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09.11.2016 16:18:38
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Kolumne

Marktstimmung: "Wenn alle billig einsteigen wollen…"



Die erste Reaktion auf das US-Wahlergebnis scheint schnell ausgebügelt, und etliche Anleger warten scheinbar vergeblich auf günstigere Einstiegspreise.
Zusammenfassung

9. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Präsidentschaftswahlen in den USA sind entschieden und haben - ähnlich wie das Brexit-Votum im Juni, dem Volksentscheid zum Austritt Großbritanniens aus der EU - eine für die große Mehrheit der Börsianer faustdicke Überraschung mit sich gebracht. Nicht die in den Umfragen vielfach als Favoritin eingestufte Hillary Clinton, sondern Donald Trump entschied das Rennen für sich. Und es gab nicht wenige, die im Falle eines Wahlsiegs Trumps zunächst einmal einen massiven Kurseinsturz der Aktienmärkte prognostiziert hatten, der natürlich dann, ähnlich wie nach dem Brexit-Votum, bald wieder wettgemacht würde. Denn politische Ereignisse hätten börsentechnisch gesehen ohnehin nur kurze Beine, ließen sich etliche Experten vernehmen.

Nun ist es nicht so schlimm wie befürchtet gekommen. Der DAX hat heute zur Eröffnung vorübergehend nicht einmal 3 Prozent seines Wertes gegenüber dem gestrigen Schlusskurs verloren und liegt zum Zeitpunkt unserer Stimmungserhebung gegenüber der Vorwoche gerade einmal 0,4 Prozent im Minus.

Diese doch moderate Veränderung spiegelt sich auch in der heutigen Stimmungserhebung unter unseren mittelfristig agierenden institutionellen Anlegern wider. Denn der Optimismus hat sich, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, nur leicht zurück gebildet, rangiert nun bei einem Wert von +24 Punkte und liegt damit gerade einmal 5 Punkte niedriger als in der Vorwoche. Diese leichte Veränderung mag ein paar Optimisten geschuldet sein, die möglicherweise heute früh die Notbremse gezogen haben. Allerdings ist diese Verschiebung für das Gesamtbild ohne Bedeutung, denn der Sentiment-Index liegt immer noch deutlich über seinem gleitenden 6-Monats-Durchschnitt.

... klappt das meistens nicht

Wesentlich optimistischer zeigen sich hingegen die Privatanleger, die möglicherweise bereits im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl als Aktienkäufer aufgetreten sein mögen. Im Gegensatz zu ihren institutionellen Pendants hat sich in ihrem Fall der Börse Frankfurt Sentiment-Index um 15 Punkte auf ein neues Jahreshoch von plus 46 hochgeschraubt. Dabei hat das Bullenlager vor allen Dingen vom Zulauf ehemaliger Skeptiker profitiert, die sich möglicherweise nicht einmal am Wahlergebnis orientiert haben, sondern vielmehr an der Tatsache, dass der DAX bereits am vergangenen Freitag schon einmal fast die Untergrenze unserer gedachten Konsolidierungszone bei rund 10.200 Zählern berührt hatte.


Per Saldo sind also die Stimmungen bei institutionellen und privaten Anlegern deutlich auseinander gedriftet. Gut möglich, dass sich vor allen Dingen Erstere einen deutlicheren Kursrückgang des DAX im Falle eines Wahlsiegs von Donald Trump versprochen hatten und daher mit größeren Kaufengagements abwarten wollten.

Orientiert man sich im Großen und Ganzen weiterhin an der Konsolidierungszone, die sich grob zwischen 10.200 und 10.800 DAX-Zählern verorten lässt, scheint der Plan vieler institutioneller Akteure, richtig günstig bei den deutschen Standardwerten zuzugreifen, bislang nicht aufgegangen zu sein. Das derzeitige Stimmungsbild vermittelt eher den Eindruck, dass es zu derartigen Schnäppchen wohl nicht kommen wird.

Sollte sich der DAX also noch einmal von seiner schwachen Seite zeigen, wäre die Nachfragesituation gegenüber den vergangenen beiden Stimmungserhebungen deutlich verbessert. Mehr noch, ein deutlicher Kursanstieg könnte die Zauderer von heute sogar in Bedrängnis bringen. Denn spätestens dann wäre für alle klar, dass die Jahresendrallye entgegen aller politischen Unwägbarkeiten bereits begonnen hat.

Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 45% (+4)

Tiefer: 44% (-4)

Neutral: 11% (+0)




Börse Frankfurt Sentiment-Index







Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total53%29%18%
ggü. letzter Erhebung-4%+1%+3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.390 (-40 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +24 Punkte (Stand Vorwoche: +29 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total65%19%16%
ggü. letzter Erhebung+8%-7%-1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.390 (-40 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +46 Punkte (Stand Vorwoche: +31 Punkte)

von: Joachim Goldberg
9. November 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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