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03.06.2019 10:03:41
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Börse Frankfurt News

Wochenausblick: Politik gibt Richtung vor



Politische Unwägbarkeiten wie der Ruf nach immer neuen Strafzöllen verderben Börsianern zunehmend die Laune. Technisch erkennen Analysten für den DAX weitere Abwärtsrisiken.
3. Juni 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). So hatten sich Börsianer den Ausklang des Wonnemonats nicht vorgestellt. Die von Donald Trump kurz vor Schluss angedrohte zusätzliche Besteuerung für aus Mexiko eingeführte Produkte quittierten Anleger mit dem Rückzug aus Aktien und dem Kauf von Anleihen. Der Rückgang der Renditen zehnjähriger US-Treasuries von 2,5 auf 2,17 Prozent spricht Bände, Bundesanleihen gleicher Laufzeit markierten mit minus 0,21 Prozent ein neues Allzeittief.

Der DAX beschloss den Mai mit einem Minus von rund 6 Prozent, allein am Freitag büßte das deutsche Aktienbarometer etwa 1,5 Prozent ein und startete mit 11.661 Punkten nochmals schwächer in die Woche. So lange sich keine Beruhigung bei den internationalen Handelsstreitigkeiten abzeichnet, dürfte die Risikoaversion an den Kapitalmärkten und damit auch die Nachfrage nach sichereren Staatspapieren nach Auffassung der HSBC hoch bleiben.

US-Arbeitsmarktdaten könnten gegensteuern

Im besten Fall sorgen nach Meinung von Chris-Oliver Schickentanz wichtige US-Daten für etwas Entspannung. Die am Freitag anstehenden, vermutlich weiterhin stabil ausfallenden US-Arbeitsmarktdaten haben nach Ansicht des Commerzbank-Analysten das Zeug, aufkommenden Zweifeln an der Robustheit der US-Wirtschaft etwas entgegenzusetzen. Erste Aufschlüsse dies bezüglich würden zur Wochenmitte die privaten Arbeitsmarktdaten liefern.



Politische Baustellen en masse

Neben den Handelsstreitigkeiten sehen Analysten die Schwäche am Aktienmarkt im Licht weiterer politischer Ereignisse. Der Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionschefin der SPD samt Aufgabe aller bundespolitischen Mandate stelle einmal mehr die Zukunftsfrage für das bestehende Regierungsbündnis. Daneben beschäftige der für Freitag geplante Abgang der britischen Premierministerin die Anlegergemüter. Die Brexit-Befürworter scheinen derzeit die Nase vorn zu haben, Ex-Außenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson wird aktuell als aussichtsreichster Nachfolger gehandelt.

Nach den Europawahlen wirkt das Staatenbündnis nach Auffassung von Claudia Windt von der Helaba zersplitterter als zuvor. Zwischen Deutschland und Frankreich knirsche es immer hörbarer im Gebälk. Zudem fühle sich Italien in seinem Schuldenkurs nun legitimiert und fordere eine allgemein gültige Defizitquote von 5 Prozent. Ob da ein deutscher EZB-Chef eine Lösung wäre, bleibe offen.

"Wir glauben nach wie vor, dass die Irrfahrten allmählich ein Ende finden", meint Windt. Allerdings drohten die politischen Strömungen die Weltwirtschaft vom Kurs abzubringen. Aus diesem Grund habe die Helaba die Eintrittswahrscheinlichkeiten ihrer Kapitalmarktprognosen für dieses Jahr angepasst. Das Risiko des Negativszenarios liege nun bei 30 Prozent. Die Erhöhung um 10 Prozent sei zulasten des Basisszenarios erfolgt, das nun mit 60 Prozent geringer ausfalle.

Abwärtsrisiken bleiben
 

Aus technischer Perspektive hat sich die Lage an den internationalen Märkten nach Auffassung von Christoph Geyer deutlich verschlechtert. "Trendlinien konnten nicht gehalten werden und Unterstützungen wurden angekratzt", fasst der Charttechniker der Commerzbank zusammen. "Zudem erfolgten die Abwärtsbewegungen dynamisch." Der DAX habe die Aufwärtstrendlinie nicht mehr verteidigen können und sei unter die runde Marke von 12.000 Punkten gerutscht. An der Unterstützungslinie um 11.700 Punkte habe der deutsche Aktienindex zwar zunächst Halt gefunden. "Dies dürfte aber durch die US-Vorgaben zum Wochenauftakt kaum weiterhelfen." Für Geyer lautet das nächste Kursziel 11.400 Punkte.

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Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch, 5. Juni

Nach 22 Uhr. Deutschland: Bekanntgabe der Indexzusammensetzungen

Die Deutsche Börse wird am Mittwoch nach US-Handelsschluss ihre Änderungen in der Zusammensetzung beim DAX, MDAX und SDAX bekanntgeben. Während Beobachter keine Änderungen für den DAX erwartet, könnten Wacker Chemie und Alstria Office laut vom MDAX in den SDAX absteigen. Leasing-Spezialist Grenke, Ticket-Vermarkter CTS Eventim oder IT-Dienstleister Cancom gelten als hoffnungsvolle Kandidaten die Plätze einzunehmen.

Donnerstag, 6. Juni

13.45 Uhr. Euroraum: Zinsentscheid Europäische Zentralbank. Die Hüter der Gemeinschaftswährung werden nach Ansicht der DekaBank an ihrem bisherigen Fahrplan festhalten und Leitzinsen mindestens bis zum Jahresende unverändert lassen - ohne nachhaltige Zunahme der Inflation eher länger. Die verhaltenen wirtschaftlichen Aussichten sprächen dafür, die Langfristtender des neuen Programms TLTRO-III mit attraktiven Konditionen auszustatten.

Freitag 7. Juni

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion, April. Trotz leichter Zuwächse im Februar und März schwächelt die deutsche Industrie im ersten Quartal bei gleichzeitig abnehmenden Auftragseingängen. Immerhin sei die Reichweite des Auftragsbestands stabil, was für die DekaBank auf eine zunehmende Bedeutung langlaufender Großaufträge hinweist. Für den April rechnet die DekaBank mit einer Schrumpfung der industriellen Erzeugung um rund 0,5 Prozent.

von Iris Merker
3. Juni 2019, © Deutsche Börse AG

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