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Kolumne

Peeters: "It´s the dividend, stupid"



Peters sieht in der Dividende einen maßgeblichen Einflussfaktor auf den Aktienmarkt und erläutert dies am Beispiel der RWE.
19. Februar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Aktionäre des westdeutschen Energieversorgers RWE sind sicherlich Kummer gewohnt, nachdem in den vergangenen Jahren der Aktienkurs des Versorgers nachhaltig unter die Räder gekommen ist, bekanntermaßen maßgeblich durch regulatorische Veränderungen geprägt, die der gesamten Industrie zugesetzt haben. Doch als das Unternehmen unlängst für viele Beobachter überraschend die völlige Streichung der Dividende für die im DAX gelistete Stammaktie angekündigt hat, reagierte der Markt erneut geschockt und schickte den Wert an einem Tag mit positivem Umfeld prozentual zweistellig in den Keller.

Wie kommt es zu solch einer drastischen Reaktion? Nun, wie immer, wenn Kurse ins Bodenlose gefallen sind, kommt als Argument auf der Käuferseite der Preis ins Spiel. In Zeiten hoher Schwankungen und mannigfaltiger Interpretierungen der Gewinne liegt der Fokus sehr häufig auf der Betrachtung des Buchwerts oder auch der Dividende. Wenn Aktien nah an oder gar bis unter den Buchwert rutschen und die Dividendenrendite durch die Kursverluste in die Höhe schnellt, dann werden oftmals auch Werte interessant, bei denen es operativ momentan nicht so rund läuft.

Fällt nun jedoch die Dividende wie im Falle von RWE aus oder wird drastisch gekürzt, dann fallen die Kennzahlen natürlich gänzlich anders aus. Zudem fehlt oftmals ein fälschlicherweise als sicher verbuchter Liquiditätsstrom. Im Falle von RWE ist dies besonders eklatant, weil viele Kommunen im Westen auf Aktienpaketen sitzen und in ihrer klammen Haushaltsplanung die bislang zuverlässige Zahlung fest eingeplant hatten.

Nun ist RWE auch wegen dieser Besonderheit nicht zu verallgemeinern, aber nicht nur aus der Saisonalität (im nahenden zweiten Quartal ist der Schwerpunkt der Dividendensaison) heraus lohnt es sich, das Thema in den Mittelpunkt der Anlageentscheidungen zu setzen.

Denn schließlich ist die relative Bewertung der Aktienmärkte zu den nach wie vor extrem hoch bewerteten Rentenmärkten ein wesentliches Argument der Bullen auf dem Börsenparkett. Und wenn schon Aktien in Relation zu Anleihen gesetzt werden, springt es natürlich oft ins Auge, dass Unternehmen, deren Bonds momentan mit weniger als 1 Prozent verzinst werden, ihren Aktionären Dividendenrenditen von oft über 3 Prozent bieten. So lange die Ausschüttungen nicht aus der Substanz, sondern aus erzielten Gewinnen erfolgen, wie dies momentan auch in der Breite des Markts der Fall ist, dann ist diese Betrachtung auch durchaus valide, trotz des bei Aktien erhöhten Kursrisikos (im Vergleich zu Anleihen).

Kurzum: Die Ausführungen zu der Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen und die tatsächliche Höhe der Ausschüttungen für 2015, die in den kommenden Monaten erfolgen, dürften maßgebliche Trigger für den Aktienmarkt bleiben. Somit sollten Investoren diese Parameter stets im Auge behalten.

von: Roger Peeters
© 19. Februar 2016 - Oddo Seydler

Über den Autor

Roger Peeters ist Head of Research bei der Oddo Seydler Bank AG, einer 100-prozentige Tochter der unabhängigen Finanzdienstleistungsgruppe Oddo & Cie, Paris. Oddo Seydler und Oddo & Cie beobachten gemeinsam mehr als 400 Aktien, Schwerpunkte sind deutsche und französische Werte. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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