Bitte warten...

23.04.2019 11:25:29
A A | Drucken

OSRAM IM FOKUS: Im Dauerkrisenmodus


MÜNCHEN (dpa-AFX) - Wer Aktionär beim Lichtkonzern Osram ist, braucht starke Nerven. Die Geschäfte laufen miserabel, die hohe Abhängigkeit von der Autoindustrie erweist sich als Mühlstein. Prognosesenkungen werden fast zur Routine. Und als würde das nicht reichen, haben die Hoffnungen auf eine Übernahme durch Finanzinvestoren zuletzt einen Dämpfer erhalten. Der Konzern schwankt von Krise zu Krise. Was bei Osram los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI OSRAM:

Osram knüpft derzeit fast nahtlos an die schlechte Nachrichtenlage aus dem Vorjahr an. Ende März setzte der Konzern seine Serie von Gewinnwarnungen fort und strich seine Jahresziele für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr drastisch zusammen. Es war die dritte Prognosesenkung binnen eines Jahres. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen zweimal den Ausblick gekappt.

Wirklich überrascht hat das niemanden. Schließlich hatte Vorstandschef Olaf Berlien in den vorangegangenen Wochen mehrfach über eine schwache Nachfrage geklagt und eine Senkung der Ziele bereits signalisiert. Letztlich wurde der Schritt in einem an die Öffentlichkeit durchgestochenen internen Interview nahezu vorbereitet - eine Kommunikationsstrategie, die den einen oder anderen Analysten ziemlich verärgerte. Auch strich das Management die Ziele deutlich stärker zusammen als angenommen. So geht der Vorstand unter anderem von einem erheblichen Umsatzrückgang aus.

Osram macht die Schwäche in der Autoindustrie sowie im Smartphone-Markt zu schaffen. Die konjunkturelle Abkühlung in China lässt die Lagerbestände wachsen, weswegen die Kunden mit neuen Bestellungen zögern. Besonders betroffen ist die LED-Sparte Opto Semiconductors, die unter einer erheblichen Unterauslastung der Produktionskapazität leidet. Ausgerechnet in diesem Segment hatte Osram erst die Kapazitäten durch eine neue Fabrik im malaysischen Kulim erhöht. Der Strategieschwenk, verstärkt auf die LED-Fertigung zu setzen, hatte vor einigen Jahren bereits zu einem Zerwürfnis mit dem damaligen Großaktionär Siemens geführt, der darin ein zu großen Risiko sah und inzwischen bei Osram ausgestiegen ist.

Mit den Problemen im Smartphone-Markt und der Autoindustrie steht Osram zwar nicht alleine da. Der Konkurrenz geht es ähnlich: So hatte Halbleiterhersteller Infineon bereits zweimal seine Prognose gesenkt. Allerdings geht das Infineon-Management im Gegensatz zu Osram weiter von einem Wachstum aus.

Die wirtschaftliche Schwäche erwischt Osram ausgerechnet in Zeiten des erneuten Umbaus. Das Unternehmen will sich von einem Lichthersteller zu einem "Anbieter von Lösungen" entwickeln und sich über die Photonik neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen. Der Vorstand will die Abhängigkeit vom Autogeschäft, das derzeit rund die Hälfte des Umsatzes ausmacht, verringern. Daran will Osram auch nicht rütteln: Berlien steht unter Druck zu beweisen, dass der eingeschlagene Weg diesmal der richtige ist.

Die schlechte Geschäftslage sät auch immer mehr Zweifel an einer Übernahme Osrams. Mitte Februar machte der Konzern Gespräche mit den Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle öffentlich. Osram, nach dem Ausstieg von Siemens ohne Ankeraktionär, ist dem nicht abgeneigt. Danach hörte man von dem Ansinnen von Bain und Carlyle zunächst nichts mehr. Mit der Gewinnwarnung kamen die ersten Bedenken von Analysten, ob sich die Finanzinvestoren nicht zurückziehen könnten, weil sich eine Übernahme womöglich nicht mehr rechne. Verstärkt wurden die Zweifel durch einen Pressebericht kurz vor Ostern, der in dasselbe Horn stieß. Dass Osram umgehend erklären ließ, es gäbe "weiter gute Gespräche" mit Bain und Carlyle, beruhigte die Investoren zunächst nicht, sie schickten die Aktie in den Keller.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Osram-Aktionär müssen derzeit Nerven wie Drahtseile haben. Die operative Schwäche hinterließ auch im Aktienkurs tiefe Spuren. Seit ihrem Rekordhoch bei 79,58 Euro Anfang 2018 haben die Papiere rund 60 Prozent an Wert verloren. Derzeit schwanken sie um die Marke von 31 Euro. Seit Jahresbeginn ging es für die Aktie um fast 17 Prozent nach unten.

Nach der Gewinnwarnung hatten Analysehäuser ihre Ziele reihenweise gekappt und nehmen mittlerweile eine abwartende Position ein. Die im dpa-AFX Analyser vertretenen Experten empfehlen überwiegend, die Aktie zu halten. Das Kursziel sehen sie im Schnitt bei gut 37 Euro - eine Marke, von der Osram noch ein gutes Stück entfernt ist.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Dass die Analysten gegenüber der Osram-Aktie trotz der trüben Geschäftslage weiter neutral eingestellt sind, liegt vor allem an der weiter bestehenden Übernahmefantasie. So argumentiert etwa das Analysehaus Kepler Cheuvreux. Aber auch hier werden die Analysten kritischer. So stützten die Übernahmespekulationen immer noch den Aktienkurs, schrieb Charlotte Friedrichs von der Privatbank Berenberg jüngst in einer Studie. Doch sei es unwahrscheinlich, dass ein möglicher Bieter eine hohe Prämie in Aussicht stelle.

Was die operative Entwicklung angeht, hatten sich viele Experten überrascht über das Ausmaß der derzeitigen Schwäche gezeigt. Die dritte Gewinnwarnung des Lichttechnikkonzerns in weniger als einem Jahr hinterlasse mehr Fragen als Antworten, schrieb Analyst Uwe Schupp von der Deutschen Bank.

Auch Berenberg-Analystin Friedrichs hat eigenen Aussagen zufolge nicht mit dieser drastischen Senkung gerechnet. Ihre Gespräche mit dem Unternehmen deuteten darauf hin, dass die Möglichkeit einer Vorausplanung weiter extrem begrenzt bleibe, da Kunden meist nur noch kurzfristig bestellten.

Analyst Alok Katre von der französischen Großbank Societe Generale kritisierte zudem die Art und Weise, wie Osram kommuniziert: Das Vertrauen der Investoren werde angesichts dessen strapaziert. Angesichts der jüngsten Negativ-Serie stellen sich dabei einige Marktbeobachter die Frage, ob es die letzte Gewinnwarnung von Osram in diesem Jahr war - oder ob womöglich noch mehr folgen könnte./nas/stw/jha/

Anmeldung notwendig

Benutzername oder E-Mail:
Passwort:

Um diese Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Falls Sie noch kein Benutzerkonto bei boerse-frankfurt.de besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Eintrag hinzufügen

Aktien in diesem Artikel

Infineon AG 14,43 2,34% Infineon AG
OSRAM AG 26,89 0,37% OSRAM AG
Siemens AG 106,36 1,01% Siemens AG
The Carlyle Group LP 19,73 0,35% The Carlyle Group LP
pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.