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14.12.2016 13:53:51
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Kolumne

Marktstimmung: "Sicherheit geht vor"



Die Kurse steigen und die Anleger ziehen sich zurück, bzw. sichern sich ab. Das bringt den Markt in eine günstigere Lage als die der Vorwochen.
Zusammenfassung

14. Dezember 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Irgendetwas muss die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren stark beunruhigt haben. Denn wie unsere heutige Umfrage ergab, ist deren Optimismus im Vergleich zur Vorwoche überraschend deutlich eingebrochen. So ist unser Börse Frankfurt Sentiment-Index um 23 Punkte auf einen Wert von nunmehr +24 Punkte also um fast die Hälfte zurückgefallen. Allerdings darf bezweifelt werden, dass die heutige Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank einen großen Teil der Optimisten hat direkt ins Bärenlager wandern lassen. Denn die als deren Ergebnis erwartete Zinserhöhung von 25 Basispunkten ist längst eingepreist und wird auch weithin erwartet. Tatsächlich sind nicht nur die Nachrichten aus den USA, wo man für das kommende Jahr vielerorts steigende Unternehmensgewinne erwartet, sondern auch die Auspizien für die globale Wirtschaftsentwicklung sogar ausgesprochen positiv. Dies vermittelte zumindest die jüngste Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch, die gestern veröffentlicht wurde.

Betrachtet man indes die Gewinne derjenigen, die dem DAX nun den Rücken gekehrt haben, kann man indes durchaus verstehen, dass mancher Investor einem Profit von höchstwahrscheinlich durchschnittlich 5 Prozent im DAX innerhalb kürzester Zeit einfach nicht widerstehen konnte und diesen gegen die Regel, zum Jahresende Gewinne laufen zu lassen, doch noch unbedingt festschreiben wollte. Denn im Gegensatz zum übrigen Verlauf des Jahres, in dem Gewinne typischerweise (zu) früh realisiert werden, möchten die meisten Fondsmanager und Vermögensverwalter ihren Kunden beim Jahresabschluss nicht nur ihre Performance präsentieren, sondern auch zeigen, dass sie bei den Gewinneraktien bis zum letzten Tag dabei gewesen sind. Aber dieses Mal scheint Sicherheit vorzugehen.

Privatanleger relativ skeptisch

Im Gegensatz zu ihren institutionellen Pendants haben Privatanleger ohnehin nicht dieses ausgeprägte Bedürfnis, zum Jahresende ihre Aktienbestände im Schaufenster auszustellen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass deren Börse Frankfurt Sentiment-Index um 15 Punkte auf einen Stand von +19 Punkte gefallen ist. Dabei gab es nicht nur Gewinnmitnahmen, sondern sogar einen stattlichen Zuwachs bei den Pessimisten, der sich nicht allein aus früheren Bullen speiste. Vielmehr sind auch vormals neutral eingestellte Marktteilnehmer hinzugekommenen. Eigentlich kann man bei diesem Panel gar nicht mehr von Optimismus sprechen, denn der Sentiment-Index liegt im relativen Sechs-Monats-Vergleich sogar unter seinem Mittelwert.

Bei den recht schnell aufgelaufenen DAX-Gewinnen handelt es sich um eine Jahres-Performance, die sich innerhalb der vergangenen beiden Wochen aufgebaut hat. Dies hat dazu geführt, dass man vielerorts erst zuletzt und außerdem recht schnell zu diesen Gewinnen gekommen ist, die man nach dem recht schwierigen und teilweise auch langweiligen Börsenjahr mit einer ausgedehnten Konsolidierungsphase von mehr als drei Monaten verständlicherweise nicht mehr hergeben wollte.

Interessanterweise hat der DAX nicht unter diesen Gewinnmitnahmen und Absicherungspositionen gegen Kursverluste gelitten. Diese Robustheit ist daher erstaunlich und könnte langfristigen Kapitalzuflüssen zugeschrieben werden. Diese kommen jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus dem Ausland, zumal oben genannte Fondsmanager-Umfrage für Aktien der Eurozone sogar eine leichte Untergewichtung ergab.

Die jüngste Stimmungsentwicklung hat also den DAX per Saldo stabilisiert, was vor allen Dingen für Rücksetzer gilt. Sollte das Börsenbarometer nämlich korrigieren, dürfte die ein oder andere Absicherung nach unten aufgelöst und somit für stützende Nachfrage gesorgt werden. Denn nichts ist unangenehmer, als bei einer Jahresschlussrallye bis zum letzten Tag gefragt zu werden: "Warum sind Sie nicht dabei gewesen?"

Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 32% (-13)

Tiefer: 56% (+24)

Neutral: 13% (+0)




Börse Frankfurt Sentiment-Index








Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total54%30%16%
ggü. letzter Erhebung-13%+10%+3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.260 (+360 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +24 Punkte (Stand Vorwoche: +47 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total51%32%17%
ggü. letzter Erhebung-6%+9%-3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.260 (+360 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +19 Punkte (Stand Vorwoche: +34 Punkte)

von: Joachim Goldberg
14. Dezember 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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