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04.03.2016 11:15:17
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Kolumne

Peeters: "Stell Dir vor, es ist Erholung und keiner bekommt es mit"



Peeters analysiert die aktuelle Stimmung auf den Finanzmärkten.
4. März 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Leise, still und heimlich hat sich der Aktienmarkt in den vergangenen Wochen wieder deutlich von seinen temporären Tiefständen nach oben bewegt. So notiert etwa der deutsche Leitindex DAX rund 1000 Punkte höher als in der zweiten Februarwoche. Grund genug für Anleger die Sorgen beiseite zu legen und die Korrektur als abgeschlossen zu betrachten?

Gemessen an der öffentlich geäußerten Meinung darf man dies zumindest in Frage stellen. Noch immer sind die Schlagzeilen deutlich von Sorgen und Problemen geprägt. Die Nachhaltigkeit des Aufschwungs wird auch auf Grund von zumeist dünnen Handelsvolumina oft in Frage gestellt, schlechte Unternehmensnachrichten ausgiebig diskutiert und Unbehagen ob der Läge des langfristigen Aufschwungs und der strukturell ungesunden Gemengelage in der Zinspolitik bleibt in vielen Anlegerköpfen präsent.

Dies ist für all diejenigen, die zuversichtlich für die weitere Entwicklung des Marktes sind durchaus eine positive Nachricht, denn kaum etwas ist der weiteren Fortsetzung einer Hausse ähnlich zuträglich wie ein hohes Maß an Skepsis unter den Anlegern. Bekanntlich findet der Bullenmarkt in der Euphorie sein Ende. Diese haben wir zurzeit ganz sicher nicht und wir hatten sie auch nicht zum Jahreswechsel, bevor die stärkere Korrektur eingetreten ist. Auch die zweite wichtige Voraussetzung für steigende Kurse in Form von ausreichender Liquidität ist gegeben. Die Investitionsquoten sind beileibe nicht ausgereizt, die anhaltend offensive Politik der Notenbanken dürfte weiterhin für Impulse sorgen und alternative Geldanlagen wie Anleihen sind weiter hoch bewertet.

So weit, so gut. Was man nicht beiseite wischen sollte, sind die großen fundamentalen Risiken, die zwar durchaus schon auf dem Parkett diskutiert und zumindest in Teilen eingepreist wurden, die aber in ihrer Reichweite natürlich ungewiss bleiben. Zu nennen sind hier sicherlich die Angst vor einem harten Abschwung in China, der Kollaps beim Ölpreis mit seinen Folgen für die entsprechende Industrie und natürlich auch die unsichere geopolitische Lage. Gerahmt wird das ganze Gebilde von einer wieder aufkeimenden Sorge um die viel zitierte Kernschmelze des Finanzsystems, nachdem zuletzt Ängste um die Stabilität des Bankensektors kulminierten.

Beim Ölpreis ist Gelassenheit angebracht: Selbst wenn es zu größeren Verwerfungen etwa in der Ölschieferindustrie oder bei den Ausrüstern kommt, werden die Sekundärfolgen für die Wirtschaft und den Finanzmarkt momentan überskiziert. Sorgen um einen Kollaps des Finanzsystems wiederum sind ob der möglichen Tragweite berechtigt, nicht aber auf Grund der Wahrscheinlichkeit, die tatsächlich deutlich geringer ist, als es einige Marktteilnehmer behaupten.

Bleiben die beiden Unbekannten China und Geopolitik, hier darf man auch die latente Gefahr durch den Terror mit einbeziehen: Tatsächlich sind dies Größen, die für Investoren schwer abschätzbar sind und bleiben, somit gehören sie weiter beobachtet. Insgesamt darf aber konstatiert werden, dass für einen weiteren Rutsch an der Börse erst ein neuer negativer Impuls nötig wäre. In Sicht ist dieser zumindest momentan nicht.

von: Roger Peeters
© 4. März 2016 - Oddo Seydler

Über den Autor

Roger Peeters ist Head of Research bei der Oddo Seydler Bank AG, einer 100-prozentige Tochter der unabhängigen Finanzdienstleistungsgruppe Oddo & Cie, Paris. Oddo Seydler und Oddo & Cie beobachten gemeinsam mehr als 400 Aktien, Schwerpunkte sind deutsche und französische Werte. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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