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02.11.2018 10:59:13
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Kolumne

Natixis Economics: "Rückzahlung der TLTROs ist ein weiterer Stresstest für Banken"



Dirk Schumacher erinnert an die anstehende Rückzahlung der langfristigen Kredite, mit deren Prämien, die EZB die Kreditvergabe der Banken ankurbeln wollte. Insbesondere die Anschlussfinanzierung Italiens sei kritisch.
2. November 2018. FRANKFURT (Natixis). Das Kreditwachstum in der Eurozone blieb über lange Zeit schwächlich. Erst im Laufe des Jahres 2016 wurden die Wachstumsraten bei der Kreditvergabe wieder positiv. Es war nicht zuletzt diese Stagnation beim Kreditwachstum, die die EZB dazu veranlasste, mit der Ankündigung von mehreren langfristigen Refinanzierungsoperationen für die Geschäftsbanken in der Eurozone gegenzusteuern. Diese sogenannten Targeted Longer-term Refinancing Operations (TLTRO) boten den Banken besonders günstige Bedingungen und waren teilweise direkt an die Kreditvergabe der Banken gekoppelt. Insgesamt verlieh die EZB 740 Milliarden Euro an Banken in der Eurozone unter dem TLTRO II Programm, was der Summe nach etwa 7 Prozent aller ausstehenden Kredite der Banken entsprach. Mit etwa 33 Prozent waren italienische Banken dabei die größten Nachfrager nach TLTORs, gefolgt von spanischen Banken (23 Prozent), französischen Banken (15 Prozent) und deutschen Banken (13 Prozent).

Wie erfolgreich die TLTROs in der Stimulierung des Kreditwachstums letztlich waren, ist nicht ohne Weiteres festzustellen. Zumindest auf den ersten Blick fällt es schwer, einen positiven Effekt zu identifizieren: Mit dem Anstieg der Summe der Refinanzierungsmaßnahmen ging zunächst ein Rückgang des Kreditwachstums einher (s. Grafik 1). Auch die Zusammensetzung der Bankbilanzen deutet keinen großen Effekt an. So war der Anteil der Kredite an den Bilanzen der Geschäftsbanken im zweiten Quartal 2018 exakt der gleiche wie im zweiten Quartal 2014 (45,6 Prozent). Gleichzeitig stieg der Anteil an Staatsanleihen in den Bankbilanzen von 9,4 Prozent auf 13,4 Prozent. Dennoch haben die TLTORs sicher zu einer Stabilisierung des Bankensystems - und damit auch mittelfristig zur Kreditversorgung des Privatsektors - beigetragen.

Refinanzierungsoptionen der EZB und Kreditvergabe



Ab Mitte 2020 werden die TLTROs fällig werden. Allerdings müssen sich die Banken bereits zu Beginn des nächsten Jahres Gedanken über die Refinanzierung machen. Der Grund hierfür sind regulatorische Vorgaben, die Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von unter einem Jahr als relativ riskant betrachten. Unter normalen Umständen sollte es den Banken möglich sein, über den Kapitalmarkt alternative Refinanzierungen aufzutun. Allerdings hat die konfrontative Haltung der italienischen Regierung, zumindest für italienische Banken, diese Möglichkeiten beschränkt.

Eine weitere Eskalation des Streites könnte aber die Lage auch für Banken außerhalb Italiens signifikant verschlechtern. Damit stellt das Auslaufen der TLTROs, oder zumindest das Fallen der Restlaufzeit unter 1 Jahr, ein konjunkturelles Risiko dar. Sollte es den Banken nicht gelingen, eine Anschlussfinanzierung zu bekommen, müssten sie ihre Bilanzen schrumpfen. Selbst wenn dies nur einen Verkauf von Staatsanleihen bedeuten würde, hätte dies über steigenden Zinsen einen negativen Effekt auf das Wachstum. Sollte dies über Italien hinaus ein Problem sein, wäre es wahrscheinlich, dass die EZB den Banken in diesem Fall erneut langfristigen Refinanzierungsmaßnahmen anbieten würde. Die Abnabelung der Banken von der EZB wäre dann vorerst aufgeschoben.

von Dirk Schumacher
© 2. November 2018 © Natixis

Über den Autor

Dirk Schumacher ist Managing Director und Senior Economist bei Natixis, einer international tätigen Investmentbank, die zu Groupe BPCE gehört, Frankreichs zweitgrößter Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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