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06.09.2017 08:30:16
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Kolumne

Marktstimmung: "Zu oft 'der Wolf kommt' gerufen?"



Anleger bleiben weiter neutral, können sich angesichts der vielen geopolitischen Unsicherheiten nicht zu Aktienkäufen entschließen, setzen aber auch nicht weiter auf Korrekturen.
Zusammenfassung

6. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Für die Anleger ist es momentan nicht leicht, das Börsengeschehen richtig einzuschätzen. Denn die Rahmenbedingungen sind alles andere als klar. Da gibt es zum einen den immer wieder bangen Blick in Richtung USA und Nordkorea, ob die Krise zwischen diesen beiden Staaten weiter eskaliert und welche Auswirkungen dies auf die Finanzmärkte haben könnte.



Und tatsächlich reagiert der Aktienmarkt hierzulande häufig stärker als in den USA selbst auf negative politische Nachrichten dieser Art, um sich dann an den kommenden Handelstagen wieder zu erholen. Als ob nichts gewesen sei. Dann gibt es den neuen Hurrikan "Irma", der nunmehr auf Florida zusteuert und dort, vermutlich in noch schlimmerem Umfang als bereits sein Vorgänger "Harvey" zuvor in Texas, große und unberechenbare Verwüstungen anrichten könnte.

Aber neben dieser schwer einschätzbaren Katastrophe gibt es auch in Europa ein bevorstehendes Ereignisrisiko: die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank. Allerdings dürfte deren Ergebnis - man erwartet vielerorts zumindest einen Hinweis darauf, ob und wann es hinsichtlich einer möglichen Reduktion des Anleihekaufprogramms eine Entscheidung geben könnte - für die Börsianer aufgrund der bereits bestehenden Erwartungshaltung keine starken direkten negativen Einflüsse ergeben.

Und so wundert es auch nicht, dass die von der Börse Frankfurt allwöchentlich befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont derzeit keine großen Engagements in die eine oder andere Richtung eingehen möchten. Tatsächlich hat sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index gegenüber der Vorwoche um 3 Punkte auf einen Stand von -2 Punkte verringert. Im Rahmen dieser kleinen Veränderung haben vor allen Dingen vormals bullish eingestellte Akteure, nämlich 4 Prozent aller Befragten, die Gruppe der neutral Eingestellten aufgesucht.

Vorsicht kostet Geld

Auch bei den Privatanlegern sind die Veränderungen im Börse Frankfurt Sentiment-Index überschaubar geblieben. Allerdings deutet die Stimmungsentwicklung in diesem Panel in die andere Richtung. Der Index ist nämlich um 5 Punkte auf einen Stand von +1 Punkt gestiegen. Aber nicht etwa weil sich die Zahl der Optimisten dramatisch erhöht hätte, sondern weil fast ausschließlich vormals bearish eingestellte Marktteilnehmer ihre skeptische Haltung aufgegeben haben.

Gut möglich, dass sich bei diesen Investoren vor allem hinsichtlich des Konflikts um die nordkoreanischen Atomtests ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt hat. Zumal sich Vorsicht seit unserer vergangenen Erhebung nicht ausgezahlt hat. Wer etwa aus Angst vor einer weiteren Eskalation in der Krise um Nordkorea Absicherungen oder Short-Positionen eingegangen war, musste bislang kurz darauf feststellen, dass der Aktienmarkt derlei Nachrichten schnell weggesteckt hat. Eine Sorglosigkeit, die sich im Sinne der Aesop‘schen Fabel, wonach ein Hirtenjunge die Bewohner eines Dorfes fälschlicherweise immer vor dem Wolf gewarnt hatte, bis dieser dann tatsächlich kam, als keiner mehr daran glaubte, noch als fatal erweisen könnte.

Letztlich bleiben die Börse Frankfurt Sentiment-Indizes sowohl in der absoluten als auch in der Sechs-Monats-Betrachtung praktisch neutral, so dass es nach wie vor zumindest von Seiten der heimischen Investoren keine trendauslösenden Elemente für den DAX gibt. Nach wie vor gilt: Eine Bedrohung für das Börsenbarometer könnte allenfalls aus Kapitalabflüssen langfristiger Anleger aus dem Ausland erwachsen, wofür es derzeit jedoch keinen Anhaltspunkt gibt.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Die Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt.

Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.



Börse Frankfurt Sentiment-Index





Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total37%39%24%
ggü. letzter Erhebung-4%-1%+5%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.100 (+100 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -2 Punkt (Stand Vorwoche: +1 Punkt)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum





Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total40%39%21%
ggü. letzter Erhebung+0%-5%+5%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.100 (+100 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +1 Punkte (Stand Vorwoche: -4 Punkte)

6. September 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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