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15.02.2016 09:03:39
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Börse Frankfurt News

Wochenausblick: Hoffnung auf Gegenbewegung



Nach dem positiven Wochenausklang rechnen technisch orientierte Analysten auf kurze Sicht mit einer Fortsetzung der Erholung. Ausgestanden scheint die Baisse damit noch nicht.
15. Februar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach der Berg- und Talfahrt an den Börsen der vergangenen Woche bleibt die Situation nach Einschätzung vieler Analysten angespannt. "Der Ölpreis fällt und fällt und mit ihm die Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten", fasst Claudia Windt die Lage zusammen. Rund 8 Prozent Preissteigerung bei Gold auf Wochensicht und eine starke Nachfrage nach als sicher geltende Anleihen bonitätsstarker Länder sprächen für sich.

"US-Notenbankchefin Yellen ist es nicht gelungen, den Anlegern ihre Sorgen um den Zustand der US-Wirtschaft zu nehmen", meint die Helaba-Analystin. Im Gegenteil, viele interpretierten in die Verflachung der US-Zinskurve ein deutlich gestiegenes Rezessionsrisiko für die Vereinigten Staaten. Für Windt ist dieses Szenario indes eher unwahrscheinlich. "Die Zinskurve dient insbesondere dann als Rezessionsindikator, wenn ihr Verlauf invers ist, also das kurze über dem langen Ende rentiert." Eine zu starke Leitzinsbremse hätte in dem Fall die Wirtschaft abgewürgt. "Dies dürfte bei dem bisherigen Zinskurs der Federal Reserve allerdings nicht geschehen." Die anstehenden Daten zur US-Industrieproduktion sollten Windt zufolge zur Zerstreuung der Ängste beitragen.

Talsohle noch nicht durchschritten
 

Rund 4,5 Prozent hat der DAX in der vergangenen Woche verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 13 Prozent zu Buche. Der Dow Jones Industrial büßte knapp 7 Prozent ein. Bei den überverkauften Märkten sieht Robert Halver von der Baader Bank in der kommenden Zeit Einstiegschancen. "Aktienrückkaufprogramme haben sich in den vergangenen Jahren regelmäßig als solide Stütze für Aktien erwiesen", nennt der Analyst der Baader Bank als einen Grund. Insbesondere US-Unternehmen hätten sich so von höheren Dividendenrenditen für Fremdkapital freigekauft. Das für 2016 geschätzte Aufkaufvolumen von rund 450 Milliarden US-Dollar liege dabei klar über dem Durchschnitt der letzten vier Jahre.

Markus ReinwandReinwand
 
Den richtigen Zeitpunkt für einen Einstieg zu finden, ist jedoch alles andere als einfach. "Einerseits warnt eine alte Börsenregel davor, in das fallende Messer zu greifen, andererseits bieten sich im Zuge panikartiger Ausverkaufssituationen bei Aktien häufig interessante Kaufgelegenheiten", erinnert Markus Reinwand von der Helaba. Bislang fehle freilich ein zuverlässiges Anzeichen dafür, dass der Kursboden beim DAX bereits erreicht ist. Der Ausverkauf habe zwar eingesetzt. "Im DAX notierte zuletzt nur noch ein Titel über seinem 200-Tage-Durchschnitt." Auch deuteten Stimmungsindikatoren wie Investorenumfragen oder die implizite Aktienvolatilität auf eine verbreitete Angst unter Anlegern. "Von Panik kann bislang dagegen noch keine Rede sein."

Bärenmarktrally überfällig
 

Aus technischer Sicht hinterlässt der deutsche Aktienindex zur Mitte des ersten Quartals einen deutlich negativen Eindruck, wie Franz-Georg Wenner zustimmt. "Die massiven Verluste der vergangenen Wochen lassen Parallelen zur Entwicklung im Krisenjahr 2008 aufkommen, als der DAX das erste Quartal mit minus 19 Prozent beendete", erinnert der Betreiber von chartanalysten-online.de. Auf kurze Sicht sieht auch Wenner nach den massiven Verlusten, insbesondere in den vergangenen zwei Wochen, auch Chancen. "Auf Basis statistischer Schwankungen um den Monatsmittelwert ist der DAX derzeit so kräftig überverkauft wie selten zuvor." Zuletzt hätten sich die Kurse um knapp acht Prozent von der 21-Tage-Linie entfernt, was eine Bärenmarktrally überfällig mache.

