabei hätte es durchaus Gründe gegeben, um den Aktienmarkt etwas stärker in Unruhe zu versetzen. Sei es, dass die Situation um den Austritt Großbritanniens aus der EU nach der als historisch zu bezeichnenden Abstimmungsniederlage der britischen Premierministerin Theresa May am gestrigen Abend wohl noch unübersichtlicher geworden ist. Aber auch die gestiegenen globalen Wachstumssorgen haben dem DAX offenbar wenig anhaben können.

Dabei hat gerade die jüngste Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch (per 10. Januar) einen breiten Pessimismus bei den internationalen Fondsmanagern zu Tage gefördert. Denn die Erwartungen für das weltweite Wachstum und die Unternehmensgewinne haben sich weiter verfinstert. Netto 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten abschwächen wird - das ist der pessimistischste Ausblick seit Juli 2008.

Allerdings teilen die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren diesen Pessimismus hierzulande nicht. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich mit einem Minus von gerade einmal 3 Punkten gegenüber der Vorwoche auf einen Stand von +14 abgeschwächt. Dabei ist der Anteil der Bullen mit 45 Prozent gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben, so dass sich der Rückgang im Sentiment-Index per Saldo auf ein paar neue Pessimisten zulasten des Lagers der neutral gestimmten Marktteilnehmer zurückführen lässt.

Etwas ängstlicher stellt sich dagegen das Stimmungsbarometer der Privatanleger dar, so dass unser Börse Frankfurt Sentiment-Index für dieses Panel einen Rückschlag von 11 Punkten auf einen Stand von +9 hinnehmen musste. Dabei hat sich ein Großteil der abgewanderten Optimisten (5 Prozent aller Befragten) direkt auf die Bärenseite geschlagen, ohne wahrscheinlich aus den vorherigen Positionierungen größere Gewinne realisiert zu haben. Gut möglich, dass die Brexit-Ereignisse und die daraus folgende Unsicherheit in diesem Panel stärker als bei den institutionellen Pendants wahrgenommen wurde.

Langfristige Käufer gesucht

Stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die institutionellen Investoren an ihren Engagements festgehalten haben? Neben den wahrgenommenen Risiken dürften dabei die bislang nicht gerade üppig ausgefallenen Kursgewinne seit der vergangenen Befragung eine Rolle gespielt haben. Denn seit vergangenem Mittwoch hat sich der DAX gegenüber dem stichtagsbezogenen Erhebungskurs vorübergehend gerade einmal um schlappe 74 Punkte befestigt. Für viele zu wenig, um etwaige Gewinne vom Tisch zu nehmen.

Dass der DAX seit einigen Tagen nicht mehr so richtig vorankommen will, dürfte auch auf die fehlenden internationalen Kapitalströme in Richtung Eurozone zurückzuführen sein. Denn vorgenannte Umfrage zeigt auch, dass nicht nur der Wachstumsausblick für die Eurozone, sondern auch die Aktienallokation in diese Richtung sich zuletzt auf einem Sieben-Jahres-Tief befunden haben. So gesehen verwundert es auch nicht, dass sich der DAX derzeit im Niemandsland befindet und die Mehrheit der Akteure darauf wartet, dass irgendjemand die Aktienkurse weiter nach oben bringt.

Allerdings ist derzeit nur eine Zunahme der heimischen Nachfrage wahrscheinlich. Immerhin dürfte davon noch genügend vorhanden sein, denn in der relativen Betrachtung auf die Sicht von drei bzw. sechs Monaten ist der derzeitige Optimismus gerade einmal als durchschnittlich zu bezeichnen. Allerdings sind größere Käufe nur auf deutlich niedrigerem Niveau zu erwarten. Genauso bleibt die Oberseite durch mögliche Gewinnmitnahmen zwischen 11.000 und 11.100 Zählern aus den bestehenden Positionen relativ limitiert. Mit anderen Worten: Es bedarf frischen, langfristigen Kapitals, um die derzeitige Pattsituation aufzulösen. Die Mindestvoraussetzung hierfür wären zumindest ein paar ökonomisch oder auch politisch positive Überraschungen.

16. Januar 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.



Video-Kommentar von Joachim Goldberg



Sentiment-Index institutioneller Anleger



BullishBearishNeutral
Total45%31%24%
ggü. letzter Erhebung+0%+3%-3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.900 (-20 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +14 Punkte (Stand Vorwoche: +17 Punkte)



Sentiment-Index privater Anleger



BullishBearishNeutral
Total43%34%23%
ggü. letzter Erhebung-6%+5%+1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.900 (-20 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +9 Punkte (Stand Vorwoche: +20 Punkte)



Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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