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21.03.2016 08:14:55
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Börse Frankfurt News

Wochenausblick: Die Kraft lässt nach



Die Realwirtschaft rückt zunehmend wieder in den Anlegerfokus. Nach dem Aufwärtsimpuls könnte dem DAX nach Ansicht technisch orientierter Analysten zunächst die Luft ausgehen.
21. März 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Erholung der Aktienbörsen hat sich deutlich verlangsamt, im Wochenvergleich tritt der DAX bei einem Stand von 9.950 Punkten mehr oder weniger auf der Stelle. "Für die Märkte bedeutet die zögerliche Haltung der Federal Reserve vor allem Verunsicherung. Selbst der US-amerikanische Bankenverband hatte im Vorfeld der Notenbanksitzung Zinsanhebungen gefordert", beschreibt Cyrus de la Rubia einen der Gründe für die Zurückhaltung der Anleger. Der HSH Nordbank-Analyst rechnet nun für Juni mit einem zweiten Zinsschritt in den USA.

Eine unbekannte Größe für die weitere Zinsentwicklung jenseits des Atlantiks ist für de la Rubia der wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner Donald Trump. "Pro-Trump Umfrageergebnisse könnten die Stimmung in der Wirtschaft bereits in der zweiten Jahreshälfte deutlich eintrüben und die Zentralbank zu größerer Vorsicht veranlassen." Der überraschend hohe Preisdruck bei den Mieten fließe ebenfalls in das Kalkül von Notenbankpräsidentin ein wie der Ölpreis, die Stabilität Chinas, die Expansionsrate in den Schwellenländern und die Entscheidung Großbritanniens über den Verbleib in der Europäischen Union. Ein Brexit könne zu schweren Finanzmarktturbolenzen führen.

Fundamentaldaten rücken nach vorn

Zunächst widmen sich Börsianer allerdings wieder den realen Konjunkturdaten, wie Stefan Mütze von der Helaba meint. Entgegen der ernüchternden Stimmungsindikatoren für Deutschland zum Jahresauftakt erzählten diese eine ganz andere Geschichte. Nach dem starken Plus etwa beim Einzelhandel zum Jahresende habe sich der Januarwert auf dem erreichten hohen Niveau stabilisiert. Damit bestünden gute Chancen auf erneute Mehreinnahmen der Händler für das erste Quartal. "Der wahre Paukenschlag allerdings war der Anstieg der Industrieproduktion um 3,3 Prozent gegenüber dem Vormonat." Zwar wirkten Sonderfaktoren wie die hohe Zahl von Brückentagen im Dezember und der milde Winter. Deshalb winke laut Mütze im Februar eventuell eine Korrektur des Januarwertes nach unten. "Trotzdem dürfte die Produktion im ersten Vierteljahr zulegen."

Ansehnliche Rendite
 

Auch die Dividenden der DAX-Unternehmen überzeugten. "Insgesamt haben 80 Prozent aller im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmen ihre Ausschüttungssummen erhöht", bemerkt Robert Halver von der Baader Bank. DAX-Konzerne zahlten für das abgelaufenen Geschäftsjahr die höchste Dividendensumme aller Zeiten. Und diese nage nicht an der Unternehmenssubstanz, sondern würde aus erwirtschafteten Gewinnen gezahlt. Mit einer Dividendenrendite von aktuell 3,3 Prozent stelle der DAX alternative Zinsanlagen weit in den Schatten. "Bei deutschen Einzelaktien lassen sich über 5 Prozent erzielen."

Robert HalverHalver
 
Die LBBW sieht die Konzerne im deutschen Bluechip-Index nach der jüngsten Erholung immer noch rund 10 Prozent unterbewertet. Wenngleich die aktuelle Bewegung ein wichtiger Anlauf zur Trendumkehr sei, geben die Analysten der Landesbank keine Entwarnung. Die Sentiment-Indikatoren wiesen nicht auf eine stabile Rückkehr der DAX-Bullen.

Nachlassende Kraft
 

Aus technischer Perspektive wird ein Ende der Aufwärtskorrektur wahrscheinlicher, wie Christian Schmidt folgert. Für den Charttechniker der Helaba ist der Versuch des DAX, das 50 Prozent Retracement im Bereich von 10.075 Zählern zu überwinden, zunächst gescheitert. "Die dabei ausgebildete, große Abwärtskerze, verbunden mit dem Rutsch unter eine bedeutende Multi-Average-Linie verdeutlicht, dass dem deutschen Leitindex die Luft ausgeht." Zuletzt zu beobachtende negative Divergenzen und die Tatsache, dass auf den kommenden Mittwoch eine wichtige Zeitprojektion entfällt, sprächen für zunehmende Risiken auf der Unterseite.

Christian SchmidtSchmidt
 
Für Halver liegen die ersten DAX-Widerstände auf dem Weg nach oben im Bereich zwischen 9.905 und 9.925, bei rund 10.000 und bei 10.123 Punkten. Darüber befänden sich weitere Barrieren bei 10.416, 10.485 und am mittelfristigen Abwärtstrend bei zurzeit 10.494 Punkten. Auf der Unterseite verliefen dagegen Unterstützungen bei rund 9.700 und 9.620 Punkten. "Darunter bietet die wichtige Marke bei 9.498 DAX-Punkten Halt."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 22. März

10.00 Uhr. Euroraum: Einkaufsmanagerindizes März. Im ersten Quartal befinden sich die Länder der europäischen Währungsgemeinschaft laut DekaBank auf Wachstumskurs, was die vorläufigen Märzdaten zum Ausdruck bringen dürften. Dies gelte sowohl für das verarbeitende Gewerbe als auch die Dienstleister. Viel Spielraum für deutliche Bewegungen sehen die Analysten der DekaBank allerdings nicht. Risikofaktoren wie Schwellenländerschwäche, US-Konjunktursorgen, Brexit und Finanzmarktturbulenzen hätten sich zwar nicht verschärft. Bis auf die zusätzliche geldpolitische Unterstützung durch die Europäische Zentralbank gebe es aber auch keine neuen positiven Impulse. Unterm Strich laufe es auf eine schwache Seitwärtsbewegung bei den Einkaufmanagerindizes im März hinaus.

10.00 Uhr. Deutschland: Ifo-Geschäftsklimaindex März. Die HSBC-Analysten gehen davon aus, dass es bei der Erwartungskomponente des ifo-Instituts nur zu einem kleinen Plus kommt. Die globalen Absatzperspektiven der Unternehmen hätten sich nicht verbessert. Der Gesamtindex werde voraussichtlich aufgrund einer Verschlechterung der Geschäftslage den vierten Rückgang in Folge ausweisen, was auf die bestehenden konjunkturellen Risiken zurückzuführen sei. Besondere Bedeutung komme der Stimmung im Dienstleistungssektor zu, denn dieser habe in den vergangenen Quartalen maßgeblich zum Wachstum der deutschen Konjunktur beigetragen. Dort sei der Optimismus trotz leichter Eintrübung weiterhin sehr gut.

von: Iris Merker
© 21. März 2016 - Deutsche Börse AG

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