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20.03.2017 08:52:15
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Börse Frankfurt News

Wochenausblick: Ohne Antrieb



Nach den Wahlen in den Niederlanden blicken Anleger im Superwahljahr bereits zu den nächsten politischen Entscheidungen in Frankreich. In den Charts erkennen Analysten Lustlosigkeit gekoppelt mit einer möglichen Rückschlaggefahr.
20. März 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vor den Wahlen ist nach den Wahlen. Nachdem der rechtsliberale Ministerpräsident Rutte vergangene Woche die meisten Stimmen in den Niederlanden auf sich vereinte und damit der mögliche Austritt der Niederlande aus der Europäischen Union erst einmal vom Tisch ist, wenden sich Anleger bereits dem nächsten politischen Großereignis zu. Die erste Runde der französischen Präsidentenwahl findet am 23. April statt.

Das Aufatmen am Aktienmarkt blieb allerdings überschaubar, wie Stefan Mitropoulos von der Helaba zusammenfasst. Am Tag nach der Wahl sei der DAX ebenso wie der niederländische Leitindex AEX um moderate 0,6 Prozent gestiegen. Auf Wochensicht gewann das deutsche Aktienbarometer von 11.963 auf 12.095 Punkte und notiert damit rund 1,1 Prozent höher.

Am Montagmorgen steht er allerdings schon wieder bei 12.061 Punkte leicht tiefer.

Zur Erleichterung an den Aktienmärkten trug nach Ansicht der Helaba trotz US-Zinserhöhung der von manchen Anlegern befürchtete ausbleibende Schwenk zu einer aggressiveren Geldpolitik bei. Die Anhebung sei erwartet und als Folge der guten US-Konjunktur eingestuft worden. Nun warte die Federal Reserve zunächst auf die Auswirkungen der Trump-Politik.



Moderate Zinsschritte

"Tatsächlich hat die US-Notenbank ihre Inflationsprognosen nicht verändert: 1,9 Prozent 2017, 2018 und 2019 jeweils 2 Prozent", erinnert Robert Halver von der Baader Bank. Insofern werde das Inflationsziel der Zentralbank erst 2018 erreicht, was keine unmittelbar scharfe Zinsreaktion erfordere. "Die Federal Reserve ist sogar bereit, ein temporäres Überschießen über ihren Inflationszielwert zu tolerieren."

Denn für die steigende Teuerung mache sie insbesondere die Basiseffekte höherer Rohstoffpreise verantwortlich, die aus Sicht der Währungshüter nicht tiefgreifend sind. "Sie kennt die mangelnde Förderdisziplin der OPEC aufgrund der finanzpolitischen Notlage ihrer Mitglieder." Das steigende Fracking in den Vereinigten Staaten verhindere zudem voraussichtlich nachhaltige Preiserhöhungen. Tatsächlich hätten die Anzahl aktiver US-Ölbohrungen und damit auch die Ölproduktion wieder spürbar zugenommen. "Wenn die OPEC kürzt, weitet Fracking die Produktion aus." Auch an der üppigen monetären Ausstattung halte die Federal Reserve fest.

Anleger bleiben gelassen
 

Für den Euroraum verlieren die politischen Risiken nach Ansicht von Halver übrigens ein Stück weit an Drohpotenzial. Der Analyst der Baader Bank macht dies am von der BNP Paribas veröffentlichten Political Risk Index für die Währungsgemeinschaft fest. "Die Kursschwankungsbreite von Aktien der Eurozone gemäß des VStoxx Volatilitätsindex befindet sich auf einem Allzeittief."

HalverHalver
 

Es mangelt an frischem Wind

In den Charts erkennt Karen Szola aktuell wenig Antrieb. Zwar markierte der DAX in der vergangenen Woche ein neues Jahreshoch bei 12.156 Punkten. "Allerdings fehlte ihm jeglicher Elan, um einen überzeugenden Ausbruch über die 12.000er-Marke zu liefern", meint die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online. Das neu eroberte Niveau habe der hiesige Leitindex auf Wochenschlusskursbasis nicht verteidigt. "Die vermeintliche Ausbruchslücke der Vorwoche entpuppte sich als Non-Event und wurde wieder geschlossen."

