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21.12.2016 11:36:15
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Kolumne

Marktstimmung: "Mit wenig Schwung ins neue Jahr"



Den Anlegern reicht es anscheinend für dieses Jahr - lieber Gewinne einpacken und Bücher zu.
Zusammenfassung

21. Dezember 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Trend zum Pessimismus, der sich in der vergangenen Woche bereits abgezeichnet hatte, setzt sich auch weiterhin fort. Diesen Eindruck vermittelt zumindest unsere jüngste Stimmungserhebung bei institutionellen Investoren, die ergab, dass der Optimismus abermals deutlich gefallen ist. Infolge dieses Rückgangs um 17 Punkte zeigt der Börse Frankfurt Sentiment-Index mit +7 Punkten den niedrigsten Wert seit Ende August an. Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zum Ende des vergangenen Jahres. Damals hatten wir einen Wert von +49 Punkten ermittelt - zu dem Zeitpunkt war das der zweithöchste Stand, der seit Beginn unserer Aufzeichnungen jemals erreicht wurde. Was anschließend mit den Aktienkursen geschah, ist hinlänglich bekannt: In den ersten Wochen dieses Jahres gab es einen massiven Kurseinbruch, und es sollte bis August dauern, bis diese hohen DAX-Verluste im Verlauf einer beeindruckenden Rallye wieder aufgeholt worden waren.



Auch wenn der fürchterliche Anschlag von Berlin den meisten Akteuren noch vor Augen sein dürfte, glauben wir trotzdem nicht, dass sich eine größere Gruppe in ihrer mittelfristigen Einschätzung des Aktienmarktes davon hat beeinflussen lassen. Vielmehr vermuten wir, dass die Investoren nicht noch einmal (wie Ende 2015 geschehen) das Jahr mit hohen Engagements beschließen möchten, aus denen sie Anfang 2017 womöglich nicht mehr heraus kämen.

Dabei sind die ökonomischen Rahmendaten gar nicht mal so schlecht. Das gilt vor allen Dingen für die USA, für deren Konjunktur zum Teil massive fiskalische Impulse erwartet werden. Dabei mögen unsere institutionellen Investoren dennoch mit Skepsis reagiert haben, weil fraglich ist, ob Europa bzw. Deutschland tatsächlich von diesen Maßnahmen werden profitieren können. Denn allein der vom designierten US-Präsidenten Donald Trump und dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, unterbreitete Vorschlag, die Grenzausgleichsabgaben ("border tax adjustment") drastisch zu verändern, könnte die Handelspartner der USA empfindlich treffen. So wurde in Aussicht gestellt, die US-Importe massiv zu verteuern (es ist von einer Steuer in Höhe von 20 Prozent die Rede), US-Exporte hingegen am Ende deutlich (etwa 12 Prozent) zu subventionieren. Auch wenn derzeit völlig unklar ist, ob und inwieweit sich diese Maßnahmen angesichts bestehender Verträge und anderer Widerstände tatsächlich umsetzen lassen.

Deswegen glauben wir, dass das Hauptmotiv für die fortgesetzten Gewinnmitnahmen der Teilnehmer unseres Panels vor allen Dingen in den seit Anfang Dezember aufgelaufenen hohen Buch-Profiten selbst besteht: Bei einem DAX-Plus von fast 10 Prozent kann man einfach nicht widerstehen und nimmt diese gerne mit, um sie in der Jahresschlussbilanz ausweisen zu können.

Privatanleger machen weiter Kasse

Aber auch der Börse Frankfurt Sentiment-Index der Privatanleger hat erneut einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Allein im Vergleich zur Vorwoche fiel das Stimmungsbarometer um 14 Punkte und landete auf einem Stand von nur noch +5. Diese Entwicklung ist deshalb bemerkenswert, weil sich die Stimmung, ausgehend von einem Jahreshoch von +46, seit dem 9. November, also direkt nach der US-Präsidentschaftswahl, fast durchgehend verschlechtert hat.

Per Saldo lässt sich also feststellen, dass das Stimmungsbarometer absolut betrachtet nicht mehr weit von der neutralen Nulllinie entfernt ist. Gemessen am Halbjahresdurchschnitt ist die heutige Erhebung jedoch als relativ pessimistisch zu bezeichnen. Dies steht jedoch in deutlichem Widerspruch zur tatsächlichen Entwicklung des DAX, der sich zum Erhebungszeitpunkt fast am Jahreshoch befindet.

Mit anderen Worten: Auch die fortgesetzten Gewinnmitnahmen der Teilnehmer unseres Panels haben dem DAX (möglicherweise aufgrund langfristiger Kapitalzuflüsse) nicht geschadet. Damit stehen die Chancen gut, dass der DAX auch Anfang 2017 zumindest von heimischen Anlegern nicht massiv unter Druck gesetzt werden wird.

Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher:36% (+4)

Tiefer:49% (-7)

Neutral:15% (+2)




Börse Frankfurt Sentiment-Index








Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total41%34%25%
ggü. letzter Erhebung-13%+4%+9%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.470 (+210 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +7 Punkte (Stand Vorwoche: +24 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total43%38%19%
ggü. letzter Erhebung-8%+6%+2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.470 (+210 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +5 Punkte (Stand Vorwoche: +19 Punkte)

von: Joachim Goldberg
14. Dezember 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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