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23.11.2016 11:47:16
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Kolumne

Marktstimmung: "Party ohne Musik"



Während die Börsen in Übersee Rekordstände feiern, stecken hiesige Anleger in ihrem Optimismus fest. Nach unten fehlt eine Stütze, nach oben Feuer.
Zusammenfassung

23. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während an den US-Börsen ob der gestrigen Rekordstände in vier Indizes die Champagnerkorken zu knallen scheinen, ist hierzulande von Partystimmung in Anbetracht der demnächst anstehenden Inthronisierung des designierten US-Präsidenten Donald Trump nicht mehr viel zu spüren. Auch während des vergangenen Berichtszeitraums ist es dem DAX nicht gelungen, aus seiner breitangelegten Konsolidierungszone zwischen grob 10.200 und 10.800 Punkten auszubrechen. Bildlich gesprochen sind zwar auch hierzulande genügend Partygäste eingeladen worden, aber so richtig Stimmung will dennoch nicht aufkommen.

Dies spiegelt auch die jüngste Stimmungserhebung unter mittelfristig orientierten Investoren wider, deren Optimismus sich zwar die dritte Woche hintereinander, wenn auch zuletzt nur noch marginal erhöht hat. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist dabei um 3 Punkte auf einen neuen Stand von +35 Punkten gestiegen. Im Wochenvergleich konnte der DAX jedoch nur um 0,2 Prozent zulegen und bewegte sich während der dieser Zeit gerade einmal innerhalb einer Spanne von rund 1,6 Prozent.

Seit nunmehr gut acht Wochen zeigen sich die institutionellen Investoren trotz der anhaltenden Seitwärtsbewegung fast durchgehend robust optimistisch. An dieser Haltung hat auch der Ausgang der US-Wahlen vor zwei Wochen nichts geändert. Die Motive, an dieser Grundhaltung nichts zu ändern, scheinen ebenfalls dieselben zu sein: Man möchte von der positiven Stimmung jenseits des Atlantiks und vor allen Dingen von den fiskalpolitischen Maßnahmen in den USA am Ende auch hier etwas abbekommen. Obwohl der designierte Präsident Donald Trump sein Motto "America first" immer wieder deutlich macht und viele Investoren die größte Gefahr für die Finanzmärkte in einem aufkeimenden US-Protektionismus in Form von Handelsbarrieren und Aufkündigung internationaler Handelsabkommen sehen.

Nüchterne Privatanleger

Die Privatanleger wirken indes zunehmend ernüchtert und setzen derlei Ängste auch in entsprechende Positionierungen um. Zumindest zeigt der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels die zweite Woche hintereinander - im Gegensatz zu den institutionellen Pendants - einen zurückgehenden Optimismus, der sich um 8 Punkte gegenüber der Vorwoche auf einen Indexstand von nunmehr +34 Punkten abgeschwächt hat. Vermutlich hat es bei dem jüngsten Ausflug an die Oberseite der Zone (10.767) nicht nur Gewinnmitnahmen, sondern auch bearishe Neu-Positionierungen gegeben.

Durch die jüngste Stimmungsentwicklung ist die starke Divergenz zwischen institutionellen und privaten Investoren, die wir noch vor 14 Tagen festgestellt hatten, praktisch verschwunden. Dabei wird offenkundig, dass zumindest im Rahmen der vorherrschenden Konsolidierungszone neue Kaufinteressenten für den DAX immer schwerer zu finden sind. Dies gilt auch für die internationale Nachfrage, die sich wie von uns vermutet naturgemäß zurzeit lieber jenseits des Atlantiks, in den USA, engagiert. Dafür spricht auch die jüngste Umfrage von BofA Merrill Lynch bei internationalen Fondsmanagern, die ihre Gewichtung in europäischen Aktien gegenüber dem Vormonat nur leicht erhöht haben.

So zeigt sich immer deutlicher, dass der vor allem von heimischen institutionellen Investoren gezeigte Optimismus in Hinblick auf die Entwicklung des DAX zunehmend zur Belastung wird. Denn ohne zündenden Impuls dürften auch diejenigen, die auf eine Jahresendrallye hoffen, langsam die Geduld verlieren. Doch ist davon auszugehen, dass sich dies bei fallenden Kursen zunächst aufgrund der damit einhergehenden Verlustaversion, d.h. die Abneigung, Verluste nicht realisieren zu wollen, nicht sofort merkbar machen wird. Stützende Nachfrage wird allerdings wohl ebenfalls ausbleiben. Sollte der DAX hingegen in den kommenden Tagen tatsächlich noch den Ausbruch an der Oberseite der Konsolidierungszone bei 10.830 Punkten schaffen, dürften alsbald einsetzende Gewinnmitnahmen einem größeren Aufwärtstrend im Wege stehen.

Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 54% (-5)

Tiefer: 29% (-1)

Neutral: 17% (+6)




Börse Frankfurt Sentiment-Index







Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total58%23%19%
ggü. letzter Erhebung+3%-5%+2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.720 (+20 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +35 Punkte (Stand Vorwoche: +32 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total60%26%14%
ggü. letzter Erhebung-3%+5%-2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.720 (+20 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +34 Punkte (Stand Vorwoche: +42 Punkte)

von: Joachim Goldberg
23. November 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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