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29.06.2018 10:05:23
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Kolumne

Natixis Economics: "Target2-Forderungen der Bundesbank - ein notwendiges Übel"



Dirk Schumacher erklärt das europäische Target2-System, warum die Forderungen der Bundesbank gegenüber anderen europäischen Zentralbanken steigen und was das für Auswirkungen haben kann.
29. Juni 2018. FRANKFURT (Natixis). Die Target2-Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Eurosystem steigen weiter kontinuierlich an. Dies ist vor allem eine Folge des Kaufprogrammes der EZB. Diese Forderungen würden allerdings nur im Falle des Auseinanderbrechens der Währungsunion ökonomisch relevant.
Obwohl nach wie vor sehr unwahrscheinlich hat die schiere Größe der Forderungen, und sicher auch die politischen Entwicklungen in Italien, manche Kommentatoren dazu veranlasst, eine Änderung des Target2-System vorzunehmen, die letztlich zu einer Reduzierung des finanziellen Risikos der Bundesbank führt. Eine solche Änderung würde allerdings als klares Misstrauensvotum Deutschlands gegenüber dem Euro interpretiert werden und möglicherweise zu Kapitalflucht und damit höheren Target2-Forderungen führen, bevor solche Änderungen überhaupt greifen könnten.

Die Sicherung der Preisstabilität in der Eurozone ist bekanntermaßen das Hauptmandat der EZB. Darüber hinaus hat die EZB aber auch die Aufgabe für einen "reibungslosen" Ablauf des Zahlungsverkehrs zu sorgen. Zu diesem Zweck betreibt die EZB das sogenannte Target2-System. Target2 steht für Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer System. Mehr als 1,000 Banken sind an das System angeschlossen und 342.008 Zahlungen werden im Schnitt täglich über dieses System abgewickelt.

Grob gesprochen kann man sagen, dass Geschäftsbanken - die alle ein Konto bei ihrer jeweiligen Zentralbank haben - über das Target2-System Zentralbankgeld austauschen. Überweist eine Bank A Geld an eine Bank B wird das Konto der Bank A bei der Zentralbank mit diesem Betrag belastet, während dem Konto der Bank B der Betrag gutgeschrieben wird. Sitzen die beiden Geschäftsbanken in verschiedenen Ländern der Eurozone, sind notwendigerweise die Zentralbanken der jeweiligen Länder involviert. Der entscheidende Unterschied zum Fall einer Binnenüberweisung ist, dass die Zentralbank der Geschäftsbank die Geld überweist, nun eine Verbindlichkeit gegenüber der Zentralbank des empfangenden Landes hat. Im Target2-System werden diese Forderungen nicht glattgestellt, sondern können sich über die Zeit kumulieren.



Ob es zu einem Anstieg der Forderungen kommt, hängt davon ab, ob Geld in beide Richtungen fließt. Vor der Krise waren deutsche Banken in großem Ausmaß in Ländern der Eurozonen-Peripherie engagiert. Durch die Finanzierung der Kreditaktivitäten der Banken in der Peripherie ist letztlich Geld in beide Richtungen geflossen.

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Eine Firma in der Peripherie kaufte eine Maschine von einem deutschen Unternehmen. Die Bank des Unternehmens finanzierte den Kauf und überwies den Betrag an die Bank des deutschen Unternehmens. Im Zuge der Überweisung wird die Bundesbank der Geschäftsbank des deutschen Unternehmens den Betrag gutschreiben und gleichzeitig eine Forderung gegenüber der Zentralbank des überweisenden Landes in gleicher Höhe erhalten, eine Target2-Forderung.

Hier enden die Zahlungsströme allerdings nicht, da die Geschäftsbank in der Peripherie ihren Kredit refinanzieren muss. Dies kann sie machen, indem sie von der deutschen Bank eine Kreditlinie bekommt und damit das Geld wieder in die andere Richtung fließt. Damit wird die Target2-Forderung der Bundesbank wieder aufgelöst.

Mit Ausbruch der Krise kürzten deutsche Banken ihre Kreditaktivitäten in der Peripherie signifikant. Gleichzeitig stellte die EZB langfristige Refinanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Banken in der Peripherie konnten damit ihre Kredite zurückzahlen und das Geld floss wieder nach Deutschland. Da dieser Geldfluss aber nur in eine Richtung stattfand, baute die Bundesbank in dem Maße wie die deutschen Banken ihr Forderungen reduzierten, Target2-Forderungen auf. Die beigefügte Grafik zeigt, wie sich die Forderungen der deutschen Geschäftsbanken und der Bundesbank gegenüber dem Ausland spiegelbildlich veränderten.

Vermögensposition gegenüber dem Ausland


netto, Milliarden Euro


Die Ankäufe des Eurosystems im Zuge des sogenannten Public Sector Purchase Programmes haben nun wieder zu einem Anstieg der Target2-Forderungen der Bundesbank geführt. Dies ist vor allem eine Folge der Tatsache, dass die Verkäufer der Staatsanleihen - insbesondere außer-europäische Investoren - über die Bundesbank oder deutsche Banken Zugang zum Target2-System haben.

Politische Entwicklungen in Italien könnten zu einem weiteren Anstieg der Target2-Forderungen führen, insbesondere, wenn die neue Regierung versuchen sollte, ihre fiskalpolitischen Pläne in die Tat umzusetzen. Ein weiterer signifikanter Anstieg würde möglicherweise den politischen Druck, Änderungen am Target2-System vorzunehmen, zum Beispiel Zahlungen mit Sicherheiten zu unterlegen, deutlich erhöhen.

Unabhängig von den technischen Problemen einer solchen Änderung "im laufenden Betrieb", würde ein solcher Vorschlag von Seiten der deutschen Regierung oder der Bundesbank als klares Misstrauensvotum gegenüber der langfristigen Stabilität der Währungsunion interpretiert werden. Damit könnte dies zu einer Kapitalflucht nach Deutschland und damit höheren Target2-Forderungen der Bundesbank führen. Wie relevant diese Diskussion werden wird, hängt nicht zuletzt von den Entwicklungen in Italien ab.

von Dirk Schumacher,
© 29. Juni 2018 © Natixis

Über den Autor

Dirk Schumacher ist Managing Director und Senior Economist bei Natixis, einer international tätigen Investmentbank, die zu Groupe BPCE gehört, Frankreichs zweitgrößter Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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