Franz-Georg WennerWenner
 
"Läuft es gut, wäre ein Test der alten Unterstützung um 9.300 Punkte durchaus möglich, die letzte Erholung reichte sogar bis an die 21-Tage-Linie, die aktuell bei 9.440 Zählern verläuft." Eine Erholung darüber hinaus und damit auch über das jüngste Zwischenhoch bei knapp 9.900 DAX-Punkten erwarte der Analyst aber nicht. Anleger hätten die steigende Kurse zuletzt nicht zum Aufbau neuer Bestände genutzt, sonder zur Reduktion von Aktienpositionen. Auch fehle noch eine Kapitulation des Marktes und somit ein bereinigender, finaler Ausverkauf. "Daher erscheint eine Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends nur eine Frage der Zeit zu sein." Schließe der DAX per Wochenschluss unter 8.700 Zählern, rechnet Wenner mit einem Anlauf bis an 2000/2007er-Hochs um 8.100 Punkten.

Technische Gegenbewegung denkbar
 

Auch Karen Szola sieht auf kurze Sicht Chancen für einen Richtungswechsel. Das deutsche Aktienbarometer sei am vergangenen Donnerstag bei 8.699 Punkten auf ein neues Jahrestief abgetaucht und damit unter die altbewährte Unterstützungszone zwischen etwa 9.000 und 8.900 Zähler gerutscht. "Zwischen Dezember 2013 und August 2014 sorgte dieser Halt regelmäßig für eine Erholungsbewegung", erinnert die Technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online.

Karen SzolaSzola
 
Der erfolgte Durchbruch mit den frisch aktivierten Abwärtskurszielen um 8.500 und 8.350 Punkten könne nur noch verhindert werden, wenn der DAX jetzt wieder rasch nachhaltig über die Haltezone von 8.900 bzw. 9.000 Zähler zurückfindet. Dieser zumindest technischen Gegenbewegung räumt Szola durchaus Chancen ein, da die Indikatoren jetzt stark in ihren überverkauften Extremzonen notierten. "Ein erster bullisher Gewinn erfolgt, wenn zumindest der seit dem Dezemberhoch entwickelte Abwärtstrend um 9.300 Punkte überwunden würde." Im Erfolgsfall wäre der Analystin zufolge aus mittelfristiger Sicht dann eine Kurserholung bis in den Bereich um 10.100 Zähler drin. Nach unten böten die Rekordstände aus den Jahren 2000, 2007 und 2013 bei 8.100 bzw. 8.000 Zähler Unterstützung.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 16. Februar

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW Konjunkturlage und -erwartungen Februar. Die DekaBank-Analysten gehen von einer merklichen Verringerung der ZEW Konjunkturerwartungen für Deutschland aus. Ein regelrechter Wintersturm sorge für Unruhe an den Kapitalmärkten. Der Verfall der Rohstoffpreise wecke Befürchtungen, dass die globale Konjunktur ins Stottern gerät. Bislang hätten Anleger sich um die Schwellenländer und vor allem um den Zustand der chinesischen Wirtschaft gesorgt. Inzwischen mehrten sich Stimmen, die eine schwächere Gangart in den USA erwarten. Das drücke auf die Stimmung der Finanzmarktanalysten. Die Umfrage von sentix habe einen Vorgeschmack geliefert, nun folge die ZEW-Umfrage.

Freitag, 19. Februar

14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise Januar. Die Inflationsrate dürfte nach Einschätzung der DekaBank einen Sprung nach oben gemacht haben. Nach 0,7 Porzent im Dezember erwarten die Analysten der Bank nun einen Anstieg auf 1,3 Prozent. Zwar seien im Januar die Energiepreise gegenüber dem Vormonat gefallen, der Rückgang sei aber weniger stark als Anfang 2015 ausgefallen. Damals sei der Index um 0,7 Prozent zurückgegangen. Klammere man die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise aus, erhalte man die so genannte Kerninflationsrate, die sich mit voraussichtlich 2,1 Prozent auf dem Vormonatsniveau bewege.

von: Iris Merker
© 15. Februar 2016 - Deutsche Börse AG

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