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18.04.2019 20:35:41
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Börsen-Zeitung: Weniger Aktien im Körbchen, Kommentar zum IPO-Markt

von Dietegen Müller

Frankfurt (ots) - Es geht aufwärts mit den Kursen an den

Aktienbörsen, seit die Konjunkturdaten aus China wieder besser

aussehen und sich nun auch in Europa eine Stabilisierung abzeichnet.

Der Osterhase wird dieses Jahr aber weniger neue Aktien ins Körbchen

kaufwilliger Anleger legen.

Damit ist nicht die Verringerung der Aktienquote nach der

kräftigen Rally gemeint, die für manche Analysten nun angezeigt ist.

Nein, es geht auch um die Zahl an gelisteten Aktien beziehungsweise

Unternehmen an und für sich. Diese Zahl ist seit Jahren rückläufig.

Da vermögen auch Milliarden-Börsengänge von Pinterest, Lyft & Co.

nicht viel dagegen auszurichten. Seit Jahresanfang beträgt das

Volumen neu platzierter Aktien - inklusive Bezugsrechten - aus

anstehenden oder schon durchgeführten Emissionen bis dato 37,8 Mrd.

Dollar weltweit. Dies liegt gut ein Drittel unter dem vergleichbaren

Stand des Jahres 2018.

Laut dem Datendienst Bloomberg sind derzeit immerhin

Aktienemissionen im Volumen von 147 Mrd. Dollar angekündigt. Die

größten Hoffnungswerte liegen im Finanzsektor (58 Mrd. Dollar

angekündigt), bei nicht-zyklischen Verbrauchsgüter- (30 Mrd. Dollar)

und Technologieunternehmen (knapp 12 Mrd. Dollar). So erfreulich dies

aus Sicht der Berater und Banken ist, die Zahlen deuten darauf hin,

dass der IPO-Jahrgang 2019 kaum das im Vorjahr erzielte Volumen von

mehr als 200 Mrd. Dollar erreichen wird, wenn es nicht zu einer

deutlichen Belebung in der zweiten Jahreshälfte kommt.

Der scharfe Einbruch des IPO-Volumens in diesem Jahr liegt an

einer Reihe von Faktoren. Zunächst wäre da die gestiegene

Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung, auch wegen des bisher

ungelösten Handelskonflikts zwischen den USA und China und den

USA und Europa. Stark dämpfend wirkt außerdem der Brexit, der den

wichtigen europäischen IPO-Markt in London praktisch lähmt. Die

Verzögerung des Austrittsdatums wird das Volumen weiter drücken.

Auch die Zahl der Listings ist eingebrochen. Dies passt in einen

Trend, der Aktieninvestoren zu denken geben muss. Die Zahl

börsengelisteter Unternehmen in den USA und Europa nimmt fast

kontinuierlich ab. Laut einer 2017 erstellten Studie der Großbank

Credit Suisse ("The Incredible Shrinking Universe of Stocks") ist die

Zahl der gelisteten US-Unternehmen von 1996 bis 2016 netto - unter

Einbezug von Erstlistings und Delistings - von 7322 auf 3671

Unternehmen gesunken. In den 20 Jahren davor waren noch mehr als 2500

Firmen an die Börse gekommen - eine Hochphase für Börsengänge.

Gemäß der World Federation of Exchanges stagnierte 2017 die Zahl

gelisteter heimischer Unternehmen weltweit bei 44000, ein Niveau, das

schon 2006 erreicht worden ist. Zugenommen hat die Zahl gelisteter

Unternehmen gegen den Trend in Asien. Ein Rückgang zeigt sich aber

nicht nur in den USA. In Europa fiel die Zahl gelisteter Unternehmen

von knapp 9600 im Jahr 2016 auf knapp 9100. Im Jahr 2007 waren es

noch rund 14000 gelistete Unternehmen gewesen.

Gründe dafür liegen hauptsächlich in der Übernahme gelisteter

Unternehmen durch andere Unternehmen. Auch regulatorische Gründe

werden angeführt. Doch eine zunehmende Rolle spielt auch, dass

private Finanzierungsformen in der Kapitalaufnahme eine größere

Anziehungskraft entwickelt haben. Das CFA Institute hat in einer

Untersuchung festgestellt, dass kleinere Unternehmen die Finanzierung

über Private Debt vorziehen. Gerade dieses Marktsegment wächst im

Niedrigzinsumfeld besonders stark, nicht zuletzt durch alternative

digitale Finanzierungsmodelle wie Initial Coin Offerings (ICOs) oder

dergleichen.

Ein Grund für die stärkere Finanzierung über Private Debt bei

kleinen Unternehmen liege darin, dass diese stärker auf immaterielle

Vermögenswerte (wie Lizenzen oder Patente) in ihren Geschäftsmodellen

setzen und Nachahmer fürchten. Damit seien aber wachstumsträchtige

Segmente im öffentlichen Markt unterrepräsentiert, die Aktienmärkte

könnten ihre Rolle als Benchmark für Risikoprämien verlieren, so das

CFA Institute. Es gebe keine klare regulatorische Lösung dafür. Die

Lockerung von Transparenzpflichten - wie es die EU für gewisse IPOs

ermöglicht - würde nur den Anlegerschutz und die Attraktivität

gelisteter Firmen verringern. Besser sei es, für mehr Transparenz im

Private-Debt-Markt zu sorgen, breiteren Anlegerkreisen den Zugang zu

ermöglichen und eine möglichen Blasenbildung im Auge zu behalten.

OTS: Börsen-Zeitung

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