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22.01.2016 15:04:37
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Kolumne

Peeters: "Rutschpartie zum Jahresstart"



Peters vergleicht das jetzige Börsenklime mit dem Wintereinbruch und erinnert daran, dass die Hausse die Hausse und die Baisse die Baisse nährt.
22 Januar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Und auf einmal war er da, der Winter. Nachdem in Deutschland und in vielen anderen Ländern über nahezu den kompletten Dezember und auch den Jahreswechsel hinweg ausgesprochen milde Temperaturen geherrscht haben, rutschten die Temperaturen zuletzt deutlich ab. Eisige Winde und mitunter auch gehörige Glätte haben verdeutlicht, in welcher Jahreszeit wir uns befinden.

Ausgesprochen rutschig auch der Start in das neue Jahr auf dem Börsenparkett. Und eisig war auch hier der Wind, der Börsianern in dieser Zeit entgegen kam. In den sonst für gewöhnlich sehr positiv verlaufenden ersten Wochen des Jahres verlor der deutsche Leitindex DAX prozentual zweistellig und somit so stark wie noch nie in der Geschichte. Parallel zum Sturz hat sich wenig überraschend auch die Stimmung auf dem Parkett deutlich ins Negative verkehrt.

Auf einmal sind allen Anlegern die Argumente, warum es jetzt weiter nach unten gehen soll, schlagartig präsent geworden: Der fallende Ölpreis, der wankende Riese China, die niemals gelöste Finanzkrise mit einem Riesenberg Verschuldung weltweit, die nach sieben Jahren Hausse nicht mehr günstige Bewertung und vieles mehr. Vielleicht ist der Gedanke, dass es nach einem wirklich sehr langen und nachhaltigen Aufschwung auch mal wieder an der Zeit ist, dass Aktien im Wert oder besser gesagt im Preis fallen, der momentan wichtigste. Denn schließlich ist die Feststellung, dass wirklich jede Hausse irgendwann mal enden muss, vollkommen richtig.



Bleibt die Frage, wie weit eine Korrektur reicht und wie lange sie anhält. Und hier gehen die Interpretationen durchaus auseinander. Aber wie immer gilt der Grundsatz, dass sich Trends selbst beschleunigen. Die Hausse nährt die Hausse und die Baisse nährt die Baisse. Mit jedem Punkt, den der DAX fällt, werden die Sorgen und Ängste größer, entsprechend werden neue Unsicherheiten ausgelöst, die zu Verkäufen führen können.

Und so darf man sich durchaus schon vor dem Ende des Januar die Frage stellen, ob mittlerweile nicht eine Übertreibung herrscht, zumindest werden einige Faktoren momentan wenig, vielleicht zu wenig, beachtet, beispielsweise die anhaltende Niedrigzinslandschaft, die Dividendentitel vergleichsweise attraktiv werden lässt oder auch die insgesamt recht robuste Konjunktur in Euroland und Amerika.

Die ehrlichste Antwort werden in den kommenden Wochen die veröffentlichten Unternehmensberichte bieten. Die veröffentlichten Zahlen und die Ausblicke für 2016 sollten die Frage, ob der Kurssturz eine Panikreaktion oder doch der Vorbote auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ist, zumindest für den Moment gut beantworten. Bis dahin ist Panik kein guter Ratgeber. Genauso wenig wie es sich lohnt, im Winterschlussverkauf noch massiv mit Mänteln und Schals einzudecken, genauso wenig muss man spät einem Ausverkauf folgen.

von: Roger Peeters
© 22. Januar 2016 - Oddo Seydler

Über den Autor

Roger Peeters ist Head of Research bei der Oddo Seydler Bank AG, einer 100-prozentige Tochter der unabhängigen Finanzdienstleistungsgruppe Oddo & Cie, Paris. Oddo Seydler und Oddo & Cie beobachten gemeinsam mehr als 400 Aktien, Schwerpunkte sind deutsche und französische Werte. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

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