Demnach kann sich Szola zufolge das seit Wochen anhaltende Seitwärtsgeplänkel aus Ermangelung frischer Dynamik weiter fortsetzen. Gründe dafür seien schnell ausgemacht. "Zum einen limitiert die Parallele des im Februar 2016 entspringenden Aufwärtstrends um etwa 12.200 DAX-Zähler den Vorstoß gen Norden." Auch erweise sich der Kursbereich um die 12.000er-Marke als zähe Barriere. Ein Blick auf diverse Indikatoren verrate ebenso, dass die Luft nun bald wieder dünner wird. Volatilitätsbarometer, wie der VDAX-New oder der VSTOXX , mahnten aktuell mit äußerst niedrigen Notierungen zur Vorsicht. "Denn sind die Werte niedrig, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Anstieg der Volatilität in naher Zukunft und damit wiederum für tendenziell fallende Kurse."

Entscheiden die Bullen indes das zähe Ringen um die Marke von 12.000 Punkten nachhaltig für sich, kann sich Szola durchaus eine weiterführende Klettertour zum Allzeithoch bei 12.390 Zählern aus dem April 2015 vorstellen.

Komme es zu einer stärkeren Konsolidierungsbewegung, stünde dem DAX Abwärtsspielraum bis zur kürzlich verlassenen Seitwärtszone um 11.400 bzw. 11.800 DAX-Punkten zur Verfügung, ohne dem aussichtsreichen Bild zu schaden. Unterhalb dieses Kurslevels würden weitere Abgaben aktiviert.

Auf kurze Sicht Abwärtsrisiken

Christian Schmidt von der Helaba gewichtet das technische Risiko einer kurzfristigen Abwärtsreaktion beim deutschen Aktienindex ebenfalls etwas höher. Im Bereich eines Kreuzwiderstandes bei 12.151 Zählern habe der DAX gestern ein neues Jahreshoch markiert, um sich anschließend wieder von diesem nach unten zu entfernen. "Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die mediane Trendlinie von Andrew’s Pitchfork auf Basis des Wochencharts nur knapp oberhalb des Kreuzwiderstands verläuft."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Dienstag, 21. März

11.00 Uhr. Großbritannien: Verbraucherpreise Februar. Die britischen Konsumentenpreise sind seit dem Jahreswechsel wie erwartet rasant gestiegen. Im Februar dürfte die Inflationsrate nach Ansicht der DekaBank bereits 2 Prozent erreichen. Zum einen trügen die Energiepreise zur höheren Inflation bei.

Andererseits erreiche die starke Pfund-Abwertung 2015 nun auch die privaten Haushalte und verteuere ihren Warenkorb. 2016 hat das Pfund gegenüber dem Euro rund 15 Prozent verloren. Den Inflationsanstieg sehen die Analysten der DekaBank fortschreiten, bis 2018 werde die britische Teuerung rund 3 Prozent erreichen. Das werde den Konsum belasten und das Wachstum während der Austrittsverhandlungen verlangsamen.

Freitag, 24. März

10.00 Uhr. Euroraum: Einkaufsmanagerindizes März. Die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum hat den Schwung aus dem vierten Quartal laut DekaBank mitgenommen. Bislang laufe das erste Quartal rund. Negative politische Schocks aus den USA oder Europa seinen in den vergangenen Wochen ausgeblieben. Die gute Stimmung in der Wirtschaft dürften würden auch die Einkaufsmanagerindizes zum Ausdruck bringen. Dies gelte für den Teilindex der Dienstleister ebenso wie für den Teilindex der Industrie. Einen leichten Rücksetzer bei den Einkaufsmanagerindizes stufen die Analysten als Verschnaufpause nach der starken Entwicklung in den Vormonaten ein. Beide Teilindizes hätten im Februar den höchsten Stand seit fast sechs Jahren erreicht.

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von: Iris Merker
20. März 2017, © Deutsche Börse AG

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