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05.12.2018 13:32:34
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Kolumne

Marktstimmung: "Mit heiler Haut davongekommen?"



Als dramatisch bezeichnet Joachim Goldberg den Wechsel vieler Profis auf die Short-Seite und den damit verbundenen Verfall der Marktstimmung. Allerdings nehme das jetzt Druck aus dem Markt.


5. Dezember 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Groß war sie noch, die Euphorie zu Wochenbeginn, nachdem ein "Waffenstillstand" im Handelskrieg zwischen den USA und China im Rahmen des G20-Gipfels in Buenos Aires verkündet worden war. Ein Waffenstillstand, dessen Einzelheiten bis heute nicht nur für viele Finanzmarktakteure im Verborgenen geblieben sind. Denn die Geschichte wurde in China und in den USA nicht nur unterschiedlich wahrgenommen, sondern auch noch jeweils anders erzählt. Ganz zu schweigen davon, dass die USA bei den zu erwartenden Verhandlungen mit China knallhart auftreten werden. Denn die Gespräche werden von US-Seite von dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, einem Falken in der Administration Trump, geführt werden. Ob es so tatsächlich "Frieden" geben kann?

Aber abgesehen davon zogen außerdem noch düstere Wolken am US-Konjunkturhimmel auf. Denn die US-Zinsstrukturkurve ist während der vergangenen Tage nicht nur flacher geworden, sondern verläuft sogar in bestimmten Sektoren mittlerweile invers. Und eine inverse Zinsstrukturkurve wird vielerorts als Vorbote für eine Rezession - allerdings mit einem Vorlauf von sechs bis 24 Monaten - gesehen. Dies ist nicht ohne Auswirkung auf den DAX geblieben, der sich seit unserer vergangenen Erhebung vorübergehend sogar um rund 2,1 Prozent befestigt hatte und sich seit gestern im Rückwärtsgang befindet.

Mit dem deutlichen Einbruch des Börsenbarometers hat sich auch die Stimmung unter den von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren nach dem fast schon extrem anmutenden Optimismus der Vorwoche dramatisch verschlechtert. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 49 Punkte auf einen Stand von +1 Punkt gefallen. Gut möglich, dass ein Teil dieser ehemaligen Optimisten tatsächlich noch von der zwischenzeitlichen Erholung des DAX profitieren konnte, obwohl wir selbst eigentlich erst mit einsetzenden Gewinnmitnahmen ab 11.600 Punkten gerechnet hatten. Genauso wahrscheinlich kann es aber auch sein, dass einige Akteure spätestens heute die Notbremse gezogen haben. Per Saldo ist immerhin fast ein Viertel unseres kompletten Panels vom Bullen- ins Bärenlager umgezogen.

Stoische Privatanleger

Unterdessen haben sich die Privatanleger per Saldo kaum gerührt. Denn deren Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche nur um 3 Punkte auf einen Stand von +15 Punkte gefallen. Diese Haltung ist angesichts der Aktienmarktentwicklung auch jenseits des Atlantiks bemerkenswert. Möglicherweise sind die zwischenzeitlich aufgelaufenen Kursgewinne nicht groß genug ausgefallen, als dass sich die privaten Investoren von ihren mehrheitlich bullish ausgerichteten Positionen haben komfortabel trennen können. Und so spricht einiges dafür, dass die Optimisten die Situation aussitzen werden - zumindest, solange sich das Börsenbarometer oberhalb der Jahrestiefs von knapp über 11.000 Punkten halten kann.

Per Saldo hat sich damit ein deutlicher Meinungsunterschied zwischen den privaten und den institutionellen Investoren manifestiert. Während Erstere versuchen werden, im Falle eines nicht gerade wahrscheinlichen Aufschwungs ihre weitgehend schal gewordenen bullishen Engagements zu reduzieren, gestaltet sich die Lage für die institutionellen Marktteilnehmer etwas günstiger. Denn es handelte sich zuletzt nicht nur um eine reine Kapitulationsbewegung, sondern teilweise auch um den Versuch, auf niedrigerem Niveau wieder einzusteigen. Denn mit einem Sentiment-Index knapp an der neutralen Nulllinie - in der relativen sechs Monatsbetrachtung können wir sogar von Pessimismus sprechen - ist der Markt unter dem Strich als weitgehend "sauber" zu bezeichnen. Und für den DAX sind dies insofern keine allzu schlechten Nachrichten, als die Absicherungspositionen und Short-Engagements wieder eingedeckt werden müssen - natürlich auf niedrigerem Niveau als heute. Dabei werden sich nicht wenige an den bisherigen Jahrestiefs vom Oktober (rund 11.050) und November (etwas über 11.000) orientieren.

5. Dezember 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.



Video-Kommentar von Joachim Goldberg



Sentiment-Index institutioneller Anleger



BullishBearishNeutral
Total41%40%19%
ggü. letzter Erhebung-24%+25%-1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.200 (-125 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +1 Punkt (Stand Vorwoche: +50 Punkte)



Sentiment-Index privater Anleger



BullishBearishNeutral
Total48%33%19%
ggü. letzter Erhebung-2%+1%+1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.200 (-125 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +15 Punkte (Stand Vorwoche: +18 Punkte)


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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